Ein liegengebliebener IC bei Wabern musste evakuiert werden.
Ein liegengebliebener IC bei Wabern musste evakuiert werden. Bild © Brandenstein

Orkanartige Böen sind über Hessen gefegt und haben die Einsatzkräfte in Atem gehalten. An der A45 bei Herborn drohte das Dach eines Autohauses auf die Autobahn zu fliegen. Auch der Flug- und Bahnverkehr waren betroffen. Bei Wabern mussten 400 Bahnreisende aus einem liegengebliebenen IC umsteigen.

Videobeitrag
hs

Video

zum Video Stürme fegen über Hessen

Ende des Videobeitrags

Wie eine Bahn-Sprecherin dem hr bestätigte, wurde am Sonntag zwischen 21 Uhr und 21.40 Uhr ein IC mit rund 400 Passagieren evakuiert, der bei Wabern (Schwalm-Eder) auf freier Strecke liegengeblieben war. Sturmtief Eberhard hatte kurz nach 17 Uhr einen Ast auf die Lok krachen lassen. Der IC 2375 war auf dem Weg von Westerland nach Karlsruhe. Verletzt wurde niemand. Laut Bahn wurden die Passagiere so lange mit Getränken und Lebensmitteln versorgt, bis sie am späten Abend in einen bereitgestellten Zug umsteigen konnten.

A45 stundenlang wegen Werkstattdach gesperrt

Viel Geduld brauchten auch die Autofahrer, die am Nachmittag auf der A45 bei Herborn (Lahn-Dill) unterwegs waren. Weil sich im Sturm ein etwa 200 Quadratmeter großes Blechdach einer Autowerkstatt im Herborner Stadtteilt Hörbach (Lahn-Dill) bereits zur Hälfte gelöst hatte und auf die Autobahn zu fliegen drohte, wurde die Autobahn gegen 15 Uhr in beide Richtungen zwischen den Anschlussstellen Herborn-West und Herborn-Süd gesperrt. Die Werkstatt befindet sich nur wenige Meter neben der A45. Erst um 20.43 Uhr wurde die Autobahn wieder freigegeben. Das Dach sei nun gesichert, es fänden aber noch kleinere Arbeiten statt, sagte ein Polizeisprecher.

Flachdach vom Sturm abgedeckt bei Herborn A45
Sturmtief "Eberhard" hat das Dach einer Autowerkstatt beschädigt. Die A45 wurde sicherheitshalber voll gesperrt. Bild © J.R.

Feuerwehr und Technisches Hilfswerk hatten stundenlang versucht, mit Hilfe eines Krans und Sandsäcken das Dach zu sichern. Teile der Konstruktion hatte der Sturm weggerissen. Der Verkehr auf der Autobahn staute sich zeitweise auf zehn Kilometern Länge.

Tanne stürzt auf A7

Auf der Autobahn 65 zwischen den Anschlussstellen Neustadt Nord und Süd musste die Polizei Ackerfolien beseitigen, die von benachbarten Äckern auf die Autobahn geweht worden waren.

Auch die Autofahrer auf der A7 waren von Sturmschäden betroffen. Gegen 14.30 Uhr stürzte zwischen Bad Hersfeld-West und dem Kirchheimer Dreieck eine Tanne auf die Fahrbahn. Die Autobahn war kurze Zeit in Richtung Süden gesperrt. Verletzt wurde niemand.

Feuerwehrleute im Einsatz auf der A7 bei Kirchheim
Feuerwehrleute im Einsatz auf der A7 bei Kirchheim Bild © TVnews-Hessen

Feuerwehren im Dauereinsatz

Die Einsatzkräfte in ganz Hessen waren wegen der Sturmschäden im Dauereinsatz. Allein in Stadt und Landkreis Kassel wurde die Feuerwehr zu 280 Einsätzen gerufen. Im Bereich des Polizeipräsidiums Mittelhessen rückten die Einsatzkräfte über 100 Mal aus. Im Bereich der Polizeipräsidien Südost- und Westhessen waren sie jeweils über 50 Mal im Einsatz. In Bensheim deckte Sturmtief "Eberhard" das Flachdach der Karl-Kübel-Schule ab. Auch in Osthessen hinterließ der Sturm Schäden. Im Fuldaer Stadtteil Edelzell stürzte nach Informationen der Feuerwehr ein Baugerüst ein. In Wiesbaden zählte die Feuerwehr bis 19 Uhr über 80 Einsätze.

