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DLRG erklärt: Wie rette ich richtig?

Jeden Sommer sterben Dutzende Menschen in hessischen Flüssen und Seen. Viele Badeunfälle hätten sich nach Angaben der DLRG vermeiden lassen. Was Schwimmer und Badende beachten können.

Erst am Donnerstag ertrank ein 22-Jähriger in einem Weiher bei Driedorf (Lahn-Dill), am Freitag suchten Feuerwehr und Rettungsschwimmer der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) einen Badesee bei Mengerskirchen (Limburg-Weilburg) nach einem Vermissten ab. Solche Einsätze sind im Juni nicht ungewöhnlich. Die meisten Badeunfälle in Hessen passieren nach Statistiken der DLRG in den Sommermonaten Juni, Juli und August. Je heißer der Sommer, desto häufiger sind die Rettungsschwimmer in der Regel im Einsatz.

Im vergangenen Jahr gab es in Hessen 19 Badetote, zwei weniger als im Vorjahr. Auch deutschlandweit ging die Zahl mit 299 im Vergleich zu 378 im Jahr 2020 zurück. Die DLRG führt das allerdings auf den weniger heißen August zurück. An diesem Wochenende mit erwarteten Temperaturen bis 38 Grad ist das Risiko, dass es zu schweren Badeunfällen kommt, wieder besonders hoch.

Ursachen: Leichtsinn und Selbstüberschätzung

Häufige Ursachen für Badeunfälle seien Leichtsinn, Selbstüberschätzung und Alkoholkonsum, heißt es bei der DLRG. Auch die Schwimmfähigkeiten von Kindern würden schnell überschätzt. Ein Seepferdchen etwa bedeute nicht, dass ein Kind bereits ohne Aufsicht in einem See schwimmen sollte.

Mehr als die Hälfte der Badeunfälle würden allerdings Erwachsenen ab 50 Jahren passieren. Hier spielten auch Vorerkrankungen eine Rolle, die unterschätzt würden. Vier von fünf Badetoten sind nach Angaben von DLRG-Präsidentin Ute Vogt männlich. Die Selbstüberschätzung komme bei ihnen häufiger vor als bei Frauen, sagt sie.

Unbekannte Gewässer sind besonders gefährlich

Die wenigsten tödlichen Badeunfälle passieren nach Angaben der DLRG im Schwimmbad oder an bewachten Badestellen. Besonders unbekannte, nicht-bewachte Gewässer bergen dagegen Gefahren. Schwimmerinnen und Schwimmer sollten deshalb nie übermütig in einen See oder Teich springen.

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Badeseen in Hessen

Diese Karte des Hessischen Landesamts für Naturschutz, Umwelt und Geologie zeigt, in welchen Badeseen in Hessen Sie schwimmen dürfen. Die Wasserqualität wird in den meisten Fällen mit "ausgezeichnet" angegeben.

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Die DLRG empfiehlt, mögliche Warnhinweise zu beachten. Baggerseen würden nicht ohne Grund abgesperrt, an Schifffahrtsstraßen in Flüssen sei zudem die Strömung besonders stark und daher gefährlich. Viele Strömungen seien an der Wasseroberfläche nicht zu erkennen.

Nicht erhitzt ins Wasser springen

Ins Wasser zu springen ist auch wegen des Temperaturunterschieds riskant. Da die Gewässer selbst bei 38 Grad noch kühl sein können, kann der Kreislauf stark belastet werden, was besonders für ältere Menschen gefährlich ist. Auch Unterkühlung und Krämpfe lassen sich vermeiden, indem man langsam ins Wasser geht und den Körper so daran gewöhnt.

Zudem sollte weder mit völlig leerem, noch mit überfülltem Magen gebadet werden. Laut DLRG führt besonders das Schwimmen mit leerem Magen zu Rettungseinsätzen, weil den Betroffenen schneller die Kraft ausgeht.

Kinder nicht ohne Aufsicht ins Wasser lassen

Kleine Kinder sollten beim Baden nicht aus den Augen gelassen werden, selbst wenn sie sich nur im flachen Wasser aufhalten. Schon knietiefes Wasser kann laut DLRG im schlimmsten Fall zum Ertrinken führen. Wenn ein Kind im Wasser in Not gerät, sei das für Außenstehende mitunter schwer zu erkennen, warnt die Bundesarbeitsgemeinschaft "Mehr Sicherheit für Kinder". Kinder würden "leise" ertrinken.

Vorsicht sei auch beim heimischen Planschbecken oder Pool geboten. Eltern sollten kleinere Kinder darin nicht unbeaufsichtigt spielen lassen.

Richtig Erste Hilfe leisten

Kommt es zum Ernstfall, kann Erste Hilfe leben retten. Bei Atemstillstand sollte man sofort mit der Mund-zu-Mund-Beatmung beginnen, bei Herzstillstand sollte gleichzeitig eine Herzmassage erfolgen. Auf keinen Fall sollte versucht werden, Wasser aus Lungen oder Magen zu entfernen, rät die DLRG. Das bringe nichts und koste wertvolle Zeit.

Den besten Schutz vor dem Ertrinken hat überdies, wer sicher schwimmen kann. Hessenweit gab es im Mai rund 50.000 Kinder, die nicht richtig schwimmen gelernt haben. Durch die Corona-Pandemie sei ein regelrechter Stau an Nicht-Schwimmern entstanden, den die Schwimmvereine nun versuchen würden, aufzulösen.