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Vier Jahre nach tödlichem Überfall: Prozess gegen fünften Täter

Die Täter lauerten den Opfern im Flur des Hauses in Frankfurt-Griesheim auf.

Im Oktober 2017 überfielen mehrere Männer ein Ehepaar in Frankfurt - mit hoher Brutalität. Vier Täter wurden zu langen Haftstrafen verurteilt, ein zunächst flüchtiger und dann ausgelieferter Verdächtiger steht nun vor Gericht. Er sagt, er sei schockiert geflohen.

Vier Jahre nach dem tödlichen Überfall auf ein Frankfurter Ehepaar hat vor dem Landgericht der Prozess gegen einen fünften Verdächtigen begonnen. Der 32-jährige Moldawier war nach der Tat geflüchtet und später von Russland ausgeliefert worden.

Anklage wegen Mord und versuchtem Mord

Zum Auftakt des Mordprozesses hat der Angeklagte den Großteil der ihm vorgeworfenen Taten bestritten. Sein Mandant sei bei dem Überfall im Oktober 2017 zwar dabei gewesen, sagte sein Rechtsanwalt am Mittwoch. Doch angesichts der Brutalität der anderen Täter sei er schon kurz nach Beginn des Überfalls geflüchtet.

Die Männer hatten das Ehepaar vor dessen Haus im Frankfurter Stadtteil Griesheim aufgelauert. Sie drängten die beiden sich heftig wehrenden 78-Jährigen ins Haus und schlugen und traten nach Überzeugung des Richters massiv auf sie ein. Danach fesselten die Männer die schwer verletzten Opfer. Die Anklagevertretung hatte in ihrem Plädoyer daher auf die Brutalität der Tat hingewiesen. Selbst langjährige Kriminalbeamte hätten so etwas noch nicht erlebt.

"Er war schockiert über das, was er sah"

Verabredet gewesen sei, die beiden älteren Menschen zu fesseln und dann ihr Haus zu durchsuchen, von einem solch brutalen Vorgehen sei nie die Rede gewesen, sagte nun der Rechtsanwalt des 32-Jährigen. "Er war schockiert über das, was er sah, und wusste nicht, was er tun sollte." Den Tod des überfallenen Mannes bedauere der Angeklagte "außerordentlich".

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 32-Jährigen unter anderem Mord und versuchten Mord vor. Der 78 Jahre alte überfallene Mann war einen Tag nach dem Überfall gestorben, seine gleichaltrige Ehefrau überlebte schwer verletzt.

Trotz ihrer Fesselung und mehrerer Knochenbrüche konnte sie sich geknebelt und blutüberströmt zur Tür bewegen, um der Polizei zu öffnen. Die Beamten nahmen drei der Täter noch im Haus fest. Diese sind bereits zu Freiheitsstrafen zwischen fünf und zwölf Jahren verurteilt worden. 

Haupttäter verrät flüchtigen Mittäter

Der damals 27 Jahre alte Haupttäter entging daraufhin der lebenslangen Haft, die bei Mord eigentlich zwingend ist, nur dank seiner Kooperation mit den Behörden. Er nannte der Polizei den Namen eines der flüchtigen Täter. Einem fünften Mann, der Schmiere stand, kamen die Behörden ebenfalls auf die Spur.

Der nun Angeklagte war seinen eigenen Angaben zufolge zwei Wochen nach der Tat nach Moldawien geflüchtet. Im August 2021 wurde er in Russland festgenommen und nach Deutschland ausgeliefert, seitdem sitzt er in Untersuchungshaft.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass er bei der Tat erst kurz vor Eintreffen der Polizei geflüchtet war und auch selbst den Schmuckhändler malträtiert hatte. So soll er dem alten Mann etwa den Ellenbogen gegen den Hals gedrückt und ihn in den Schwitzkasten genommen haben. Der Prozess soll bis März laufen.

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