In Frankfurt Kuhwald hat Sturm einen Baum auf ein Auto geweht, im osthessischen Lütterz wurde wegen Sturmschäden eine Straße gesperrt.

Mit Tempo 100 und mehr fegte ein Sturmtief über Hessen hinweg - mit erheblichen Folgen für den Verkehr. Die A5 war gesperrt, der Bahnverkehr zwischen Frankfurt und Köln stand lange still. Zwei Menschen wurden schwer verletzt.

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Ein Sturmtief hat seit dem frühen Donnerstagmorgen Feuerwehrleute und Polizisten in Hessen auf Trab gehalten - und Pendlern einiges an Mut und Geduld abverlangt. In ganz Hessen gingen zahlreiche Meldungen bei den Dienststellen ein.

In den Kreisen Gießen, Wetterau, Lahn-Dill und Marburg-Biedenkopf zählte die Polizei bis zum Nachmittag 100 Einsätze. In Osthessen waren es rund 50 Einsätze. Die Wiesbadener Rettungskräfte rückten 33-mal wegen des Unwetters aus, wie die dortige Feuerwehr meldete. Die Feuerwehr Darmstadt berichtete von mehr als 70 Einsatzstellen.

Umstürzende Bäume, herabfallende Äste

Auf der Landstraße 3098 von Nieder-Beerbach (Darmstadt-Dieburg) in Richtung Bundesstraße 426 stürzte ein Baum auf einen Wagen und verletzte den 58-jährigen Fahrer schwer. Der Mann war mit seiner 22-jährigen Beifahrerin unterwegs, als ein Ast die Frontscheibe durchbohrte und den 58-Jährigen am Bein verletzte. Er erlitt schwere, aber keine lebensbedrohlichen Verletzungen und wurde in ein Krankenhaus gebracht. Die Beifahrerin erlitt einen Schock.

Im nordhessischen Wehretal (Werra-Meißner) verletzte sich ein 75-Jähriger schwer. Er wollte einem Lkw-Fahrer zu Hilfe eilen, um dem Fahrer ein zugewehtes Holztor zu öffnen. Wie die Polizei mitteilte, übersah ihn dabei der Fahrer. Der Mann stürzte zu Boden und erlitt schwere Verletzungen am Kopf und an beiden Beinen. Er wurde in ein Krankenhaus gebracht.

Sprecher der Polizeipräsidien in allen Regionen berichteten von umgestürzten Bäumen, von herumfliegenden Sonnenschirmen oder einem weggeflogenen Trampolin.

Einsätze in ganz Hessen

Im Stadtgebiet Frankfurt gab es laut Polizei über 100 Einsätze. Die Feuerwehr beseitigte vor allem umgestürzte Bäume oder abgefallene Äste, sicherte aber auch abgedeckte Dächer oder lose Dachziegel. Auf einer Baustelle am Güterplatz stürzte ein Baugerüst zusammen. Ein Bauarbeiter wurde dabei leicht verletzt.

An einer Straßenmündung ist die Hälfte eines Gerüsts nach unten abgerutscht. Eine weiße Plane weht aus den Gerüst-Stäben heraus. Im Vordergrund sind rosafarbene Rohre zu sehen, die hier oberirdisch über die Straße geleitet werden.

Die A5 Heidelberg-Darmstadt wurde am Morgen zwischen Hemsbach (Baden-Württemberg) und Heppenheim in beiden Richtungen gesperrt. Ein Baum kippte auf einen Strommast, dabei knickte der Kopf des Mastes um. Dadurch hingen zwei Stromleitungen tiefer als sonst. Diese erwischte ein Lastwagen, der Fahrer wurde bei dem Unfall aber nicht verletzt. Die Schadenshöhe war zunächst noch nicht bekannt. Nach den Aufräumarbeiten konnte die Autobahn um 9.54 Uhr wieder freigegeben werden.

Ob ein Baum auf der A5 in Südhessen bei Zwingenberg (Bergstraße) oder umhergeschleuderte Verkehrsschilder auf der A5 in Mittelhessen bei Butzbach (Wetterau): Autofahrern war auch andernorts Vorsicht geboten - aber auch Fußgängern, wie Meldungen zeigten:

