Ein wenig Abkühlung an einem der Brunnen am Darmstädter Luisenplatz.

In Hessen wird es in dieser Woche so heiß wie zuletzt vor über 70 Jahren. Sogar ein Allzeit-Hitzerekord droht. Wir verraten, wie Sie sich schützen können, wo es Abkühlung gibt - und ob Sie in Badelatschen und Muskelshirt zur Arbeit kommen dürfen.

Der kalendarische Sommer hat gerade erst begonnen, und schon ächzt Hessen unter den Rekordtemperaturen. Der bisherige Juni-Bestwert dürfte dank Hoch "Ulla" sicher fallen, und sogar der deutsche Allzeit-Temperaturrekord wackelt. Wie heiß es wird, welche Gefahren lauern und was die Hitze für den Arbeitsalltag bedeutet, haben wir hier zusammengetragen.

Wie heiß wird es in dieser Woche?

Am Mittwoch, dem vorläufigen Höhepunkt der Hitzewelle, erwartet hr-Meteorologe Mark Eisenmann Höchstwerte in Hessen von bis zu 39 Grad. Danach gibt es zumindest im Norden des Landes vorübergehend ein wenig Entspannung, im Süden Hessens bleibt es stabil bei 32 bis 35 Grad. Zum Wochenende erwartet der Wetterexperte, dass die Temperaturen wieder steigen. Zusammengefasst: Es bleibt brütend heiß.

Droht ein Hitzerekord?

Die zu erwartenden Temperaturen sind nicht weniger als rekordverdächtig. Der höchste jemals im Juni in Hessen gemessene Wert beträgt 38,2 Grad und datiert vom 27. Juni 1947. Aufgestellt wurde er am Messpunkt in der Feldbergstraße im Frankfurter Westend. Diese 72 Jahre alte Marke dürfte ziemlich sicher fallen, glaubt der hr-Meteorologe.

Und sogar der deutsche Allzeit-Temperaturrekord wackelt demnach: Im Jahr 2015 wurden im fränkischen Kitzingen 40,3 Grad gemessen. Ob der Rekord nach Hessen wandert, zeigt sich am Mittwoch.

Wo schwitzen die Hessen am meisten?

Am heißesten wird es - Überraschung - in der unteren Landeshälfte. Genauer gesagt: im Süden und Südwesten Hessens. hr-Wetterexperte Eisenmann nennt neben dem Rhein-Main-Gebiet das Hessische Ried als Hitze-Hotspots.

Wenig Entspannung versprechen auch die Nächte: In Stadtgebieten wie Frankfurt dürfte das Thermometer selbst dann nicht unter 20 Grad fallen, so Eisenmann. Der gute alte Durchlüft-Trick hilft also nur bedingt.

Wo sind die Temperaturen am angenehmsten?

Wenn Sie nicht unter einem Stein oder in einer Höhle wohnen, dann dürfte es mit der Abkühlung in Hessen schwierig werden. "Am kühlsten ist es vergleichsweise natürlich auf den Bergen", sagt Eisenmann. Warum also nicht mal auf der Wasserkuppe wandern gehen?

Vielleicht legen Sie aber lieber einen Vorrat nasser Handtücher in die Gefriertruhe und kleiden sich im abgedunkelten Zimmer damit ein. Das kommt dem Höhlenleben zumindest nahe. Für Kulturinteressierte bieten sich alternativ Besuche in klimatisierten Kinos oder - besser noch - Museen an: Das wirkt clever und hält cool.

Welche Gesundheitsrisiken gibt es?

Die Liste gesundheitsgefährdender Begleiterscheinungen bei Hitze ist länger als die zu erwartenden Schlangen vor den Eisdielen. So warnen das Deutsche Umweltbundesamt und der Deutsche Wetterdienst ausdrücklich vor Flüssigkeitsmangel, Sonnenbrand, Hitzeerschöpfung, Ausschlag und Hitzekollaps.

Besonders alte Menschen und kleine Kinder sind hohem Risiko ausgesetzt. Ernstzunehmende Warnzeichen sind etwa Kreislaufbeschwerden, Muskelkrämpfe, Kopfschmerzen, Erschöpfung und Verwirrtheit. Auch die UV-Strahlung ist dieser Tage besonders aggressiv. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) stuft die Gefahren zum Wochenbeginn als "sehr hoch" ein.

"Wir erwarten eine extreme Wetterlage", warnt hr-Meteorologe Eisenmann davor, die Situation auf die leichte Schulter zu nehmen. Das zeige sich auch an der erhöhten Sterberate bei Temperaturen ab 35 Grad aufwärts. Die Hitzewelle, die den Kontinent im Jahr 2003 im Würgegriff hatte, sei mit ihren Begleiterscheinungen schätzungsweise für 70.000 Tote in Europa verantwortlich gewesen.

Was kann ich tun, um mich zu schützen?

Das meiste liegt auf der Hand: Trinken Sie viel Wasser, cremen Sie sich gut ein und meiden Sie Sport in den Mittags- und frühen Nachmittagsstunden. Ohnehin sollten sich insbesondere Menschen, die für Kreislaufprobleme anfällig sind, nicht in der prallen Sonne aufhalten.

Wer dennoch unbedingt seinen Vitamin-D-Haushalt auffüllen möchte, sollte zumindest Hut und Sonnenbrille tragen. Eisenmann empfiehlt dazu leichte und insbesondere lange Kleidung. Klingt komisch, schützt aber vor aggressiver Strahlung.

Welche Badeseen haben geöffnet?

Rund 60 Badeseen gibt es in Hessen. Eine Übersicht aufgeteilt nach Regionen gibt es hier. Probleme mit Blaualgen vermeldet das Hessische Landesamt für Umwelt und Geologie (HLNUG) derzeit nur am Schultheis-Weiher in Offenbach: Hier ist das Baden wegen Cyanobakterien seit Mitte Mai verboten.

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Darf ich im Sommer-Outfit zur Arbeit?

Hitzefrei für Business-Kleidung gibt es leider nicht. Wenn Sie also geschäftlich mit Kunden zu tun haben, dürfen Sie schicke Schuhe und Krawatte nicht gegen Flipflops und Muskelshirt eintauschen. Die Unternehmenskultur bleibt auch bei Temperaturen jenseits der 30 Grad die gleiche.

Im Business-Sprech etwa bei der Commerzbank in Frankfurt klingt das so: "Die Kleidung sollte zum jeweiligen Aufgabengebiet passen." Wer in Kellern sein Geld verdient und Menschenkontakt nur aus der Freizeit kennt, kann sich deutlich luftiger kleiden. Wir raten: Augen auf bei der Berufswahl.

Sendung: hr-fernsehen, alle wetter, 24.06.2019, 19.15 Uhr