In Bensheim deckte der Sturm das Flachdach der Karl-Kübel-Schule ab.
In Bensheim deckte der Sturm das Flachdach der Karl-Kübel-Schule ab. Bild © Strieder

Die Frankfurter Feuerwehr schrieb auf Twitter, dass es bis 21 Uhr rund 130 Einsätze im Frankfurter Stadtgebiet gab, um beschädigte Dächer, umgestürzte Bäume oder lose Bauteile zu sichern. "Wer kann, sollte den Aufenthalt im Freien vermeiden", hieß es in einer anderen Meldung. Inzwischen normalisiere sich die Situation, teilte die Feuerwehr gegen 21.30 Uhr mit.

Von einem Hubsteiger aus versuchen Feuerwehrmänner, das Blechdach eines Kirchturms im Frankfurter Sadtteil Gallus zu sichern, das sich durch das Orkantief losgerissen hatte.
Von einem Hubsteiger aus versuchen Feuerwehrmänner, das Blechdach eines Kirchturms im Frankfurter Sadtteil Gallus zu sichern, das sich durch das Orkantief losgerissen hatte. Bild © picture-alliance/dpa

Auch Flughafen Frankfurt und Bahnverkehr betroffen

Starke Seitenwinde beeinträchtigten auch den Flugverkehr am Frankfurter Flughafen. Die Startbahn West musste für einige Flugzeugtypen zeitweise geschlossen werden. Es habe bis zum frühen Abend 46 Flugannullierungen gegeben, von denen aber nicht alle wetterbedingt waren. Es kam zu zahlreichen Verspätungen, die sich "aber noch im Rahmen hielten", so die Sprecherin am frühen Abend. "Derzeit liegt die Pünktlichkeit bei 64 Prozent der Flüge." Laut hr-Wetterredaktion wurden am Flughafen gegen 16 Uhr Windgeschwindigkeiten von 102 Stundenkilometern gemessen.

Die höchsten Windgeschwindigkeiten mit 107 Stundenkilometern - das entspricht orkanartigen Böen - wurden in Neu-Ulrichstein (Vogelsberg) verzeichnet. An mehreren Orten in Hessen stürzten Bäume auf Straßen und Gleise.

Im Bahnverkehr kam es zu Ausfällen und Verspätungen. Zwischen Friedberg und Nieder-Wollstädt (Wetterau) fuhren nach Angaben des Rhein-Main-Verkehrsverbunds (RMV) ab 15.30 Uhr keine Züge. Ein umgestürzter Baum habe einen Oberleitungsschaden verursacht. Betroffen waren die S6 sowie die RE30, RB40, RB41, RB49, RE98, RE99.

Fernverkehr der Bahn teilweise eingestellt

Auch auf der Strecke zwischen Hanau und Aschaffenburg kam es wegen eines umgestürzten Baumes auf der Strecke zu Verspätungen und Ausfällen. Wie der RMV mitteilte, waren die RE54, RE55, RB58, RB59 betroffen. Wegen einer Oberleitungsstörung bei Bad Homburg (Hochtaunus) kam es auch bei der S5 zu Ausfällen und Verspätungen. Die S-Bahnen fuhren laut RMV nur zwischen Frankfurt Südbahnhof und Bad Homburg Bahnhof. Auf der Strecke der S2 stand bei Lorsbach (Main-Taunus) nur ein Gleis zur Verfügung, weil Äste in die Oberleitungen geweht wurden.

Die Deutsche Bahn stoppte wegen des Sturmtiefs den Fernverkehr und Teile des Regionalverkehrs in Nordrhein-Westfalen. Wie das Unternehmen am Nachmittag mitteilte, wurden auch in Hessen zahlreiche Fernzüge auf Bahnhöfen zurückgehalten.

Sturmschäden Feuerwehr Frankfurt Einsätze
Umgestürzte Bäume, lose Bauteile: Die Frankfurter Feuerwehr wurde zu über 100 Einsätzen gerufen. Bild © Feuerwehr Frankfurt

Unwetterwarnungen für ganz Hessen

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hatte am Sonntag eine Unwetterwarnung für ganz Hessen herausgegeben. Nach Angaben der hr-Wetterredaktion drohten schwere Sturmböen, bei kräftigen Schauern und Gewittern konnte es in den Tälern vor allem im Norden und der Mitte orkanartige Böen geben. Auf den Bergen waren Orkanböen bis 120 km/h möglich. Erst in der Nacht soll der Sturm Richtung Süden und Osten weiterziehen.

Schon in der Nacht zu Sonntag haben Sturm und Regen Feuerwehren in ganz Hessen auf Trab gehalten. In Frankfurt stürzte eine Fichte auf ein Wohnhaus, auch in Nordhessen kippten Bäume um, Dächer wurden beschädigt.