Foto von zwei Frauen mit Einkaufstüten in der Fußgängerzone von Alsfeld.

Volle Einkaufstüten, aber teils verwaiste Läden: Der erste Shopping-Tag in der Modellkommune Alsfeld ging ohne viel Trubel über die Bühne. Mancher Einkaufswillige wurde direkt mit einem positiven Corona-Schnelltest am Bummeln gehindert. Ein Ortsbesuch.

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hs
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Schönes Shopping-Wetter sieht anders aus. Die Alsfelder Altstadt begrüßte ihre Besucher am Donnerstag mit Bibber-Wetter: Eiseskälte, Wind und Graupelschauer. Vielleicht auch deswegen verlief sich zum Start des Modellprojekts zu Corona-Lockerungen im Einzelhandel auch wenig Kundschaft in das kleine Einkaufsviertel mit seinen Fachwerkhäusern. Statt geschäftigem Treiben herrschte gähnende Leere in den Innenstadt-Gassen der 16.000 Einwohner zählenden Vogelsberg-Gemeinde.

Erst testen, dann shoppen

Alsfeld ist eine von drei Kommunen, die vom Land ausgewählt wurde, um kleine Öffnungsschritte zurück zur Normalität zu erproben. Baunatal (Kassel) will am Freitag bekanntgeben, wann und wie es das Projekt umsetzt. Dieburg in Südhessen hat sich wegen des Infektionsgeschehens erstmal dagegen entschieden.

Schild in einem Geschäft in Alsfeld, welches darauf hinweist, dass nur mit einem aktuellen, negativen Covid-19-Test eingetreten werden darf.

In Alsfeld beschränkten sich die Öffnungen auf rund 30 Läden. Wer dort Schuhe, Kleidung oder sonstwas Hübsches kaufen wollte, musste sich aber erst in einem der drei örtlichen Testcenter auf Corona checken lassen. Mit dem negativen Test wurde dann limitierter Einlass gewährt, natürlich unter Einhaltung der üblichen Hygiene-Regeln.

Positiver Nebeneffekt im Testzentrum

600 Tests waren am Donnerstag erhältlich und wurden weitgehend abgerufen. Darüber sollte auch der Zulauf der Kundschaft reguliert werden. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK), das zwei von drei Teststationen betreibt, zeigte sich zufrieden. Es laufe reibungslos, hieß es dort. Das kostenlose Test-Angebot werde gut angenommen. Der Appell lautete: Nicht ohne vereinbarten Termin erscheinen. Auch wenn nun die Test-Kapazitäten auf 700 erhöht werden, wie die Stadt am Nachmittag mitteilte.

Foto von Menschen, wie sie vor dem Covid-19-Schnelltestzentrum in der Alsfelder Fußgängerzone stehen.

Bei den DRK-Testzentren wurden auch drei positive Tests registriert. "Diese drei Menschen können schon mal nicht weitere Menschen anstecken, wenn sie nun in Qurantäne müssen", erklärte Bürgermeister Stephan Paule (CDU) den positiven Nebeneffekt der Shopping-Offensive.

Er zeigte sich zufrieden mit dem Auftakt: "Es ist wie erwartet ruhig angelaufen", sagte Paule. Es sei gut, wenn die Straßen nicht voll seien. "Wir wollen ja hier auch kein Volksfest feiern, sondern schauen, ob der Einzelhandel die Inzidenz nach oben treibt oder nicht", so der Bürgermeister.

"Ein verhaltener Start"

Das Stimmungsbild bei den Händlern fiel zum Auftakt des Feldversuchs durchwachsen aus. Die wenigen Kunden genossen dagegen den unverhofften Einkaufsbummel. Monika Krebühl war mit einer Freundin aus Kirtorf (Vogelsberg) gekommen. Sie begrüßten es, dass endlich mehr als Online-Shopping möglich ist. "Vor allem für die älteren Menschen freut es mich auch. Die sind mit dem Einkaufen übers Internet ja oft nicht so vertraut", sagte Krebühl, bei der Schmuckstücke in der Einkaufstüte landeten.

Tanja Schäfer nutzte ihre Mittagspause für ein paar Besorgungen in der Innenstadt. Sie hatte mehr Besucher erwartet. "Ein verhaltener Start", beobachtete sie. "Offene Geschäfte sind gut für die Händler, auch gut für mich, aber schlecht für den Geldbeutel", sagte sie und trug ihre Tüten davon.

Foto von zwei Menschen von hinten in der Fußgängerzone von Alsfeld.

Für Daniel Vitt, Geschäftsführer beim Mode- und Lifestyle-Geschäft Pabst, ist der Modellversuch "eine gute Sache". Er habe nicht das Gefühl, dass sich die Öffnung angesichts der wenigen Kunden nicht lohnten. "Es ist besser als nichts. Ich bin froh, dass wir die Möglichkeit haben."

Euphorie im Sportgeschäft

Im Reisebüro Holidayland herrschte ebenfalls wenig Betrieb. "Das Sommergeschäft ist schwach. Erst für den Herbst und Winter trauen sich die Kunden an Buchungen heran", sagte Lisa Lerch.

Andreas Stöppler, Inhaber des Sportgeschäfts Müller, hat indes große Erwartungen. Die Umsätze seien bislang gering gewesen. "Wir sind seit Monaten ohne Geld. Für uns ist das Modellprojekt das Beste, was uns derzeit passieren kann."

Tübingen als mahnendes Beispiel

Ein paar Meter weiter beschleichen Dafni Brück, Filialleiterin im Hutgeschäft Assorti, gemischte Gefühle, wie sie erklärte. "Ich befürchte, dass es sich hier so entwickelt wie in der Modellstadt Tübingen. Dort haben die Infektionen stark zugenommen. Und bisher wird das Angebot auch nicht so angenommen, wie ich es mir erhofft habe. Ich glaube, das hätten wir uns sparen können."

Foto einer Verkäuferin in einem Hutladen. Neben und hinter ihr sind viele Hüte, Taschen und Handschuhe zu sehen - vor allem in der Farbe Rot.

Abgebrochen werden soll das Modellprojekt in Alsfeld, wenn die Inzidenz im Vogelsberg über den Wert von 200 steigt. Am Donnerstag lag sie bei 126,8. Der Modellversuch läuft bis zum 1. Mai. Wenn das Infektionsgeschehen übersichtlich bleibt, ist in einem nächsten Schritt angedacht, die Außengastronomie zu öffnen. Das könnte Alsfeld dann einen Schub bei den Besucherzahlen geben.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 08.04.2021, 19.30 Uhr