Cannabispflanze

Künstlich verstärktes Marihuana kann für Konsumentinnen und Konsumenten richtig gefährlich werden. Es gab Todesfälle deswegen. Testen lassen kann man sein Gras aber deutschlandweit nur bei einem Verein in Frankfurt.

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hs
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Eine halbe Tüte - mehr haben sie gar nicht geraucht an jenem Oktoberabend 2020 in Bensheim (Bergstraße). Dann wurde bei jedem von ihnen der Körper unerträglich heiß - es habe sich angefühlt, als würden die Organe schmelzen, schreiben sie auf der Webseite dirty-weed.com: "Es ist von Sekunde zu Sekunde schlimmer geworden. Wir dachten, es hört erst auf, wenn wir sterben." Die Beschreibung des Horrortrips ist anonym abgefasst.

Wie ging es weiter? Irgendwann ruft jemand aus der Gruppe, die sich den Joint teilte, den Notarzt. Sie kamen dem Bericht zufolge zu dem Schluss, dass ihr Cannabis mit synthetischen Cannabinoiden verunreinigt worden sei. Und das ist gar nicht unwahrscheinlich.

Unsichtbare Gefahr

Synthetische Cannabinoide wirken ähnlich wie Cannabis, haben mit der Pflanze selbst aber nichts zu tun. Sie werden chemisch hergestellt. Die Wirkung ist um ein Vielfaches höher als bei gewöhnlichem Marihuana. Nach Erkenntnissen des hessischen Landeskriminalamts nahm die Verbreitung in den vergangenen zwei Jahren stark zu.

Und das kann richtig gefährlich werden: Ausweislich des "Bundeslagebilds Rauschgiftkriminalität" des Bundeskriminalamts starben 2019 und 2020 jeweils fünf Menschen an den Folgen eines Konsums von Synthetischen Cannabinoiden.

Das Problem beschreibt Karsten Tögel-Lins, Sozialarbeiter beim Frankfurter Verein Basis: Synthetische Cannabinoide sind unsichtbar, geruchs- und geschmacklos. Weil Besitz und Vertrieb von Marihuana in Deutschland illegal sind, gibt es aber natürlich keinen Drogen-TÜV. Konsumentinnen und Konsumenten bleibt nur der Schwarzmarkt, falls sie auf ihr High nicht verzichten wollen.

Umfassendes Drug Checking nicht erlaubt

Ob Cannabis mit den künstlichen Verstärkern besprüht wurde, lässt sich nur im Labor feststellen. In Hessen steht das sogenannte Drug Checking sogar im schwarz-grünen Koalitionsvertrag. Doch ein flächendeckendes Angebot werde, so Tögel-Lins, noch vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte blockiert.

Karsten Tögel-Lins ist Sozialarbeiter beim Frankfurter Verein Basis

Und so ist der Frankfurter Verein die einzige Stelle in Deutschland, die derzeit für Konsumentinnen und Konsumenten Cannabis auf synthetische Cannabinoide testet. Sozialarbeiter Tögel-Lins kann das nicht nachvollziehen, wie er sagt: "Ich glaube, dass die Möglichkeit, Substanzen untersuchen zu lassen, als Gesundheitsschutz für Konsumierende wesentlich ist."

Sozialarbeiter: Lieber begleiten als verbieten

In einschlägigen Facebook-Gruppen fordern viele deshalb auch die Legalisierung von Cannabis. Sie wollen nicht mehr heimlich Drogen kaufen müssen, die möglicherweise nicht die beabsichtigte Wirkung erzielen. Viele wünschen sich einen Konsum in sicherem Rahmen.

Auch Tögel-Lins vom Verein Basis glaubt, dass Beratung und Begleitung besser wirken als jedes Verbot: "Viele junge Menschen konsumieren verschiedene Substanzen, ohne Suchtprobleme zu entwickeln."

Drogen vor dem Konsum auf ihre Inhaltsstoffe kontrollieren und sich daraufhin über die möglichen Risiken informieren lassen zu können - diesen Weg wünscht sich der Sozialarbeiter auch für Deutschland. In Österreich, England und der Schweiz steht er Konsumentinnen und Konsumenten schon lange offen.

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