Ein Mann surft auf dem Eisbach in München

Rund 300 Kilometer trennen Kassel vom Meer. Einen Surfverein gibt es hier trotzdem. Dieser will die Stadt mit einer stehenden Welle nach Münchener Vorbild attraktiver machen. Das sei nur logisch, sagt der Vorsitzende des Vereins im Interview - und diene dem Umweltschutz.

Audiobeitrag

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Surfverein plant stehende Welle in Kassel

Surfer und Schaulustige auf dem Eisbach in München
Ende des Audiobeitrags

Der Eisbach in München ist eine Attraktion: Mitten in der Stadt surfen Menschen auf einer stehenden Welle. Es ist ein Treffpunkt für Surf-Profis, Hobbysportler und Schaulustige. Von einer solchen Welle träumen auch die Mitglieder von Fulle Welle, dem ersten Wellenreitverein Kassels.

Doch bei einem Traum soll es nicht bleiben. Erste Pläne wurden geschmiedet, ein geeigneter Ort gesucht. Auch die Stadt ist begeistert von der Idee und unterstützt das Projekt.  "Für die Vielfalt der Nutzungen an der Fulda und die Attraktivität der Stadt an dieser Stelle wird eine surfbare Flusswelle eine Bereicherung sein," findet Stadtbaurat Christof Nolda.

Marius Klauenberg hat Fulle Welle vor zwei Jahren gegründet und Vorsitzender des Vereins. Der Kasselaner ist seit Jahren leidenschaftlicher Wassersportler. Zusammen mit den rund 80 Mitgliedern will er zwei Ziele erreichen: jedem das Surfen ermöglichen und seine Heimatstadt attraktiver machen.

hessenschau.de: Wenn man an Kassel denkt, denkt man bisher nicht automatisch ans Surfen. Wie kam es dazu, dass Sie in Nordhessen einen Surfverein gegründet haben?

Marius Klauenberg: Surfen boomt zurzeit extrem, und es gibt viele Surfer in Kassel. Die haben sich durch den Verein einfach zusammengefunden und Paddeltrainings organisiert. Wir gehen zusammen zum Stand-Up-Paddeln, wir machen im Winter Trainings mit Surfskateboards. Einen Verein zu gründen, war einfach der logische Schluss, um zu zeigen, dass es in Kassel viele aktive Surfer gibt und auch ein Interesse an einer stehenden Welle da ist.

hessenschau.de: Wie kam es zu der Idee einer stehenden Welle auf der Fulda?

Klauenberg: Das große Vorbild ist natürlich der Eisbach in München, wo man in urbaner Umgebung täglich surfen kann. Die Idee kam einfach, weil man nicht immer bis ans Meer fahren möchte, man möchte auch nicht immer fliegen. Umweltschutz wird ja auch ein immer größeres Thema.

Ich habe ein Auslandssemester an der Nordsee verbracht und war dort täglich surfen. Da habe ich gemerkt, wie schön es ist, wenn man das in den Alltag integrieren kann. Und ich habe mir gedacht, das muss doch auch in Kassel möglich sein.

hessenschau.de: Surfen mitten in Kassel - wenn man das erste Mal davon hört, könnte man denken, es sei ein Scherz. Wie ernst ist es Ihnen mit dem Plan?

Klauenberg: Meine persönliche Sicht ist, dass dieses urbane Surfen in stehenden Wellen bei uns Zukunft haben wird. Da gibt es mittlerweile über 20 Initiativen in Deutschland, die auch daran arbeiten. In Hannover ist es schon sehr weit, im oberbayerischen Wolfratshausen auch.

Surfen wird 2020 olympisch. Es ist nicht irgendwie so ein Freigeist-Sport, sondern es ist wirklich ein richtig seriöser Breitensport geworden. Und da muss man den Leuten auch Trainingsmöglichkeiten oder Surfspots in der Stadt bieten, finde ich. Somit ist es keine Spinnerei.

hessenschau.de: Wie weit sind die Planungen für die stehende Welle?

Klauenberg: Wir haben die volle Unterstützung der Stadt. Der Stadtbaurat Christof Nolda unterstützt uns, auch Andrea Fröhlich vom Sportamt findet das Projekt toll und hilft uns. Es hat aus städtebaulicher Sicht, einfach um Kassel attraktiver zu machen, sehr viel Potenzial.

