Tatverdächtiger im Mordfall Lübcke: Stephan Ernst beim Wahlkampf für die NPD in Kassel (Archiv)

In einem Erdloch haben Ermittler die Tatwaffe im Fall Lübcke gefunden. Stephan Ernst soll sie von zwei Männern gekauft haben, denen nun Beihilfe zum Mord vorgeworfen wird – nicht aber die Bildung einer rechtsextremistischen Vereinigung.

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Trotz der Festnahme zweier Männer, die im Verdacht stehen, dem mutmaßlichen Lübcke-Attentäter Stephan Ernst die spätere Tatwaffe verschafft zu haben, sieht die Bundesanwaltschaft nach eigener Aussage derzeit keine "zureichenden tatsächlichen Anhaltspunkte" für die Bildung einer "rechtsterroristischen Vereinigung".

Vorwurf: Beihilfe zum Mord

Man gehe zwar davon aus, dass die beiden Männer Ernsts rechtsextremistische Gesinnung gekannt und es billigend in Kauf genommen hätten, dass die Waffe für ein "politisch motiviertes Tötungsdelikt" benutzt würde, hieß es seitens der Bundesanwaltschaft. Jedoch gebe es derzeit keine Hinweise darauf, dass sie Kenntnis von den konkreten Anschlagsplänen gehabt hätten.

Die Beschuldigten - Elmar J. aus dem nordrhein-westfälischen Kreis Höxter und Markus H. aus Kassel - waren in der Nacht zum Donnerstag verhaftet worden. Nach Ansicht der Ermittler soll Elmar J. Stephan Ernst die spätere Tatwaffe verkauft haben, während Markus H. als eine Art Vermittler fungierte. Die Wohnungen beider Männer wurden durchsucht, nachdem Ernst am Dienstag ein umfassendes Geständnis abgelegt und dabei auch J. und H. belastet hatte.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Beihilfe zum Mord: Zwei weitere Festnahmen im Fall Lübcke

Einfahrt zum Firmengelände des Bahnzulieferers in Kassel, wo Stephan Ernst arbeitete
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Gegen beide wurde am Donnerstag Haftbefehl erlassen. Die Untersuchungshaft sei umgehend in Vollzug gesetzt worden, sagte ein Sprecher der Bundesanwaltschaft. J. und H. wird Beihilfe zum Mord vorgeworfen. Sie gehören beiden ebenso wie Ernst der rechtsextremen Szene an, wie mehrere Medien berichteten.

Tatwaffe in Erddepot gefunden

Ernst hatte zudem den Standort eines Waffenverstecks verraten, das ebenfalls am Donnerstag ausgehoben wurde. Dabei handelte es sich um ein Erddepot auf dem Gelände seines Arbeitgebers, wie NDR, WDR und Süddeutsche Zeitung berichteten. Darin sollen sich insgesamt fünf Waffen befunden haben - darunter laut Generalbundesanwalt die Tatwaffe mit dem Kaliber .38 sowie eine Pumpgun und eine Maschinenpistole vom Typ Uzi. Ernst arbeitete bei einem Bahnzulieferer in Kassel.

Seinem Geständnis zufolge tötete Ernst in der Nacht zum 2. Juni den Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke (CDU) auf der Terrasse seines Wohnhauses in Wolfhagen-Istha mit einem Kopfschuss aus nächster Nähe.

Sendung: hessenschau, 27.06.2019, 19.30 Uhr