  • "Seit 4 Uhr heute Morgen sind wir zu elf Sturmeinsätzen ausgerückt. Bislang umgestürzte Bäume und herabgefallene Äste", twitterte die Frankfurter Feuerwehr.
  • In Seeheim-Jugenheim (Darmstadt-Dieburg) stürzte ein Baum gegen einen Linienbus und drückte eine Scheibe ein. Der Fahrer blieb unverletzt und Fahrgäste waren noch nicht im Bus.
  • Bei Friesenhausen (Fulda) stürzte ein Baum auf zwei Pkw, die in einem Waldstück in gegengesetzter Richtung unterwegs waren. Eine 29-jährige wurde dabei leicht verletzt. Den entstandenen Schaden an den Fahrzeugen beziffert die Polizei auf 16.000 Euro.
  • Bei Babenhausen (Darmstadt-Dieburg) auf der B26 kollidierte ein Lkw mit einem umgefallenen Baum.
  • Auf der B3 südlich von Jesberg (Schwalm-Eder) stürzten mehrere Verkehrsschilder um.
  • Aufgrund mehrerer umgestürzter Bäume ist die K110 zwischen Bimbach (Fulda) und Lütterz voll gesperrt.
  • Ebenfalls wegen umgestürzter Bäume gesperrt ist die Landstraße 3477 zwischen Groß-Bieberau und Wembach (Darmstadt-Dieburg) - nach Informationen der hr-Verkehrsredaktion voraussichtlich bis Freitagvormittag.
  • Auf der Straße zwischen Grebenhain-Zahmen (Vogelsberg) und Hosenfeld-Blankenau (Fulda) fiel ein Baum auf ein fahrendes Auto. Der 26 Jahre alte Fahrer blieb unverletzt.
Sturmschaden in Mühlheim

Auch der Schienenverkehr war betroffen:

  • Zwischen Frankfurt und Köln fuhren zeitweise keine Züge. Erst am späten Nachmittag rollten einige ICE-Züge wieder, dennoch kommt es weiterhin zu Teilausfällen.
  • Ein in die Oberleitung gewehter Baum verhinderte am Morgen den Fern- und Nahverkehr zwischen Frankfurt und Darmstadt.
  • Der S-Bahnverkehr war auf den Linien S3, S4 und S7 in und um Frankfurt wegen des Sturms zeitweise eingestellt. Am Abend fuhren die meisten Züge wieder - häufig mit Folgeverspätungen.
  • Die Strecke zwischen Limburg und Gießen wurde wegen eines Baumes auf der Strecke gesperrt und erst am Nachmittag wieder freigegeben.
  • Weil ein Baum auf die Gleise gefallen war, kam es beispielsweise auf den Regionalbahnlinien RB45 (Limburg-Wetzlar-Gießen-Fulda), RB90 (Limburg-Siegen) und RE99 (Gießen-Siegen) zu Verspätungen und Ausfällen. Am Nachmittag fuhren die vorher eingestellten RB16, RB45, RB46 und RB47 wieder - teilweise aber mit Verspätung.
  • Im Straßenbahnverkehr in Frankfurt fuhr die Linie 17 wegen eines Unwetterschadens im Bereich Oberschweinstiege nicht zwischen den Haltestellen Louisa Bahnhof und Neu-Isenburg.
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Wie heißt das Tief?

Viele Medien nennen das Sturmtief "Ignatz" - dabei lautet sein richtiger Name "Hendrik". Sturmtief "Hendrik" war schon auf dem Atlantik unterwegs, als es ein sogenanntes Randtief, also einen Ableger, bildete. Dieser Ableger hat dann von der Freien Universität Berlin (die die Namenspatenschaften für Hoch- und Tiefdruckgebiete vergibt) einen Namen bekommen: Ignatz.
"Ignatz" ist dann als Ableger mit "Hendrik" nahezu verschmolzen und zeitgleich Richtung Skandinavien gewandert. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnte in seinen Meldungen für Deutschland vor "Ignatz". Dieser ist dann aber doch schneller abgezogen, stattdessen kam der zweite Kern von "Hendrik" und brachte Deutschland den Sturm.

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Am Frankfurter Flughafen kam es zu einigen Verspätungen im Betriebsablauf, auf dem offiziellen Twitter-Account wird zudem vor Flugausfällen gewarnt. Bislang aber ist noch keine Maschine ausgefallen. Aktuelle Informationen dazu finden Sie hier.

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Das Frankfurter Grünflächenamt teilte zudem mit, dass die Friedhöfe wegen des Sturms geschlossen bleiben. Bestattungen fallen aus. Auch Palmengarten und Botanischer Garten bleiben geschlossen. Auch in Marburg ordnete die Stadtverwaltung die Schließung aller Friedhöfe, Gärtnereien und Steinmetzbetriebe an.

Höchste Windgeschwindigkeit bislang: 130 km/h

Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Offenbach wurde in Hessen die bisher höchste Windgeschwindigkeit des Sturms auf der 950 Meter hohen Wasserkuppe in der Rhön gemessen: Sie betrug dort 130,3 Stundenkilometer.

HR-Meteorologe Wilken Agster meldet zudem lokale Höchstgeschwindigkeiten, so wurden Böen gemessen in:

  • Frankenberg-Geismar 98,6 km/h
  • Hoherodskopf 97,6 km/h
  • Frankfurt 96,1 km/h
  • Runkel-Ennerich 95,4 km/h
  • Geisenheim 95,0 km/h

Am frühen Nachmittag hob der DWD seine Unwetterwarnung auf. Gegen Abend sollte sich die Lage beruhigen. Die Temperaturen steigen nicht über 16 Grad. Am Freitag kann es hauptsächlich in der Nordhälfte noch weitere Schauer geben, hier sind auch noch Sturmböen möglich.

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