Der Streit um Küchenherde führte zu einem Einsatz der Polizei und eines Sicherheitsdienstes in der Flüchtlingsunterkunft in Frankfurt-Bonames

In einer Flüchtlingsunterkunft in Frankfurt-Bonames ist ein Streit um Küchenherde eskaliert. Ein privater Sicherheitsdienst hat dabei Bewohner massiv eingeschüchtert und wurde inzwischen ausgetauscht. Die Frankfurter Diakonie als Betreiberin der Unterkunft entschuldigt sich.

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hs
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Die Flüchtlingsunterkunft am Alten Flugplatz in Frankfurt-Bonames kommt nicht zur Ruhe. Die Spannungen zwischen den rund 330 Bewohnern auf der einen Seite und dem Diakonischen Werk und der Stadt Frankfurt auf der anderen Seite sind am Wochenende in Tumulten eskaliert. Am Donnerstagmorgen kam es zu einem Polizeieinsatz in der Unterkunft. Hintergrund ist ein Streit um Küchenherde, die sich über 30 Familien entgegen der Hausordnung selbst installiert hatten. Bereitgestellt waren pro Familie zwei Herdplatten. Dies reichte den Familien nicht aus.

Polizei holt zwei Familien aus der Unterkunft

Die Stadt Frankfurt und die Diakonie verlangen von den Bewohnern, die Herde bis auf Weiteres nicht zu nutzen. Grund ist die Brandgefahr, weil die Herde offenbar die Stromversorgung der Unterkunft überlasten. Wie eine Sprecherin des städtischen Sozialdezernats erklärte, haben sich bis zuletzt zwei Familien geweigert, auf die Herdnutzung zu verzichten. Diese Familien seien am Donnerstag in andere Unterkünfte gebracht worden, mit Unterstützung der Polizei.

Bewohner schildern dem hr den Polizei-Einsatz als unangemessen. Beamte hätten eine schwangere Frau um fünf Uhr morgens im Nachthemd und mit offenem Haar aus dem Bett geholt. Die Muslimin habe darum gebeten, ihr Kopftuch umbinden zu können. Dazu habe sie aber keine Gelegenheit bekommen.

Sicherheitsdienst: "Ich mache hier, was ich will"

Als noch rabiater empfanden Bewohner das Eingreifen eines privaten Sicherheitsdienstes am Wochenende. Mehrere schwarz gekleidete Sicherheitskräfte haben demnach am Samstagabend von den Bewohnern verlangt, die Herde vom Netz zu nehmen. Als sie auf Widerstand trafen, haben einzelne Mitarbeiter versucht, die Bewohner einzuschüchtern.

Ein Handy-Video, das dem hr vorliegt, zeigt, wie ein Mitarbeiter Bewohner mit der Aussage zurechtweist: "Ich mache hier, was ich will." Zu tumultartigen Szenen kam es, nachdem eine Sicherheitskraft den Bewohnern etwas auf Arabisch zuruft. Schilderungen von Bewohnern zufolge soll es sich um eine massive sexuelle Drohung gehandelt haben.

Diakonie entschuldigt sich

Die Frankfurter Diakonie hat sich dafür inzwischen auf hr-Anfrage entschuldigt. Der Sicherheitsdienst sei nach diesem Einsatz ausgetauscht worden. Einschüchterungsversuche und Beleidigungen würden keineswegs toleriert. Inzwischen arbeite ein Sicherheitsdienst in der Unterkunft, der auch auf das Thema Brandschutz spezialisiert sei. Technikräume und Sicherungen würden alle 30 Minuten kontrolliert.

Die Flüchtlingsunterkunft in Frankfurt-Bonames wurde vor fünf Jahren als Übergangslösung gebaut. Fünf Jahre später leben dort noch immer 330 Menschen - unter Bedingungen, die sie nun nicht mehr akzeptieren wollen. Mitte Juni hatten Bewohner gegen die ihrer Meinung nach unhaltbaren Zustände in der Unterkunft demonstriert. In der Unterkunft waren 54 Krätze-Fälle aufgetreten.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 02.07.2020, 19.30 Uhr