Von einem Mehrfamilienhaus in der Langgasse in Mörfelden-Walldorf (Groß-Gerau) flog während des Unwetters am Sonntag die Dämmung des Flachdachs auf den davor liegenden Parkplatz

Ein heftiges Unwetter hat im Rhein-Main-Gebiet Schäden in Millionenhöhe angerichtet. Mindestens 23 Menschen wurden verletzt. Im Bahnverkehr ziehen sich die Aufräumarbeiten länger hin als geplant.

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Abgedeckte Dächer, vollgelaufene Keller und umgefallene Bäume: Ein Unwetter zog am Sonntagabend über das Rhein-Main-Gebiet und hinterließ Schäden in Millionenhöhe. Mehrere Menschen wurden verletzt.

Betroffen war vor allem der Kreis Offenbach - und dort besonders Dietzenbach und Langen. Im Kreis gab es laut Polizei und Feuerwehr seit Sonntagabend mehr als 1.000 Einsätze wegen vollgelaufener Keller, umgestürzter Bäume und umgekippter Strommasten. In Rodgau wurde ein schwer verletzter Fahrradfahrer unter einem Baum geborgen. Insgesamt seien 17 Menschen leicht und vier Menschen schwer verletzt worden, darunter ein Kind, sagte ein Sprecher. Die Verletzungen rührten zumeist von umstürzenden Bäumen und umherfliegenden Gegenständen.

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hessen extra

Zum Unwetter und den Folgen bringt das hr-fernsehen am Montag um 20.15 Uhr Sondersendungen zum Unwetter über Rhein-Main-Gebiet.

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In Dreieich musste zahlreichen Autofahrern der durch umgestürzte Bäume versperrte Weg freigeschnitten werden. Auf der Straße von Offenthal nach Langen war ein Stromkabel auf ein Auto gefallen, Feuerwehrleute befreiten die Menschen in dem Wagen.

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Während einige der wegen umgestürzter Bäume und anderer Hindernisse gesperrten Straßen inzwischen wieder freigegeben worden waren, blieb die Bundesstraße 468 zwischen Dreieich-Offenthal und Langen am Montag noch immer gesperrt, ebenso die Bundesstraße zwischen Langen und Mörfelden. Die Autobahn 5 könne nicht über Langen erreicht werden, berichtete die Polizei. Diese Sperrungen seien voraussichtlich bis Dienstag erforderlich. Noch mindestens zwei bis drei Tage bleibe die Landesstraße 3416 zwischen Tannmühlkreisel und Hainburg gesperrt. Voraussichtlich bis Montagabend sei in Rödermark die Ortsdurchfahrt in Waldacker gesperrt.

Mancherorts fielen der Strom und das Telefonnetz aus. Im Main-Kinzig-Kreis gab es einen Verletzten. Ein umfallender Baum traf bei Ginsheim-Gustavsburg (Groß-Gerau) das Zelt zweier Angler. Einer davon, ein 34-Jähriger, kam mit schweren Verletzungen in ein Krankenhaus. Nach Angaben der Polizei besteht keine Lebensgefahr.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Mehrere Verletzte bei Unwetter im Rhein-Main-Gebiet

Langen Schaden
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Die Alfred-Delp-Schule in Froschhausen, einem Stadtteil von Seligenstadt, bleibt wegen der Unwetterschäden am Montag geschlossen. Dort ließ das Unwetter nicht nur mehrere Bäume auf dem Schulgelände umstürzten, sondern verursachte auch einen Wasserschaden.

Chaotische Zustände rund um Mörfelden-Walldorf

In der Region um Mörfelden-Walldorf (Groß-Gerau) sprach die Polizei von teils chaotischen Zuständen. Das Dach des Rathauses sei teilweise abgedeckt. Bäume kippten auf Häuser, Straßen oder geparkte Autos. Allein in Langen befreiten die Einsatzkräfte aus rund 70 Fahrzeugen eingeschlossene Menschen. Die Feuerwehr hat Spezialsägen angefordert, um große umgestürzte Bäume klein zu kriegen und von den Straßen zu holen. Zwischen Mörfelden-Walldorf und Langen drohte zudem ein Hochspannungsmast umzustürzen.

ICE-Strecken weiter gesperrt

Auf massive Probleme müssen sich auch Bahnfahrer einstellen. Zwar sei das vom Blitz getroffene Stellwerk in Mörfelden-Walldorf repariert, twitterte die Bahn am Montagmorgen. Auf der Strecke Frankfurt-Mannheim kommt es aber weiterhin zu massiven Behinderungen. "Leider sind die Beschädigungen entlang der Strecke umfangreicher als zunächst angenommen", teilte die Bahn mit.

Statt bis Montagnachmittag soll die Trasse nun bis voraussichtlich Dienstagmittag gesperrt bleiben. Der Fernverkehr zwischen Frankfurt und Mannheim wird umgeleitet. Es kommt laut Bahn zu Verzögerungen von 30 bis 45 Minuten.

