Collage: Polizeieinsatz in Luxor, 18-jähriger Gießener

Gegen einen 18-Jährigen aus Gießen ist Haftbefehl erlassen worden. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt wegen der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat. Ägyptische Behörden werfen dem Schüler Kontakte zur Terrormiliz IS vor.

Mehrere Wochen lang war ein 18 Jahre alter Schüler aus Gießen in Ägypten inhaftiert, am Dienstagnachmittag ist in Frankfurt gegen ihn Haftbefehl erlassen worden. Ein Haftrichter am Amtsgericht Frankfurt schickte ihn in Untersuchungshaft.

Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Frankfurt bestätigte, dass gegen den jungen Mann wegen der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat ermittelt werde. Der Verdacht ergebe sich aus den Aussagen des jungen Mannes, der Auswertung seines Laptops sowie den Hinweisen von Zeugen. Der Tatverdacht beruhe auf eigenen Erkenntnissen hiesiger Behörden, teilte die Sprecherin weiter mit. Weitere Details wurden nicht genannt.

Der junge Mann, der in Ägypten festgesetzt worden war, ist seit Montag zurück in Deutschland. Das nordafrikanische Land hatte ihn zuvor wegen mutmaßlicher Verbindungen zu Islamisten abgeschoben.

Befragung nach Rückkehr

Das Nachrichtenportal Akhbarak hatte am Montag Fotos des Gießeners bei der Sicherheitskontrolle und am Check-in am Flughafen Kairo veröffentlicht. Dem Bericht zufolge soll eine Befragung der ägyptischen Behörden gezeigt haben, dass der junge Mann an die Ideologie der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) glaube.

In dem Bericht heißt es weiter, der 18-Jährige habe Online-Verbindungen zu IS-Mitgliedern und sei nach Ägypten gekommen, um sich terroristischen Elementen im Norden der Sinai-Halbinsel anzuschließen. Die Familie des Mannes geht davon aus, dass dieser unschuldig ist.

Der Gießener Allgemeinen Zeitung und dem Spiegel zufolge kam der 18-Jährige am Montagmorgen nach vier Wochen in Haft am Frankfurter Flughafen an. Beamte hätten ihn dort in Empfang genommen und dann befragt, hieß es von der Polizei.

Der 18-Jährige wurde offenbar verhaftet.

Vater spricht von Folter

Der Vater erhob schwere Vorwürfe gegen die ägyptischen Behörden. Auf den veröffentlichten Fotos seien blaue Flecken am rechten Auge zu sehen. Sein Sohn sei gefoltert worden und leide unter körperlichen und psychischen Schmerzen.

"Ich bin mir sicher, dass mein Sohn (...) schuldfrei ist", schrieb der Vater der Nachrichtenagentur dpa nach eigenen Angaben von Kairo aus. Er war am Sonntag nach Ägypten geflogen, um sich nach dem Verbleib seines Sohnes zu erkundigen. Der Mann hatte auch eine Online-Petition zur Freilassung des 18-Jährigen gestartet. Mittlerweile haben sich daran mehr als 59.000 Unterzeichner beteiligt.

Der 18-Jährige besitzt die deutsche und die ägyptische Staatsbürgerschaft. Er galt seit Mitte Dezember, als er über Luxor in das nordafrikanische Land einreisen wollte, zunächst als verschwunden. Erst vergangene Woche hatte das Auswärtige Amt bestätigt, dass sich der Mann in Gewahrsam der ägyptischen Behörden befindet.

Bereits in der vergangenen Woche war ein 23-Jähriger aus Göttingen, der kurz nach Weihnachten bei der Einreise am Flughafen Kairo festgenommen worden war, mit einer ähnlichen Begründung abgeschoben worden.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 15.1.2019, 19.30 Uhr