Blick in die Wettkampf-Halle, Sudoku-Rätsel.

250 Menschen aus aller Welt rätseln derzeit im osthessischen Kirchheim um die Wette - bei der Sudoku-Weltmeisterschaft. Ein Gespräch mit Mitorganisator Christian Halberstadt über Rätsel mit Charakter und Kirchheim als WM-Ort.

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hs
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Die ganz große Bühne im ganz kleinen Ort: Das Hotel Seeblick in Kirchheim (Hersfeld-Rotenburg) ist Schauplatz der diesjährigen World Sudoku and Puzzle Championship. Bis Dienstag werden Menschen aus 35 Ländern hier die Rätsel lösen, die viele als Zahlenquadrate aus Zeitschriften kennen. Ab Donnerstag beginnt dann die World Puzzle Championship, bei der andere Logikrätsel zu lösen sind.

Organisiert hat die Veranstaltung der Verein Logic Masters Deutschland, der als nationaler Rätselverband agiert. Ein Gespräch mit dem Vereinsvorsitzenden Christian Halberstadt - der 53-Jährige aus Hamburg arbeitet hauptberuflich im IT-Bereich einer Versicherung.

hessenschau.de: Herr Halberstadt, Sudoku spielt man ja eigentlich alleine, zum Zeitvertreib oder als Gehirn-Jogging. Wie geht das denn als Weltmeisterschaft?

Christian Halberstadt: Im Prinzip genauso, nur eben auf Zeit. Hier sitzen 250 Teilnehmer aus der ganzen Welt in einem Saal, die spielen an zwei Tagen 13 Runden plus zwei Playoff-Runden, jeweils 25 bis 60 Minuten lang. An einem Tag lösen damit die meisten um die 100 Rätsel, für jedes davon gibt es Punkte, und wer die meisten Punkte hat, gewinnt.

hessenschau.de: Und sind das ganz normale Sudokus, wie man sie aus der Apotheken Umschau oder der Tageszeitung kennt?

Halberstadt: Wir spielen auch das Standard-Sudoku, aber auch viele Varianten. Unsere Rätsel werden per Hand von in der Szene bekannten Rätsel-Autoren erstellt, in den Zeitschriften machen das ja zu 99 Prozent PC-Programme. Zwei Wochen vor WM-Start haben wir die Varianten auf der Website angekündigt und mit Beispielen erklärt.

hessenschau.de: Warum ist das wichtig, ob ein Programm oder ein Mensch das Rätsel schreibt?

Halberstadt: Viele unserer Rätsel haben einen besonderen Charakter. Das ist wie Musik oder Bildende Kunst - das Rätsel basiert auf Naturgesetzen, aber mit einer eigenen, persönlichen Idee. Das Standard-Sudoku ist ja oft langweilig, die Zahlen haben dort zum Beispiel gar keine Bedeutung. Hier haben wir Varianten, bei denen muss man mit den Zahlen rechnen oder interessante Kombinationen suchen.

hessenschau.de: Letztes Jahr fand die WM in Prag statt, nächstes Jahr in Shanghai - wie sind Sie denn dieses Mal ausgerechnet auf Kirchheim gekommen?

Halberstadt: Der Weltverband macht uns genaue Vorgaben, wie teuer eine WM für die Spieler sein darf. In einer Großstadt bekommt man das kaum finanziert. Sudoku ist zwar wahnsinnig beliebt, aber wir haben nur wenige Sponsoren. Vor ein paar Jahren haben wir hier in der Nähe, in Herbstein (Vogelsberg), eine Deutsche Meisterschaft ausgespielt.

Da hat uns ein Vereinsmitglied dieses Hotel hier empfohlen, und es ist spontan eine Delegation nach Kirchheim gefahren und hat sich das angeschaut. Später war dann klar: Wenn die WM nach Deutschland kommt, dann nach Kirchheim.

hessenschau.de: Und jetzt sitzen die Menschen in einem Saal und rätseln um die Wette?

Halberstadt: Ja. Ich liebe die Atmosphäre in diesem Raum. Das ist wie in der Schule bei einer Klassenarbeit: Sehr ruhig, sehr konzentriert. Vorne läuft ein Countdown, und die Leute schreiben und radieren. Es wird kaum gesprochen.

hessenschau.de: Wie viele Menschen betreiben in Deutschland denn Sudoku auf Wettkampfniveau?

Halberstadt: Unser Verein hat 135 Mitglieder, die kommen aber nicht alle aus Deutschland. Hier bei der WM haben wir drei Mannschaften gemeldet, à vier Personen.

hessenschau.de: Ach, einen Team-Wettbewerb gibt es auch?

Halberstadt: Ja, da löst man dann zu viert zum Beispiel ein einziges, sehr komplexes Rätsel, das aus mehreren kleineren Rätseln besteht. Rund 60 Mannschaften nehmen teil. Eine Ausnahme sind die Serben, die sind nur zu dritt und haben daher natürlich auch keine Chance auf die vorderen Plätze. Aber sie haben gesagt, das macht nichts. Es gibt ja ohnehin kein Geld zu gewinnen - nur Pokale und Medaillen.

hessenschau.de: Wie lange würde denn ein WM-Teilnehmer brauchen, um ein Standard-Sudoku aus einer Zeitschrift zu lösen?

Halberstadt: Bestimmt unter einer Minute. Genau weiß ich es aber nicht, weil die Schwierigkeitsgrade nicht standardisiert sind. Außerdem sind für mich persönlich Sudokus nicht so interessant, ich freue mich vor allem auf den Wettbewerb der Logikrätsel, der am Donnerstag beginnt.

Weitere Informationen

Was ist Sudoku?

Sudoku ist ein Logikrätsel. In der Standard-Variante besteht es aus einem Gitter mit neun Spalten und neun Zeilen. Aufgabe ist es, das Gitter so zu füllen, dass jede Zahl von 1 bis 9 in jeder Spalte, Zeile und in jedem 3x3-Quadrat genau ein Mal vorkommt.

Als Erfinder des Spiels gilt der Schweizer Mathematiker Leonhard Euler, der sich um 1707 mit sogenannten "Lateinischen Quadraten" beschäftigte. Über die USA gelangt die Idee in den 1980er-Jahren nach Tokio, wo ein Verlag begann, solche Rätsel unter dem Namen "Sudoku" zu veröffentlichen. Ein Neuseeländer entwickelte schließlich ein PC-Programm, mit dem sich die Rätsel erstellen lassen, und verkaufte es an eine britische Tageszeitung – 2004 kamen die Sudokus so nach Europa zurück. 

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Die Fragen stellte Bodo Weissenborn.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 30.09.2019, 19.30 Uhr