Mehrere Menschen gehen vor einem Fahrgeschäft entlang, Pfeile auf dem Boden markieren die Wegrichtung

Auf einem Rummelplatz in Kassel dürfen jetzt bis zu 3.000 Besucher gleichzeitig ihren Spaß haben - mit Masken und strenger Wegführung. Für die Schausteller eine existenzielle Bewährungsprobe in der Corona-Krise.

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Die Entscheidung war angesichts steigender Infektionszahlen wenig überraschend, und doch dürfte sie bei einigen für Ernüchterung gesorgt haben: Das Verbot von Großveranstaltungen ist gerade mindestens bis zum Ende des Jahres verlängert worden. Da das auch für Volksfeste und Jahrmärkte gilt, zieht sich die coronabedingte Durststrecke für Schausteller weiter in die Länge – außer sie können mit einem überzeugenden Hygienekonzept für ihre Veranstaltung punkten.

Den Schaustellern in Kassel ist das gelungen: Sie durften am Freitag den "Kasseler Sommerspaß" eröffnen. Auf der Schwanenwiese können dann immerhin bis zu 3.000 Besucher gleichzeitig einen Hauch von Kirmes-Atmosphäre genießen. Mehr als ein Dutzend Fahrgeschäfte stehen bereit, darunter Autoscooter, eine Achterbahn und ein Riesenrad. An zahlreichen Buden gibt es klassische Rummel-Kost zu kaufen, von der Zuckerwatte bis zur Bratwurst.

Einbahnstraßen und breite Wege

Sonst ist aber vieles anders beim "Kasseler Sommerspaß". Das Gelände ist rundherum eingezäunt, bis auf einen Eingang, an dem alle Besucher gezählt und registriert werden. Wie beim Restaurantbesuch werden Name und Adresse abgefragt.

Auch auf dem Gelände selbst wurde vorgesorgt: "Wir haben eine Einbahnstraßenregelung mit Pfeilen auf der Straße, damit die Leute wissen, hier müssen wir lang gehen", erklärt Konrad Ruppert vom Schaustellerverband Kassel. Die Wege sind breiter, nach draußen geht es nur über einen separaten Ausgang.

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"Kasseler Sommerspaß"

Der temporäre Freizeitpark startet am 28. August und soll bis zum 4. Oktober gehen. Montags und dienstags bleibt der "Kasseler Sommerspaß" geschlossen. Mittwochs ist Familientag, es gelten ermäßigte Preise. Der Eintritt zum Gelände kostet einen Euro, für die Fahrgeschäfte muss separat bezahlt werden.

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Beim Anstehen und in einigen der Fahrgeschäfte selbst muss außerdem eine Alltagsmaske getragen werden. Sobald sich mehr als 2.000 Besucher auf dem Gelände befinden, gilt eine generelle Maskenpflicht, die von Mitarbeitern eines Sicherheitsdienstes kontrolliert werden soll.

"Wollen beweisen, dass wir mit der Pandemie umgehen können"

Der temporäre Freizeitpark soll den Besuchern nach monatelanger Pause wieder Kirmes-Spaß ermöglichen – und einer krisengebeutelten Branche zumindest eine kleine Stütze bieten. Die Stimmung auf dem Platz unter den Schaustellern sei gut, berichtet Ruppert. "Trotz der angespannten Lage. Die sind alle voller Hoffnung – und ich hoffe, dass sie nicht enttäuscht wird."

Ruppert sieht in dem temporären Freizeitpark aber noch mehr: Für ihn ist es eine wichtige Bewährungsprobe. "Wir wollen mit dieser Aktion auch beweisen, dass wir Schausteller mit der Corona-Pandemie umgehen können. Und wenn wir das können, dann können wir auch Weihnachtsmarkt."

Hoffnungsträger Weihnachtsmarkt

An den Weihnachtsmärkten hängen aktuell viele Hoffnungen der Schausteller. Manche Kollegen hätten ihr letztes Geld bei den Märkten im Dezember vergangenen Jahres verdient, berichtet Ruppert. "Das ist schon eine lange Zeit, wenn man seine Familie ernähren muss vom angesparten Geld."

Doch noch dürften die Weihnachtsmärkte vielerorts auf der Kippe stehen, Biebertal bei Gießen erteilte seinem Markt bereits eine Absage. Ein generelles Verbot gebe es nicht, stellte Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) am Donnerstag klar: Die Märkte würden "in anderer Form stattfinden können".

Der Landesverband für Markthandel und Schausteller Hessen hatte wegen der prekären Lage bereits vor drei Wochen an die Veranstalter appelliert, an der Planung für 2020 "so lange es nur geht festzuhalten und die Absage von Weihnachtsmärkten nur als Ultima Ratio zu verstehen". Doch mitten in der Corona-Pandemie lässt sich kaum absehen, wie die Situation in drei oder vier Monaten ist. "Es kann im Moment kein Schausteller entspannt in die Wintersaison gehen", sagt Ruppert.

Die Unsicherheit bleibt auch im Hinblick auf den "Kasseler Sommerspaß": Wenn die Corona-Zahlen wieder steigen, könnte die Stadt Kassel ihn frühzeitig beenden. Und ob der Aufwand sich am Ende rechnet, weiß Ruppert auch noch nicht. "Wir hoffen es, es ist ein Versuch."

Buden und Autoscooter auch anderswo

Diesen Versuch wagen momentan auch Schausteller andernorts und tun sich zusammen, um unter speziellen Hygieneauflagen temporäre Freizeitparks zu organisieren. In Bürstadt ist so das "Sommerland Bobstadt" entstanden, das noch bis Ende September geöffnet ist und mit Autoscooter, Kettenkarussell sowie mehreren Buden lockt. Ein wenig kleiner fällt der Spaß in Eltville aus: Dort stehen bis Ende Oktober ein Riesenrad, ein Kinderkarussell und einige Buden am Rhein.

In anderen Orten wie Darmstadt stehen zwar keine Fahrgeschäfte bereit, dafür dürfen Schausteller ihre Imbissbuden in den Innenstädten aufbauen. Eine Übersicht über die Aktionen in Hessen finden Sie hier.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 28.08.2020, 19.30 Uhr