Franco A. im Gespräch mit einem seiner Verteidiger.

In seinem Prozess vor dem Oberlandesgericht Frankfurt hat sich der Bundeswehroffizier Franco A. weiter zu den Terrorvorwürfen der Anklage geäußert. Seine Erklärungen wirkten teils konfus, teils abenteuerlich - aber nie überzeugend.

Für einen Angeklagten ist es grundsätzlich ein Risiko, vor Gericht auszusagen. Schweigen - so sieht es das deutsche Rechtssystem vor - darf nicht zu seinen Lasten ausgelegt werden. Alles, was er sagt, hingegen schon. Vor allem, wenn es um die Frage seiner Glaubwürdigkeit geht.

Franco A., der Bundeswehroffizier, dem die Bundesanwaltschaft vorwirft, als Flüchtling getarnt einen Terroranschlag geplant zu haben, zieht es bereits seit mehreren Prozesstagen dennoch vor zu reden. Der Offenbacher will sich erklären, will verstanden werden, will seine eigene Version der Wahrheit der Öffentlichkeit kundtun.

Ein Vabanque-Spiel - das allem Anschein nach nicht zu seinen Gunsten ausgehen wird. Denn auch an diesem Dienstag, dem mittlerweile sechsten Prozesstag am Oberlandesgericht Frankfurt, klingen seine Erklärungen teils abenteuerlich, teils konfus und eigentlich nie überzeugend.

Gedankenstützen statt Attentatspläne

Im Mittelpunkt der Beweisaufnahme stehen an diesem Dienstag zahlreiche handschriftliche Notizen, die in den Unterlagen des Oberleutnants der Bundeswehr gefunden wurden. Die Anklage meint darin die Grundzüge einer Attentatsplanung erkennen zu können. Franco A. hingegen glaubt diese Vorwürfe entkräften zu können - indem er jeweils harmlos klingende Erklärungen präsentiert.

So wird ein Diagramm mit Ortsnamen, das zu An- und Abreiseplänen für einen Anschlag in Berlin passen könnte, bei A. zu einer schriftlichen Gedächtnisstütze für die logistischen Folgen einer Motorradpanne. Das daneben notierte Wort "Schrotflinte" habe ihn daran erinnern sollen, sich auf Flohmärkten in der Hauptstadt umzuschauen, sagt er. Kalendereinträge wie "Gruppe Antifa, Asylbewerber, Granate werfen" oder "Jüdische Schlägertrupps", die dem Angeklagten vor Gericht vorgehalten wurden, erklärt er damit, vielleicht Gedanken für einen Film festgehalten zu haben.

Im Grunde habe er auf den Zetteln, die nun als Beweise gegen ihn verwendet werden, alle möglichen Ideen festgehalten: Überlegungen für eine Zukunft als Zugführer, Gedankensplitter und Alltagsnotizen. Vielfach nur Stichwörter zu Themen, die er später nachschlagen oder recherchieren habe wollen.

Holocaust "sachlich" diskutieren

Glaubt man Franco A., dann haben seine Recherche-Interessen zumindest eine gewisse Schlagseite: "Sprengung Rothschild-Stein" lautet einer seiner Einträge. Eine genaue Erklärung, was er in diesem Zusammenhang recherchieren wollte, liefert Franco A. nicht. Die Rothschilds jedenfalls seien für ihn in erster Linie eine deutsche Familie, beteuert er - keine jüdische.

Ebenso wenig kann er erklären, was es mit der Notiz "Wenn Haverbeck im Gefängnis dann Befreiungsaktion" auf sich hat. Die 92-Jährige Ursula Haverbeck gilt in der rechtsextremen Szene als Märtyrerin, weil sie nach wiederholter Leugnung des Holocausts derzeit eine Haftstrafe verbüßt. Haverbeck vertrete "eine abweichende Meinung", findet Franco A. Er selbst wolle "über alles sachlich diskutieren".

Wenig zur Widerlegung beigetragen

Was auch immer es mit den Notizen genau auf sich hat, seine "Recherchethemen" jedenfalls bezog Franco A. bis zu seiner Festnahme 2017 offenkundig aus dem Fundus rechtsextremer Diskurse.

Bislang gab Franco A. zu, sich 15 Monate lang als syrischer Flüchtling ausgegeben zu haben - angeblich zu Recherchezwecken. Er gestand ebenfalls den zeitweisen illegalen Besitz dreier Waffen sowie das Horten von Munition - angeblich zu Selbstverteidigungszwecken für den Fall des Zusammenbruchs der staatlichen Ordnung. Den Terrorvorwurf bestreitet er - ihn zu widerlegen, hat seine Aussage bislang wenig beigetragen.

Der Prozess wird am kommenden Donnerstag, 17. Juni, fortgesetzt.