Wir haben schon mehrere potenzielle Spots in Kassel ins Auge gefasst und haben auch immer wieder Rückschläge erlitten. Jetzt haben wir uns auf einen Spot im Seitenarm der Mühle geeinigt. Da wurden zum jetzigen Planungsstand von sämtlichen zuständigen Ämtern keine Bedenken geäußert. Die Uni Kassel liefert uns die ganze technische Seite. Da wird gerade in Form einer Masterarbeit die Machbarkeitsstudie geschrieben.

Stadtbaurat Christof Nolda steht mit den beiden Vorstandsvorsitzenden von Fulle Welle e.V. auf einer Brücke an Fluss

hessenschau.de: Wie soll die Welle denn technisch funktionieren?

Klauenberg: Wir wollen im Fluss die natürliche Strömung nutzen und gar nicht so viel Energie verschwenden, wie es bei stehenden Wellen der Fall ist, die mit einer Pumpe betrieben sind. Man braucht einen Höhensprung von 50 bis 80 Zentimetern, wo fließendes Wasser auf stehendes trifft. Da entsteht dann eine Verwirbelung und dann surft man gegen die Strömung auf dieser stehenden Welle. Es wird vom Surfen her aussehen wie in München, nur dass es dort eine glückliche Fügung war. Bei uns wird es technisch ausgereift und in einem sicheren Umfeld sein.

Wir werden die Welle auch wieder abschalten können, wenn wir nicht vor Ort sind, kein Training ist oder keine Betriebszeiten der Welle sind. Es wird auch immer ein Rettungsschwimmer vor Ort sein, der das betreut. Übrigens ist die Welle nicht nur für Surfer geeignet, sondern auch für Kanu- oder Wildwasserkajakfahrer.

hessenschau.de: Wann können Interessierte das erste Mal auf der Fulda surfen?

Klauenberg: Das können wir momentan nicht sagen. Ich hoffe einfach, dass es irgendwann möglich ist. Wir müssen jetzt gerade die Machbarkeitsstudie, also die technische Prüfung, abwarten und sehen, was jetzt alles eingebaut werden muss, um eine Welle surfbar zu machen.

Dass es von den Strömungsgeschwindigkeiten her technisch machbar ist, das ist schon bestätigt. Jetzt wird nur noch geklärt, wie genau. Zum jetzigen Zeitpunkt können wir noch keine Aussage über die Kosten und den Bauverlauf machen.

hessenschau.de: Was erhoffen Sie sich von der stehenden Welle in Kassel?

Klauenberg: Ich möchte, dass jeder surfen kann. Nicht nur die Menschen, die Geld für regelmäßige Surfurlaube haben. Ich hoffe, dass das ein toller Begegnungsort wird in Kassel für jeden. Das macht auch den Sport aus. Das sieht man auch am Eisbach, dass Menschen aus jeder Gehalts- und Altersklasse miteinander surfen. Wenn man auf dem Brett steht, ist alles egal – wie man aussieht, wo man herkommt. Jeder hilft jedem, jeder gibt jedem Tipps. Es ist einfach eine ganz tolle Gemeinschaft beim Surfen.

Das Gespräch führte Tanja Stehning.

Ihre Kommentare Was halten Sie von einer Surfwelle für Kassel?

* Pflichtfeld

9 Kommentare

  • Frau Stehning,
    ich hätte mir auf die Aussage, dass die Welle dem Umweltschutz diene, eine kritische Nachfrage gewünscht. Sicherlich ist es sinnvoller in der Heimatstadt Sport zu machen als dafür 300 km zu fahren. Aber die Installation der Welle wird sicherlich ein tiefer Eingriff in den Fluss - oder?

  • Es wäre eine echte attraktion und Bereicherung. Der Umwelt kommt es auch zugute. Würde kassel interessanter machen.

  • Ich finde die Idee klasse. Nicht nur für den Surfsport auch Kassel wird wieder etwas attraktiver und positiver
    Tolle Idee
    Hoffentlich gelingt das Vorhaben

Alle Kommentare laden