Jung-Unternehmer Philipp Gärtner zeigt die von seiner Firma vertriebenen CBD-Tropfen.

Ein Startup-Unternehmen aus Fulda baut Nutzhanf für seine Produkte an. Laut Staatsanwaltschaft sollen einige davon eine berauschende Wirkung haben. Sie hat Anklage erhoben. Das Unternehmer-Trio nennt das Verfahren "weltfremd".

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Anklage gegen Hanf-Startup

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Die Staatsanwaltschaft Fulda hat Anklage gegen die Firma Green Pioneers aus Fulda erhoben, die Cannabidiol-Produkte (CBD) vertreibt. Das Hanf-Startup wird verdächtigt, fahrlässig mit Cannabis gehandelt zu haben, wie die Behörde am Donnerstag mitteilte. Nun muss das Amtsgericht Fulda über die Zulassung entscheiden - und somit, ob es zu einem Prozess kommt.

Angeschuldigt ist ein junges Unternehmer-Trio. Die drei Männer gründeten 2018 die Firma und bauen seitdem Nutzhanf an. Sie vertreiben insbesondere Produkte aus EU-zertifizierten Cannabis-Pflanzen, die sie selbst in Fulda anbauen und verarbeiten. Daraus machen sie Lebens- und Nahrungsmittel sowie Naturkosmetik.

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CBD-Produkte

CBD-Produkte, über die auch Promis und Influencer berichten, sind wegen angeblicher Wirkung gegen diverse Leiden gefragt. Mit CBD angereichertes Öl und Produkte wie Gummibärchen, Kaugummis und Kosmetik werden im Internet angeboten. Für den Rauscheffekt von Cannabis ist nicht CBD, sondern THC verantwortlich.

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Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor: Vier ihrer Produkte würden einen Tetrahydrocannabinol-Gehalt (THC) aufweisen, der einen Rauschzustand erzeugen könne. Daher könnten Käufer die Ware als Drogen missbrauchen. Die Beschuldigten sollen ihre Sorgfaltspflicht beim Verkauf der Produkte verletzt haben. Oberstaatsanwältin Christine Seban sieht hinreichenden Tatverdacht.

"Sind uns keiner Schuld bewusst"

Der Geschäftsführer des beschuldigten Hanf-Startups, Philipp Gärtner, sagte am Donnerstag auf Anfrage: "Wir sind uns keiner Schuld bewusst und haben das Gefühl, dass die Justiz eine Anklage mit Macht vorantreiben wollte." Das Verfahren sei weltfremd, gerade in Zeiten einer fortschreitenden Legalisierungsdebatte.

Geprüft worden sei zwischenzeitlich sogar noch ein heftigerer Vorwurf: Verdacht wegen bandenmäßigen Handels. Doch dies habe sich im Laufe der Ermittlungen offenbar nicht bestätigt, sagte Gärtner. Die Vorwürfe gegen das Hanf-Startup, das sich zwischen Justiz-Ärger und Expansionsplänen bewegt, waren bereits im Vorjahr bekanntgeworden.

CBD-Öl beanstandet

Nach Gärtners Angaben sei letztlich auch nur ein Produkt beanstandet worden, allerdings in vier unterschiedlichen Verpackungen. Dabei handele es sich um Hanf-Extrakt in Form eines CBD-Öls. Damit könne man verdünnt gurgeln oder sich die Haut einreiben. Es soll Verspannungen lindern.

Gärtner sagt: "Vor dem Vertrieb haben wir das Produkt untersuchen lassen. Dabei wurde in einem toxikologischen Gutachten keine Rauschwirkung festgestellt."

Bei einer Durchsuchung in der Firma auf Beschluss der Staatsanwaltschaft wurden mehrere Produkte sichergestellt. Unter die Lupe nahmen die Ermittler neben den Hanf-Tropfen auch einen Hanf-Tee und gepresste Tee-Kügelchen.

THC-Grenzwert wird untersucht

Konkret ging es darum, ob sich die konfiszierten Produkte unter dem erlaubten Grenzwert von 0,2 Prozent THC bewegen. Ein nicht-medizinisches Hanfprodukt darf in Deutschland nach Angaben des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit nicht mehr als 0,2 Prozent des berauschenden Wirkstoffs enthalten.

Gärtner übte am Donnerstag Kritik an der Fuldaer Justiz und sprach von einem massiv geschäftsschädigenden Verhalten der Behörden. Er sieht das Unternehmen zu Unrecht verfolgt. Er kündigte an, dass seine Anwälte dagegen vorgehen. In einem Video legte Gärtner seine Sicht der Dinge dar.

"Wie alkoholfreies Bier unter den Hanfsorten"

Im Portfolio des Unternehmens befinden sich etwa ein Dutzend Produkte, zum Beispiel Speiseöl, Hanfsamen, Mehl, Tee und Seife. "Was wir anbauen, ist wie alkoholfreies Bier unter den Hanfsorten. Der berauschende Stoff THC ist herausgezüchtet und nur noch in Spuren vorhanden."

Die Fuldaer verkaufen vor allem übers Internet, aber auch in mittlerweile rund 40 Geschäften, vor allem in Hessen, aber auch in Bayern und Berlin. Das Fuldaer Start-up nahm auch schon am Wettbewerb um den Hessischen Gründerpreis teil und drang immerhin bis ins Halbfinale vor.

Am Montag (25. Juli) wollte eigentlich die hessische Europa-Ministerin Lucia Puttrich (CDU) das Unternehmen besuchen. Dieser Termin wurde abgesagt.

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