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Audioseite Franco A. besaß insgesamt drei Schusswaffen

Franco A. am dritten Prozesstag: Mann mit braunen langen Haaren und Vollbart, er trägt ein lila Hemd und sitzt vor einem Mikrofon.

Am fünften Prozesstag hat der unter Terrorverdacht stehende Bundeswehroffizier Franco A. den zeitweisen Besitz von drei weiteren Waffen eingeräumt. Über deren Herkunft und Verbleib gab er jedoch keine Auskunft.

Es gibt einen Satz, den Franco A. an diesem fünften Prozesstag mehrfach wiederholt: "Ich weiß, dass es nicht nachvollziehbar ist." Manchmal geht er sogar noch einen Schritt weiter: "Ich halte es ja auch für abwegig". Bemerkenswerte Sätze. Denn Franco A., dem die Bundesanwaltschaft die Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Strafttat vorwirft, kommentiert damit nicht etwa die Vorwürfe gegen ihn, sondern seine eigene Aussage.

Eigentlich hatte der Bundeswehroffizier, der zeitweise ein Doppelleben als syrischer Flüchtling führte, an diesem fünften Prozesstag vor dem Frankfurter Oberlandesgericht eine überzeugende Erklärung liefern wollen, warum die Terrorvorwürfe der Bundesanwaltschaft aus seiner Sicht haltlos sind. Das Gericht hatte ihm eine solche Aussage mehrfach nahegelegt - um seiner selbst willen. Am Ende des Tages jedoch wird Franco A. zwar weitere Straftaten eingeräumt, jedoch wenig zur Aufklärung des Terrorvorwurfs beigetragen haben - geschweige denn zu seiner Entlastung.

Illegalen Waffenbesitz gestanden

Etwas überraschend gesteht Franco A. an diesem Donnerstag den zeitweisen illegalen Besitz von drei Waffen: eines G3-Sturmgewehres, eines halbautomatischen Gewehres der Marke Landmann-Preetz sowie einer Browning-Pistole. Bislang hatte sich A. zu diesem Vorwurf, der ebenfalls Bestandtteil der Anklage ist, noch nicht geäußert.

Doch außer der Tatsache, dass er sie zeitweise besessen und "teilweise" im Keller der elterlichen Wohnung in Offenbach gelagert habe, gibt Franco A. nichts über Herkunft und Verbleib der Waffen preis. Er habe sich ihrer "entledigt", erklärt der Bundeswehroffizier. Wie, verrät er nicht. Über den weiteren Verbleib wisse er nichts. "Sie bereiten sich so gewissenhaft vor, aber das Spannende wollen oder können sie nicht sagen", hält der Vorsitzende Richter Christoph Koller dem Angeklagten vor. Ein Resumée, das nicht nur auf die Aussagen bezüglich des Waffenbesitzes zutrifft.

Franco A. hält im Grunde an seiner bisherigen Version fest. Sein Doppelleben als Flüchtling habe lediglich dazu gedient, das Asylsystem der Bundesrepublik und dessen Schwachstellen zu ergründen. Hätte er einen Anschlag geplant, für den - wie es die Anklage vermutet - ein Flüchtling verantwortlich gemacht werden sollte, wäre es nicht notwendig gewesen, diese Scharade über 15 Monate aufrecht zu erhalten. Auch die von ihm in dieser Zeit angefertigten Videos sprächen "eine ganz eindeutige Sprache", betont A. Sie zeigten, dass es ihm darum ging, die Verhältnisse dokumentarisch festzuhalten.

Genug Munition für einen Anschlag

Auch für das Lagern von mutmaßlich aus Bundeswehrbeständen stammender Munition und Sprengkörpern hat Franco A. eine scheinbar passende Erklärung. Ihn habe die geopolitische Lage im Jahre 2015, das "Säbelrasseln der Weltmächte" derart beunruhigt, dass er ernsthaft mit der Möglichkeit eines Dritten Weltkrieges gerechnet habe. Zusätzlich habe er im Zuge der sogenannten Flüchtlingskrise auch einen Bürgerkrieg in Deutschland für möglich gehalten. Daraufhin habe er begonnen, Munition aber auch Vorräte für einen "Tag X", an dem die staatliche Ordnung zusammenbricht, anzulegen. Über derartige "Prepper-Themen" habe er sich auch in einer Chatgruppe "Süd", die dem sogenannten Hannibal-Netzwerk zugerechnet wird, ausgetauscht.

Franco A.s Erklärungen mögen im ersten Moment schlüssig wirken. Nachfragen halten sie jedoch nicht stand. Und das Gericht hat einige - wenn auch oft nur rhetorische. "Jemand wie Sie, der dafür ausgebildet ist, meint sich mit dem bisschen Munition in seinem Keller in Offenbach verteidigen zu können?". Die Frage des Senatsvorsitzenden Koller bedarf keiner Antwort. Ihr Aussagegehalt ist allen klar: Für eine effektive Verteidigung am "Tag X" reichten die 1.090 Schuss, die Franco A. gehortet hatte, nicht. Für einen Anschlag schon.

Unschlüssige Erklärungen

Auch die weiteren Aussagen von Franco A. sind wenig schlüssig. So gesteht er ein, im Jahre 2016 die Amadeo-Antonio-Stiftung in Berlin aufgesucht und Fotos von parkenden Autos in der Tiefgarage angefertigt zu haben. Seine Intention sei gewesen, die Vorsitzende der Stiftung, Anetta Kahane zu sprechen. Als diese nicht anwesend gewesen sei, habe er die Autos fotografiert, um "Hinweise" für eine weitere Kontaktversuche zu erhalten. Welche Hinweise das hätten sein können, kann er nicht erklären.

Ebenso wenig, warum er den Innenraum einer Toilette am Wiener Flughafen fotografierte, in der er eine weitere Pistole versteckt hatte. Beim Versuch diese im Februar 2017 wieder an sich zu nehmen, war Franco A. verhaftet worden, was die Ermittlungen gegen ihn erst in Gang gesetzt hatte. Er habe sicher gehen wollen, die Toilette im Flughafen wiederzufinden. Wie genau ihm eine Innenansicht der Toilette dabei behilflich sein sollte, bleibt unklar.

Sollte Franco A. gehofft haben, das Gericht mit seiner Einlassung von der Unhaltbarkeit des Terrorismusvorwurfs überzeugen zu können, ist ihm dies gründlich misslungen. Der Senat hat bereits angekündigt, vor einer detaillierten und langwierigen Beweisaufnahme nicht zurückzuschrecken. Der Prozess wird am Dienstag (15. Juni) fortgesetzt.

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