Update #Unwetter Schlechte Nachrichten für die Strecke #Frankfurt - #Mannheim . Die Schäden sind umfangreicher als vermutet. Als neue Prognose zur Wiederaufnahme des Verkehrs haben wir nun den morgigen Dienstag gegen 12:00 Uhr erhalten. https://t.co/59FiU3kznS

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Auch zwischen Aschaffenburg und Hanau machen die Oberleitungen Probleme. Die Strecke bleibt wohl ebenfalls noch bis Dienstagabend gesperrt. Züge zwischen Würzburg und Frankfurt verkehren daher über Fulda - die Fahrtzeit verlängert sich um 40 bis 60 Minuten. Verzögerungen gibt es auch im S-Bahnverkehr im Rhein-Main-Gebiet.

UPDATE 2 🌩️Unwetterschäden zwischen Würzburg und Frankfurt(M)🌩️ Züge des Fernverkehrs werden weiterhin zwischen #WürzburgHbf und #FrankfurtHbf via Fulda umgeleitet. Reisezeitverlängerung von circa 100 Minuten. Weitere Informationen ℹ️ https://t.co/0Df1AEN08J https://t.co/kuAEJCvHD0

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Infos von Bahn und RMV

Bahn- und S-Bahn-Reisende können sich hier über aktuelle Störungen informieren:

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Schlangen im Frankfurter Hauptbahnhof

Druckerei lahmgelegt

Die Societätsdruckerei in Mörfelden-Walldorf, wo unter anderem die Papierausgaben der Frankfurter Rundschau (FR), der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) und der Frankfurter Neuen Presse (FNP) aus den Rotationsanlagen rollen, wurde ebenfalls Opfer des Unwetters. Ein Hinweis auf der Montagsausgabe der FNP berichtete, wegen eines "massiven Stromausfalls" gebe es nur eine Notausgabe. "Bei Redaktionsschluss stand zu befürchten, dass viele umgestürzte Bäume auf den Straßen auch die Auslieferung der gedruckten Zeitung verzögern könnten", hieß es weiter.

Die FAZ, deren Rhein-Main-Teil am Montag offenbar gar nicht in gedruckter Form erschien, stand ihren Lesern zumindest digital zur Verfügung - und das kostenlos, wie es auf der FAZ-Internetseite hieß.

41 Annullierungen am Frankfurter Flughafen

Am Frankfurter Flughafen lief am Montagmorgen dagegen wieder alles normal. Am Abend hatten die heftigen Gewitter allerdings auch dort für Probleme gesorgt. Kurz vor 18 Uhr wurde für etwa 20 Minuten die Bodenabfertigung eingestellt, um Personal und Reisende zu schützen. Auch die Zahl der landenden Maschinen sei reduziert worden, wie eine Fraport-Sprecherin sagte. 41 Flüge seien bis Sonntagabend annulliert worden - größtenteils Inlandsflüge. Acht Flüge wurden umgeleitet.

Unwetterbedingt genehmigte die Luftaufsicht 32 verspätete Starts sowie 17 verspätete Landungen nach 23 Uhr. Der letzte Flieger ging um 23.35 Uhr nach Kopenhagen, die letzte Maschine kam um 23.55 Uhr aus Bergamo an, wie das Wirtschafts- und Verkehrsministerium mitteilte, wo die Aufsicht angesiedelt ist. Am Flughafen Frankfurt gilt von 23 bis 5 Uhr ein Naachtflugverbot. In Ausnahmefällen dürfen Starts und Landungen bis Mitternacht erfolgen.

Wohl kein Tornado

Auch wenn es direkt nach dem Unwetter erste Vermutungen über einen Tornado gab, ließ sich dies nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) nicht bestätigen. Eine Sprecherin sagte dem hr, die Meteorologen im Haus hätten zahlreiche Foto- und Filmaufnahmen von Zeugen angesehen: "Keine davon zeigt den typischen Tornadorüssel, und kein Augenzeuge berichtet davon." Die Schneise der Verwüstung könne auch von Fallböen herrühren, die im Zuge eines heftigen Unwetters wie am Sonntag auftreten können. Plötzlich auftretende Winde mit Geschwindigkeiten bis zu 130 Stundenkilometern reichten aus, um Bäume umfallen und Strommasten umknicken zu lassen. Tornado-Experte Friedrich vermutet, dass es sich am Sonntag um eine Fallböe aus einer Gewitter-Superzelle handelte.

Bei diesen auch als Downburst beschriebenen Ereignissen treffen Luftströme mit hoher Geschwindigkeit am Boden auf und bewegen sich dann horizontal vorwärts. Regen oder Hagel werden dann waagerecht mitgewirbelt. Durch Täler und Hausschluchten können Düseneffekte entstehen, die Schneisen der Zerstörung schlagen - ähnlich wie ein Tornado, aber ohne dessen rotierende Luftwirbel. "Da gibt es dann Garagentore, die aussehen, als seien sie von Maschinengewehren getroffen", sagte Friedrich über dabei entstehende Hagelschäden.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 19.08.2019, 16.45 Uhr