Gegen Hass, Hetze und Mord: Demonstranten am Samstag in Marburg

Der rassistisch motivierte Anschlag von Hanau erschüttert ganz Hessen. Allein in Marburg demonstrierten 4.500 Menschen gegen rechtsextremen Hass und Hetze. Auch in Hanau selbst zeigten wieder Tausende Flagge gegen rechts.

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Nach der rechtsextremistisch motivierten Gewalttat von Hanau mit zehn Todesopfern haben sich am Samstag in mehreren hessischen Städten insgesamt tausende Menschen zu Kundgebungen gegen Hetze und Menschenverachtung versammelt.

6.000 Menschen demonstrierten in Hanau

Alleine in Hanau kamen nach Angaben der Polizei 6.000 Menschen zu einer friedlichen Demonstration zusammen. Sie startete mit einer Kundgebung auf dem Freiheitsplatz in der Innenstadt. Immer wieder wurden die Namen der Opfer verlesen, die meiste Zeit lauschten die Menschen still und andächtig.

"Wir sind in tiefer Trauer und wir sind wütend", sagte Newroz Duman, die Sprecherin des Bündnisses "Solidarität statt Spaltung". Der Deutsche Gewerkschaftsbund sowie zahlreiche Initiativen aus Hanau hatten zu der Kundgebung auf dem Freiheitsplatz aufgerufen. Von dort startete der Zug zu den beiden Tatorten des Anschlags am Heumarkt und in Kesselstadt.

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Mit Tränen in den Augen verharrten die Demonstranten bei einer Schweigeminute am Heumarkt. Sie gedachten der Verletzten und der Menschen, die es zufällig nicht getroffen hat und die Augenzeugen der grausamen Tat wurden. Immer wieder zeigten Teilnehmer die Bilder der noch jungen Opfer.

In Hanau äußerten sich am Samstag auch Familienmitglieder der Opfer zu den Morden. Die Tat sei ein barbarischer Akt und ein Angriff auf die ganze Gesellschaft, sagte ein Angehöriger. Die Gesellschaft müsse nun zusammenstehen. "Die Wunde wird nicht heilen, aber die Solidarität hilft uns", erklärte ein anderer. "Wir sind alle Opfer geworden", äußerte sich ein weiterer Angehöriger.

Özdemir legt Kranz nieder

Am Nachmittag besuchte auch der Grünen-Politiker Cem Özdemir Hanau. Auf dem Heumarkt legte Özdemir einen Kranz für die Opfer nieder. Er hoffe, "dass dieses Jahr in die Geschichte eingeht als das Jahr, in dem die Republik ernst macht gegen Rechtsradikalismus", sagte Özedemir. Im Beisein von Angehörigen der Opfer forderte er: "Es darf keine neue Tat mehr geben."

Die Grünen-Politikerin Berivan Aymaz sagte, dass die Menschen sich nicht mehr sicher fühlten. Man müsse sich mit dem Rassismus in dieser Gesellschaft auseinandersetzen. Wenn Minderheiten sich nicht mehr sicher fühlten, habe die Demokratie ein Problem.

Cem Özdemir und Berivan Aymaz von den Grünen legen in der Nähe des Tatortes am Heumarkt Blumen nieder.

Marburger OB Spies: "Mit allen Mitteln gegen Rassisten vorgehen"

Auch in Marburg fand am Nachmittag eine Demonstration mit anschließender Mahnwache statt. Daran beteiligten sich nach Angaben der Stadt rund 4.500 Menschen.

"Ich bin stolz, dass so viele Menschen diesem Aufruf gefolgt sind", sagte Oberbürgermeister Thomas Spies (SPD) bei einer Kundgebung auf dem Marktplatz. "Ich bin stolz auf unsere Stadt, die so viel Solidarität, so viel Anteilnahme, so viel Brüderlichkeit und Schwesterlichkeit zeigt."

Er forderte die Versammelten auf, jeden Tag füreinander einzustehen, damit sich alle Menschen in der Stadt wohlfühlen. "Wir werden mit allen Mitteln des Rechtsstaates gegen Volksverhetzer und Rassisten vorgehen. Daran darf es keinen Zweifel geben", sagte der Oberbürgermeister weiter.

Schweigemarsch durch die Marburger Innenstadt

Politiker aller Marburger Parteien mit Ausnahme der AfD hatten zuvor einen Schweigemarsch durch die Marburger Innenstadt angeführt. "Wir stehen zusammen gegen rechten Terror", "Omas gegen rechts" und "Ein Helau gegen den Hass!" - diese und weitere Sätze standen auf den Transparenten, die Teilnehmer in die Höhe reckten.

Auch in Idstein (Rheingau-Taunus) zeigten Menschen auf einer Kundgebung Flagge gegen rechts. Das Bündnis "Idstein bleibt bunt" hatte am Mittag zu einer Mahnwache vor dem Rathaus eingeladen.

Für Sonntag planen mehrere Vereine in Hanau wieder eine Demonstration. Ab 14 Uhr soll es einen Zug vom Kurt-Schumacher-Platz zum Marktplatz geben. Die Veranstalter erwarten erneut 3.000 Teilnehmer.

Opfer mit Migrationsgeschichte

Ein 43 Jahre alter Deutscher hatte am Mittwochabend in Hanau neun Menschen mit ausländischen Wurzeln erschossen. Der Sportschütze tötete auch seine 72 Jahre alte Mutter und dann sich selbst. Nach bisherigen Erkenntnissen hatte der Täter eine rassistische Gesinnung und war psychisch krank.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 22.02.2020, 19.30 Uhr