Oranges Hinweisschild "Notruf" an der S-Bahn-Station.
An der S-Bahn-Station Ostendstraße in Frankfurt hängt nur noch ein Hinweisschild auf die Notruftelefone. Bild © picture-alliance/dpa

Ein 17-Jähriger starb am Dienstag in Frankfurt beim Versuch, einen Mann aus dem S-Bahn-Gleisbett an der Ostendstraße zu retten. Nun wurde bekannt: An der Station gibt es seit zwei Jahren keine Notruftelefone mehr.

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An der Frankfurter S-Bahn-Station Ostendstraße, an der am Dienstag ein 17-Jähriger aus Hanau ums Leben kam, gab es kein Notruftelefon. Das hat die Deutsche Bahn auf Anfrage bestätigt. Bis zur Sanierung vor rund zwei Jahren hingen die Telefone aus Brandschutzgründen dort, sagte eine Bahnsprecherin.

Der 17-Jährige war am Dienstag in der unterirdischen Station ins Gleisbett gesprungen, um einen hilflosen Obdachlosen zu retten. Dabei war er von einer S-Bahn der Linie S6 in Richtung Friedberg erfasst und tödlich verletzt worden. Der betrunkene 44-Jährige, der auf den Schienen lag, wurde schwer verletzt. Ein weiterer Obdachloser, der dem 17-Jährigen zur Seite stand, konnte sich in letzter Sekunde auf den Bahnsteig retten und wurde leicht verletzt.

Im Ernstfall 112 anrufen

An der S-Bahn-Station sind nach der Entfernung der Notruftelefone noch immer auffällige orangefarbene Hinweisschilder mit der Aufschrift "SOS-Notruf" angebracht. An der entsprechenden Stelle im Tunnel fehlen allerdings die Telefone, es sind nur noch die Umrissspuren der einstigen Telefone zu sehen.

Ein Bahnsprecher sagte, angesichts der laufenden polizeilichen Ermittlungen könne sich das Unternehmen nicht zu dem Unfall äußern. "Grundsätzlich gilt, dass das Betreten von Bahnanlagen gefährlich und daher ausdrücklich verboten ist", hieß es am Donnerstag. Bei Notfällen seien daher geschulte Bahn-Mitarbeiter zu alarmieren.

Kreisendes Licht als Signal zum Anhalten

Falls kein Bahn-Mitarbeiter anwesend ist, solle per Handy der Notruf 112 angerufen werden: "Alle Rettungsstellen in Deutschland haben direkten Kontakt zur Notfallleitstelle der DB, die sofort alle betreffenden Züge stoppt."

Zudem ist in der Eisenbahnsignalordnung geregelt, dass ein kreisendes Licht das Signal für einen Lokführer zum Anhalten ist. Dies können auch Nicht-Bahnbedienstete senden, etwa mit der Taschenlampe ihres Handys. Eine Bahnsprecherin sagte dem hr, man könne sich auch ans Gleis stellen und den Lokführer durch Winken alarmieren.

Bei der U-Bahn gibt es Nothalteschalter

Die Frankfurter Verkehrsgesellschaft VGF wies am Donnerstag darauf hin, dass in allen 27 unterirdischen U-Bahnstationen Frankfurts drei Nothalteschalter pro Bahnsteig installiert seien. Dagegen werde dringend davor gewarnt, in Notfällen ins Gleisbett zu springen.

Die auffälligen roten Kästen sehen aus wie Notbremsen in den Zügen. Sie stellen das Einfahrtsignal in die Station automatisch auf Rot. Hat der Fahrer bei der Ein- oder Ausfahrt das Signal bereits passiert, wird er zudem durch ein Blinksignal aufgefordert, sofort zu bremsen.