Tuch mit der Aufschrift "We miss you Susanna"
Gedenken an die 14-jährige Schülerin Susanna. Bild © picture-alliance/dpa

Im Mordfall Susanna gibt es kurz vor Prozessbeginn gegen Ali B. neue Erkenntnisse: Laut Anklageschrift hat die 14-Jährige vor ihrem Tod per WhatsApp eine Freundin über ihre Notlage informiert.

Dem Südwestrundfunk (SWR) liegen neue Informationen im Mordfall Susanna vor. Ein Blick in die Anklageschrift zeigt, dass die 14-jährige Susanna vor ihrem Tod noch per WhatsApp Kontakt mit einer Freundin aufgenommen und um Hilfe gebeten hat.

Demnach habe die Schülerin aus Mainz geschrieben, dass sie Angst habe und dass Ali B. sie nicht gehen lasse. Die Freundin soll ihr daraufhin den Rat gegeben haben, nach Hause zu fahren.

Susanna soll Ende Mai 2018 in einem Waldstück nahe dem Wiesbadener Stadtteil Erbenheim getötet worden sein. Die Staatsanwaltschaft geht von Heimtücke als Mordmerkmal aus. Die Leiche der Schülerin war am 6. Juni gefunden worden.

Anwältin: "Es wäre möglich gewesen, die Tat zu verhindern."

Die Mainzer Anwältin Petra Kaadtmann, die Susannas Mutter im Prozess vertritt, sagte dazu im SWR-Interview: "Diese Freundin hat weder die Polizei noch die Mutter von Susanna angerufen, um hier zu dokumentieren, dass Susanna sich in Schwierigkeiten befindet. Wenn das geschehen wäre, (…) wäre es möglich gewesen, die Tat zu verhindern." Susannas Mutter hatte bereits zuvor bei Facebook gegen die Freundin ihrer Tochter schwere Vorwürfe erhoben.

Die Anwälte der Nebenklage gehen außerdem von einem gezielten Plan des mutmaßlichen Täters Ali B. aus. In der Anklageschrift ist zu lesen, dass der 21 Jahre alte damalige Flüchtling aus dem Irak wenige Stunden vor der Tat Vorkehrungen getroffen haben soll, um mit Susanna in der Flüchtlingsunterkunft in Wiesbaden Alkohol zu trinken. Sie sehen darin den gezielten Plan von Ali B., die 14-Jährige in eine Falle zu locken, um sich an ihr zu vergehen.

Prozessbeginn am Dienstag

Der Prozess gegen Ali B. beginnt am Dienstag vor dem Landgericht Wiesbaden. Der 21-Jährige ist angeklagt, das Mädchen vergewaltigt und anschließend getötet zu haben. Ali B. hat zugegeben, Susanna getötet zu haben, die Vergewaltigung der 14-Jährigen bestreitet er.

Ali B. sitzt seit dem 10. Juni in Frankfurt in Untersuchungshaft. Er muss sich in einem weiteren Verfahren vor dem Wiesbadener Landgericht auch noch wegen der mehrfachen Vergewaltigung eines elfjährigen Mädchens verantworten.