In dieser Kita ereignete sich das Unglück.

Nach dem Tod eines sechsjährigen Jungen in einem Frankfurter Kindergarten deutet vieles auf einen Stromschlag hin. Fraglich ist, ob kürzlich erfolgte Bauarbeiten in dem Gebäude mit dem Unglück zusammenhängen.

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Hessenschau kompakt - 16>:45 Uhr - 01.11.2019
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"Es deutet alles auf einen Stromtod hin", sagte die Sprecherin der Frankfurter Staatsanwaltschaft, Nadja Niesen, am Freitag. Dies habe die rechtsmedizinische Untersuchung des Jungen ergeben.

Eine Restunsicherheit besteht aber weiter: Denn am Körper des Sechsjährigen seien keine äußerlichen Spuren gefunden worden, erklärte Niesen. Daher sollten die medizinischen Untersuchungen fortgesetzt werden. Wann diese abgeschlossen sind, sei unklar.

Unklarheit über heraushängende Steckdose

Der Sechsjährige war am Dienstag in einer städtischen Kita in Frankfurt-Seckbach tödlich verletzt worden. Den Angaben zufolge war die Mutter bei dem Vorfall in der Garderobe der Kita dabei, weil sie ihren Sohn gerade abholen wollte. Medien gegenüber sprach die Mutter davon, dass ihr Kind an ein Stromkabel gekommen sei, das aus einer herausgerissenen Steckdose hing.

Staatsanwältin Niesen bestätigte dem hr am Freitag zunächst, dass Untersuchungen von Sachverständigen des Landeskriminalamts ergeben hätten, dass in der Kindertagesstätte eine Steckdose aus der Wand herausragte. Ein Kabel sei lose gewesen. Ob dies erst durch die Berührung des Jungen zustande kam oder bereits vorher der Fall war, sei aber unklar. Später ruderte Niesen jedoch zurück: Es handele sich dabei um Vermutungen, "die bislang keinesfalls gesichert oder durch irgendwelche Beweise untermauert sind".

Steckdose defekt? Bildungsdezernat weist Vorwürfe zurück

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Hinweise auf tödlichen Stromschlag verdichten sich

Blumen und Kerzen erinnern an das Unglück.
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Ein Sprecher des Frankfurter Bildungsdezernats bestätigte dem hr am Freitag, dass in den Sommerferien in der Kita Bauarbeiten stattfanden. Allerdings hätten die Steckdosen und elektrischen Anlagen nach Überprüfungen "dem höchsten Standard der Kindersicherung" entsprochen und seien fest montiert gewesen.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung, wie Staatsanwältin Niesen weiter ausführte. "Es soll nun im Laufe der Verfahrens geklärt werden, ob jemand eine Sorgfaltspflicht verletzt hat." Wann die Kita wieder öffnet, will die Stadt in den kommenden Tagen entscheiden.

Unfallkasse: "Das ist unglaublich"

Die Unfallkasse Hessen (UKH) erklärte am Freitag, dass die Kita durch einen ihrer Experten am Donnerstag begutachtet worden sei. Der Präventionsbeauftragte sei vor Ort gewesen und habe sich ein Bild von der Situation gemacht, die Kita sei überprüft und als sicher freigegeben worden. Derzeit könne niemandem die Schuld an dem tödlichen Unfall zugesprochen werden. "Wann dieses Kind Kontakt mit Strom gehabt hat, ist völlig unklar", hieß es von der UKH. "So einen tödlichen Unfall in einer Kita hatten wir noch nie - das ist unglaublich."

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 01.11.2019, 16.45 Uhr