Tödlicher Zugunfall im Frankfurter Stadtteil Nied

Seit Generationen gilt der Bahnübergang in Frankfurt-Nied als zu gefährlich. Nun tötete ein Zug eine 16-Jährige, zwei Menschen wurden schwer verletzt. Eine Sonderermittlungsgruppe soll klären, wie das geschehen konnte.

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hessenschau vom 08.05.2020
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Derzeit ermittelt die Bundespolizei, wie es zu dem schweren Unfall im Frankfurter Stadtteil Nied kommen konnte. Ein durchfahrender Zug hatte am Donnerstagabend eine Fußgängerin, einen Radfahrer und ein Auto an einem stark frequentierten Bahnübergang erfasst. Die 16 Jahre alte Fußgängerin kam dabei ums Leben, der 52 Jahre alte Radfahrer und die 50-jährige Fahrerin des Autos erlitten nach Angaben der Polizei schwere Verletzungen.

Die Ermittlungen zur Unfallursache dauerten am Freitag weiter an. Laut Bundespolizei ist es aber zu früh, um genauere Angaben machen zu können. Am Montag soll eine Sonderermittlungsgruppe eingesetzt werden. Doch so viel ist bereits klar: Die Bahnschranken waren zum Zeitpunkt des Unfalls geöffnet. Ob die Signalsicherung des Zuges "rot" gezeigt hat, ist auch Gegenstand der Ermitttlungen.

Neue Schrankenwärterin seit März

Eine Schrankenwärterin sei im Dienst gewesen. Die Kollegin habe zum Zeitpunkt des Unfalls in ihrem Wärterhäuschen in unmittelbarer Nähe gesessen. Sie stehe unter Schock.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Tödliches Bahnunglück in Frankfurt

Polizeieinsatz am Bahnübergang in Frankfurt-Nied
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Über den genauen Ablauf des Geschehens gebe es derzeit noch keinerlei Erkenntnisse, bestätigte auch der Bahn-Sprecher. Die Strecke werde mindestens noch bis Montag gesperrt bleiben, die Bahnen würden über Griesheim umgeleitet.

Bahnübergang schon lange gefürchtet

Kritik an dem Bahnübergang in Nied gibt es schon seit Jahrzehnten. "Und jetzt ist aus Kostengründen ein Mensch tot", beklagte ein Nutzer auf Twitter.

@OBPeterFeldmann @DB_Bahn so jetzt ist es passiert. Die schranke in Nied hat mindestens ein Opfer gefordert. Seit 100 Jahren wird der Bevölkerung versprochen das sie verschwindet. Und jetzt ist aus Kostengründen ein Mensch tot. Vielen Dank

[zum Tweet]

Der Übergang ist Teil einer fünfspurigen Kreuzung, die stark von Autos befahren wird. Eine Turnhalle und eine Grundschule liegen in nächster Nähe. Die Schranken schließen sich alle paar Minuten, Fußgänger und Fahrradfahrer stehen dicht gedrängt, es bilden sich lange Autoschlangen. "Dass dort nicht häufiger was passiert, ist erstaunlich", erklärte eine weitere Twitter-Userin.

Pläne, den Übergang zu schließen und eine Straßenüberbrückung zu bauen, gibt es seit sage und schreibe über 100 Jahren. Bereits die Königliche Eisenbahndirektion verfolgte im Jahr 1915 entsprechende Überlegungen. Umgesetzt wurden sie bis heute nicht.

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Bahnübergänge in Hessen

Von den 1.180 Bahnübergängen in Hessen sind über 160 mit Vollschranken ausgestattet. 41 davon sind wärterbediente Anlagen. Die Schranken an diesen Bahnübergängen können dabei entweder von einem Schrankenwärter vor Ort oder einem Fahrdienstleiter im zuständigen Stellwerk bedient werden. Reine Schrankenwärter vor Ort sind inzwischen eher selten.

Bei einem wärterbedienten Bahnübergang wie in Frankfurt Nied schließt und öffnet der Schrankenwärter die Vollschranken vor Ort. Dies kann mit einer Kurbel oder elektronisch geschehen. Wird die Durchfahrt eines Zuges erwartet – diese Info bekommt der Schrankenwärter rechtzeitig über den Fahrdienstleiter im zuständigen Stellwerk – verschafft sich der Schrankenwärter zunächst einen Überblick über die Verkehrslage. Sind die Gleise am Bahnübergang geräumt, schließt er die Vollschranken. Hat der Zug den Bahnübergang passiert, öffnet der Schrankenwärter die Vollschranken wieder. (Quelle: Deutschen Bahn)

Ende der weiteren Informationen

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 8.5.2020, 16.45 Uhr

Hinweis: In einer ersten Version hatten wir unter Bezug auf einen Bahnsprecher geschrieben, die diensthabende Schrankenwärterin sei im März eingestellt worden, nachdem die Stelle öffentlich ausgeschrieben worden war. Die Bahn hat später klargestellt, dass es sich beim Inhaber der ausgeschriebenen Stelle um einen anderen Mitarbeiter handelt.