Polizist tippt etwas in ein Smartphone, im Hintergrund steht ein Streifenwagen

Technik-Offensive bei der hessischen Polizei: Statt Zettel, Stift und Funkgerät sollen künftig alle Einsatzkräfte mit Dienst-Smartphones ausgestattet werden. Das Einrichten der Geräte könnte sich allerdings länger hinziehen.

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Eine Person wird vermisst, ihr Foto soll an die zuständigen Polizei-Einheiten übermittelt werden - und die Daten sicher bleiben: So oder ähnlich könnte ein Szenario für den Einsatz der neuen Dienst-Smartphones der hessischen Polizei aussehen. Bis Ende 2022 soll es für alle Polizistinnen und Polizisten so ein Gerät geben: insgesamt 17.600 Smartphones.

"Statt Stift, Zettel und Funkgerät werden bei der täglichen Arbeit des Streifendienstes künftig digitale Tools zum Einsatz kommen", sagte Digitalministerin Kristina Sinemus, die darüber am Donnerstag in Frankfurt gemeinsam mit Innenminister Beuth (CDU) informiert hat. "Sie beschleunigen den Informationsfluss zwischen den Einsatzkräften und der Einsatzleitung", sagte Beuth.

Zeitersparnis bei Einsätzen

Auch Unfallaufnahmen, Kontrollen und Beweissicherungen sollen mit den neuen Geräten schneller gehen, sagte Beuth. Die Zeitersparnis ermögliche letztlich mehr Einsätze und mehr Polizeipräsenz, so die Hoffnung: "Mit den Dienstgeräten verfügen hessische Polizistinnen und Polizisten künftig über eine Reihe von Polizei-Applikationen, die eine schnellere und datenschutzkonforme Abfrage und Weitergabe von dienstlichen Informationen noch am Einsatzort ermöglichen", erklärte Beuth.

Warum das nicht bereits Standard ist, begründete das hessische Innenministerium auf Anfrage mit den Sicherheitsauflagen, die die Geräte erfüllen müssten: In den vergangenen Monaten sei eine neue Serverplattform für die speziell gesicherte mobile IT aufgebaut worden. "Diese Plattform ist die Voraussetzung für den großen Roll-Out", teilte das Ministerium mit. Sie biete der Polizei Zugang zu neuen Programmen, die nur in einem gesicherten Bereich geöffnet werden könnten.

Gewerkschaft erwartet digitale Durststrecke

Rund 4.000 Smartphones hat die hessische Polizei laut Ministerium schon jetzt im Einsatz. Bis Anfang 2022 sollen es 10.500 werden und bis Ende nächsten Jahres 17.600. Dafür Investiert die Landesregierung nach eigenen Angaben rund 75 Millionen Euro. Alle Polizei-Smartphones müssen allerdings laut Ministerium erst für die neue Plattform eingerichtet werden, bevor die Beamten sie nutzen können.

Dieser Prozess könnte bis zu zwei Jahre dauern, schätzt die Gewerkschaft der Polizei (GdP) und befürchtet so lange eine digitale Durststrecke für die Beamten: "Erst mal stehen die Geräte nicht zur Verfügung", sagt der GdP-Vorsitzende Jens Mohrherr. "Digitalfunk ist kein Ersatz fürs Handy." Grundsätzlich begrüßte er aber die Pläne der Landesregierung, die hessische Polizei "smarter" zu machen.

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