Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Franco A. legt Teilgeständnis ab

Franco A. am Eingang des OLG Frankfurt

Am dritten Verhandlungtag im Prozess gegen den Bundeswehroffizier Franco A. hat dieser ausführlich Auskunft über seine Biografie gegeben. Der Angeklagte präsentiert sich selbst als missverstandener "Wahrheitssucher".

Für viele Menschen, die ein - seiner Meinung nach - falsches Bild von ihm und seinen Absichten haben, hat Franco A. durchaus Verständnis. Es sei für ihn "nachvollziehbar", weshalb die Ermittler in seinem Fall zu dem Schluss gekommen seien, dass er einen Terroranschlag plane. Er könne auch verstehen, dass seine Masterarbeit "den Eindruck" erwecken könne, dass darin "rassistische Gedanken" enthalten seien. Und schließlich kann er auch nachvollziehen, dass ihm seit seiner Verhaftung 2017 seitens der Sicherheitsbehörden mit "Bedenken" begegnet werde - etwa wenn er den Tag der offenen Tür des Bundestages in Berlin besucht, Arbeitsplatz mehrerer mutmaßlicher Anschlagsziele.

Franco A. kann sehr viel nachvollziehen - nur nicht, dass er tatsächlich auf der Anklagebank des Frankfurter Oberlandesgerichts sitzt.

Abgeklärtheit und Nervosität

Der dritte Prozesstag um den Bundeswehroffizier, dem die Bundesanwaltschaft vorwirft, ein Doppelleben als Flüchtling geführt zu haben, um unter falscher Identität einen rechtsterroristischen Anschlag zu begehen, beginnt mit einem Teilgeständnis. Franco A. erklärt, dass er die Anklagepunkte, soweit sie sein Täuschungsmanöver als syrischer Flüchtling und den Besitz von 1.091 Schuss Munition und 51 "Knallkörpern" betreffen, vollumfänglich zugibt.

Den Vorwurf der Terrorplanung streitet er weiterhin ab. Eigentlich wäre das schon der Inhalt von A.s Einlassungen am zweiten Verhandlungstag gewesen, hatte sein Verteidiger Moritz David Schmitt-Fricke zu Beginn der Verhandlung erklärt. Doch da habe es scheinbar einige "Missverständnisse" gegeben - was bei Franco A. anscheinend öfter vorkommt.

"Ich betone allerdings, dass mein Motiv nicht darin bestand, diese Mittel für mich zu verwenden", erklärt Franco A. Ob mit den "Mitteln" die von ihm gehortete Munition aus Bundeswehrbeständen meint oder die finanzielle Unterstützung, die er als Flüchtling "Benjamin David" erhielt, bleibt unklar.

Der Satz ist typisch für Franco A.s Aussageverhalten. Auf lange, wohl überlegte Passagen folgen Einschübe, die nur ihm verständlich sind, vom Thema weg oder zu tief ins Detail führen. Das Gericht muss ihn mehrfach ermahnen, nicht zu schnell zu sprechen. Konzept und Planlosigkeit, Abgeklärtheit und Nervosität - in Franco A.s Einlassungen geht das oft ansatzlos ineinander über. Vor allem dann, wenn er über sich selbst redet.

Biografie soll Kontext liefern

Das darf er an diesem dritten Verhandlungstag ausführlich. Denn neben den Stellungnahmen zu den Tatvorwürfen will Franco A. sich auch noch "zur Person" äußern. Der 5. Strafsenat unter dem Vorsitz von Richter Christoph Koller nimmt dieses Angebot an. Denn die Biografie des Angeklagten, so die Hoffnung, könnte den notwendigen Kontext liefern, um einzuschätzen, ob A. wirklich über Pläne zu einem Terroranschlag brütete.

Und Kontext liefert Franco A. reichlich. Zweieinhalb Stunden lang berichtet er von seinem Werdegang. Oft detailliert, vor allem wenn es um seine Militärlaufbahn geht. Einzelheiten über Übungen im Einzelkämpfertraining, seine Zeit an der Militärschule Saint Cyr, seine Vorarbeiten zur umstrittenen Masterarbeit, in der später ein Gutachter eine "auf Verschwörungstheorien basierende Ideologie" erkannt haben will. Franco A. scheint es in manchen Momenten sehr schwer zu fallen, Wichtiges von Unwichtigem zu trennen. Vielleicht weil er, wenn es um sein Bild in der Öffentlichkeit geht, nichts dem Zufall überlassen möchte.

Er sei ein Mensch, der "Dinge auf ihren Wahrheitsgehalt" überprüfen möchte. Nicht immer gelinge ihm das. Seine erste Masterarbeit etwa sei natürlich misslungen, weil er versäumt habe, den darin aufgestellten und von Gutachtern als rassistisch und antisemitisch eingestuften Thesen Gegenthesen gegenüberzustellen. So sei der Eindruck entstanden, er selbst vertrete die rassistischen Ansichten, auf die darin Bezug genommen werde. Ein Missverständnis. Er selbst denke nämlich nicht rassistisch: "Ich weiß mich aber von diesen Vorwürfen frei", so Franco A.

Ein Doppelleben in Videos

Seine Suche nach dem "Wahrheitsgehalt" habe ihn schließlich auch auf die Idee gebracht, sich als syrischer Flüchtling auszugeben. Um sich selbst ein Bild machen zu können, von den Abläufen im System und der Situation der Flüchtlinge. Dass A. die vermeintlich "Grenzöffnung" von 2015 als - freundlich gesagt - problematisch empfand, hatte sein Verteidiger schon am ersten Verhandlungstag deutlich gemacht, als er Teile der Bundesregierung bezichtigte, mit "Schleusern" zusammenzuarbeiten.

Seine "Recherchen" hat Franco A. teils in Videos festgehalten, die an diesem Freitag teilweise gezeigt werden. Die meisten sind nur wenige Sekunden lang: Ein Menschenauflauf vor der Erstaufnahme für Geflüchtete in Gießen. Stockbetten in Massenunterkünften, eine Wochenendration Lebensmittel. Eines der Video hingegen dauert mehrere Minuten. Es zeigt Franco A. als Benjamin David.

Das Gesicht ist mit dunklem Make-up getönt, eine große Fliegerbrille ruht auf der Nase. "Ich bin jetzt plötzlich hier in Bayern gelandet", spricht Franco A. in die Kamera. Entstanden ist die Aufnahme in der Sammelunterkunft in Zirndorf. Alles sei ziemlich gut organisiert, hält er fest. An den Geflüchteten könne er kein Anzeichen von Kriegsleiden feststellen. Vieles von dem, was er sagt, ist kaum zu verstehen. Aber Franco A. hält fest, dass seine Fingerabdrücke genommen worden seien und nun einem Gesicht zugeordnet werden könnten - dem von Benjamin David.

Der Prozess wird am Dienstag, 8. Juni, fortgesetzt.

Sendung: hr-iNFO, 28.05.2021, 14 Uhr