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Baumpflanzaktion bringt Landesbetrieb in Wallung

Weil sie nicht länger zusehen wollten, wie der Akaziengarten in Darmstadt verfällt, hat eine Gruppe von Anwohnern dort eine Pflanzaktion gestartet. Das schmeckt der zuständigen Landesbehörde gar nicht.

Eine Pflanzaktion im Akaziengarten in Darmstadt sorgt für mächtig Ärger. Die selbsternannte "Revolutionäre Akaziengarten Front“ hatte dort Ende November auf eigene Kosten Bäume und Fliedersträuche gepflanzt. Den Aktivisten war es ein Dorn im Auge, dass der historische Park seit Jahren verfällt und scheinbar sich selbst überlassen wurde.

Verein beklagt Untätigkeit

So richtig subversiv kommt die Gruppe nicht daher. Auf der Internetseite des Bürgervereins "Zusammen in der Postsiedlung e.V." zeigen sich vier Männer, eine Frau und ein Kind ganz offen, lächelnd mit hochgereckter Faust und rotem Stern am Barrett. Der Revoluzzer-Anstrich sei satirisch gemeint, versichert Vereinssprecher Bastian Ripper.

Zuständig für die Pflege des Akaziengartens wäre eigentlich der Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen (LBIH). Doch der tue nichts, so der Vorwurf des Vereins, der sich in seinem Einsatz für den mehr als 200 Jahre alten Park im Darmstädter Westen an der Seite des Vereins Pro Akaziengarten e.V. sieht.

Landesbetrieb stellt Ultimatum

Auf die private Pflanzaktion hat der Landesbetrieb prompt reagiert, allerdings ganz anders, als die Naturfreunde sich das gewünscht hätten. Ein an den Postsiedlungsverein gerichtetes Schreiben mit dem Betreff "Widerrechtliche Bepflanzungen auf Privatgrundstück" droht mit möglichen Strafanzeigen und einem Betretungsverbot für den Fall, dass die Neupflanzungen nicht bis zum 15. Dezember verschwunden sind.

Begründet wird dies damit, dass die Aktivisten "gestalterische Veränderungen auf fremdem Eigentum" vorgenommen hätten und zwar ohne "denkmalschutzrechtliche Genehmigung". Die Bepflanzungen stünden zudem im Widerspruch zu einem Parkentwicklungskonzept, das diverse anstehende Erdarbeiten vorsehe.

Bürgerverein: "Park wird zu Tode verwaltet"

Für Vereinssprecher Bastian Ripper ist ganz klar, dass der LBIH damit von eigenen Versäumnissen ablenken will. "Man fühlt sich jetzt öffentlich ertappt und muss sich rechtfertigen, auch dem Ministerium gegenüber." In den letzten Jahren habe der Akaziengarten 200 Bäume verloren, geschehen sei aber nichts, beklagt Ripper.

Kombo mit Gartenansicht 2004 im Vergleich zu 2018

Ständige Personalfluktuation beim LBIH und fehlende Kompetenz in der zuständigen Abteilung seien eine toxische Mischung, sagt Ripper. "Der Park wird bürokratisch zu Tode verwaltet." Ripper fordert deshalb, die konzeptionelle Entwicklung des Akaziengartens in die Hände von Pro Akaziengarten zu legen. Dort gebe es engagierte Menschen, die das auch könnten.

Entwicklungskonzept soll "nach und nach" umgesetzt werden

Der LBIH räumt auf Anfrage ein, dass es bei der Entwicklung des Parks Verzögerungen gegeben habe, verweist aber in einer Mitteilung auf vergangene Bodenuntersuchungen, Gutachten und Maßnahmen zur Kampfmittelräumung.

All dies sei in das umfangreiche Parkentwicklungskonzept gemündet, das auch mit Pro Akaziengarten besprochen worden sei. Es solle in den kommenden Jahren als Leitlinie für "nach und nach umzusetzende Maßnahmen" dienen.

Bürger als Störfaktor?

Es ist aber gerade diese Mentalität, die Ripper schier verzweifeln lässt. Das angesprochene Parkentwicklungskonzept gebe es schon seit sieben Jahren, ohne dass sich erkennbar etwas getan habe. Ja, es habe in der Vergangenheit Treffen mit dem Landesbetrieb gegeben.

"Sie können sich nicht vorstellen, wie dort agiert wird", so Ripper. "Der Bürger wird dort als Störfaktor aufgefasst", beklagt er fehlende Augenhöhe im Austausch mit der Behörde.

Pro Akaziengarten: Entwurf ja, Ausführungsplanung nein

Auch bei Pro Akaziengarten zeigt man sich überrascht von der Argumentation des LBIH. Mit dem Verein sei 2014 wohl ein Entwurf besprochen worden, zu einer Ausführungsplanung sei es nicht gekommen, sagt die Vorsitzende Mascha Wembacher. Zudem habe man in den letzten Jahren versäumt, die benötigten Mittel in den Landeshaushalt einzubringen.

Wembacher kritisiert auch aktuelle Baumfällungen in dem Park. Es sei vereinbart worden, solche Aktionen mit dem Verein abzusprechen. "Wir haben es sogar schriftlich, dass wir da einbezogen werden, und es wurde wieder nicht gemacht."

Aktivisten kündigen weitere Aktionen an

Die neu gepflanzten Bäume und Sträucher wollen die Aktivisten auf gar keinen Fall wieder wie gefordert entfernen. Stattdessen wolle man zu weiteren Pflanzaktionen aufrufen, heißt es auf der Internetseite des Postsiedlungsvereins. Dass der LBIH Eigentum aller Bürger als "Privatgrundstück" definiere, sei ein "merkwürdiges Staatsverständnis".

Bleibt abzuwarten, ob der LBIH nach dem Ablauf des Ultimatums seine Drohungen wahr macht. Die Guerilla-Gärtner sehen einem möglichen Gerichtsverfahren nach eigenem Bekunden jedenfalls gelassen entgegen. Auf die angekündigten Schritte freue man sich.

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