Ein Stapel Goldbarren

Die zwei Angeklagten im mutmaßlichen Gold-Betrugsskandal haben beim Prozessautakt am Dienstag geschwiegen. Zuvor hatte die Anklage über Stunden die Schicksale von geprellten Anlegern vorgetragen.

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Es geht um große Mengen Gold, Verluste in dreistelliger Millionenhöhe und tausende geprellte Anleger: Gut ein Jahr nach den Durchsuchungen bei dem mittlerweile insolventen Goldhändler PIM hat am Dienstag in Darmstadt der Prozess gegen zwei ehemalige führende Mitarbeiter begonnen. Die 49 und 52 Jahre alten Männer müssen sich vor dem Landgericht wegen schweren Betruges verantworten.

Anklage vermutet Schneeballsystem

Laut Anklage soll das Unternehmen in Heusenstamm (Offenbach) von 2016 bis September 2019 mit ihren Kunden Lieferverträge einschließlich Bonusversprechen über hunderte Kilogramm Gold abgeschlossen, diese aber nicht erfüllt haben. Zinsen sollen nach einer Art Schneeballsystem über neu angeworbene Kundengelder ausgezahlt worden sein: Kunden, die früh einstiegen, bekamen ihren Bonus, am Ende war aber kein Geld mehr übrig, um alle Boni auszuzahlen. Die Firma hat inzwischen Insolvenz angemeldet.

Rentner, Unternehmer, sogar Kinder sollen so Geld verloren haben. Bei einem Unternehmer und seinen beiden Kindern habe sich der Schaden auf eine Gesamtsumme von mehr als 2,2 Millionen Euro beziffert, so die Staatsanwaltschaft. Die Anklage zählte am Dienstag, in einem stundenlangem Vortrag, die Schicksale von insgesamt rund 130 geprellten Personen auf.

Angeklagte äußerten sich nicht

Die Vorwürfe der Anklage nahmen die beiden Angeklagten beim Prozessauftakt ohne großen Emotionen hin. Auch äußern wollten sie sich am ersten Tag nicht.

In dem Verfahren geht es auch um Verträge für den Kauf von rund drei Tonnen Feingold. Doch das viele Gold, das angeblich in den Tresoren der Firma gelagert wurde, hat es offenbar nie gegeben. Bei einer Razzia im Herbst 2019 wurde nur ein Bruchteil der Menge tatsächlich sichergestellt. Der Anblick dieses Goldes war aber offenbar verlockend genug für die Kunden, um in die Falle zu tappen: Den Anlegern sind laut Gericht die Goldkäufe nur vorgegaukelt worden - zumindest der größte Teil davon.

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Ein Bündel Geldscheine und im Hintergrund Goldbarren
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Laut Insolvenzverwalter gibt es weit mehr als 7.000 angemeldete Forderungen mit einem Gesamtvolumen von knapp 180 Millionen Euro. Die Spanne der einzelnen Forderungen reiche von Beträgen von 20 Euro bis zu 1,9 Millionen Euro. Im Bestand seien bislang lediglich rund 560 Kilogramm Gold und Schmuck sichergestellt worden.

Anwältin: Aufklärung erfolgte spät

Die Anwältin des jüngeren Angeklagten, Stefanie Schott, hält den ganzen Komplex für nicht zu Ende ermittelt. Erst Anfang November habe das Gericht erstmals einen Sachverständigen damit beauftragt zu klären, inwieweit ein Schaden vorliege. Dies sei aber eigentlich schon eine Voraussetzung für eine Anklageerhebung gewesen. Diese Aufklärung hätte schon im Ermittlungsverfahren erfolgen müssen. Ihr Mandant sitzt seit mehr als einem Jahr, seit Anfang September 2019, in Untersuchungshaft. Der mitangeklagte 52-Jährige ist auf freiem Fuß.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 08.12.2020, 16.45 Uhr