Zwei Bilder in Kombination: 1. Unfallort auf A66 2. Portrait des gesuchten Rasers

Nach dem Autorennen mit tödlichem Ausgang auf der A66 fahnden Polizei und Staatsanwaltschaft weiterhin öffentlich nach einem der Raser. Bei der Polizei gingen inzwischen zahlreiche Hinweise ein.

Die Öffentlichkeitsfahndung nach dem flüchtigen dritten Raser hat nach Angaben der Polizei zu zahlreichen Hinweisen geführt. Eine Festnahme habe es bislang aber nicht gegeben, sagte ein Sprecher am Dienstag.

Bei dem Gesuchten handle es sich um den 34-jährigen Deutsch-Polen Ramsy A. Er sei der Fahrer des in Hofheim sichergestellten Lamborghini. Das Auto soll in Dubai zugelassen sein. Der Fahrer habe keinen festen Wohnsitz. Die Polizei veröffentlichte am Montag auch ein Foto des Verdächtigen.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Haftbefehl gegen Raser wegen Mordes

Zwei völlig ausgebrannte Autos liegen auf der Fahrbahn. Sie sind von Löschschaum bedeckt. Feuerwehrleute stehen daneben.
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Zuvor hatte die Staatsanwaltschaft Haftbefehl gegen alle drei mutmaßlich an dem Rennen beteiligten Männer beantragt. Er lautet auf Mord aus niedrigen Beweggründen mit gemeingefährlichen Mitteln. Die drei Verdächtigen sollen am Samstag bei Hofheim über die A66 gerast sein. Alle drei hätten den tödlichen Unfall zumindest billigend in Kauf genommen, "wenn man mit solchen Autos mit so großer Geschwindigkeit fährt", sagte Oberstaatsanwältin Nadja Niesen.

Unfallopfer ist vermutlich eine 71 Jahre alte Frau

Nach hr-Informationen geht die Polizei inzwischen davon aus, dass es sich bei der verstorbenen Frau um eine 71-Jährige handeln dürfte. Die Auswertung von DNA-Spuren laufe derzeit aber noch. Das Brandgeschehen sei so immens gewesen, dass ein solcher DNA-Test notwendig ist.

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zum Video Handyvideo des mutmaßlichen Rennens auf der A66

Handyvideo zeigt Sportwagen-Rennen auf A66
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Der 29 Jahre alte Fahrer, der mit seinem Lamborghini in die Mittelleitplanke und anschließend in das Auto des unbeteiligten Frau gekracht war, war zunächst mit leichten Verletzungen in eine Klinik gekommen. Laut Staatsanwaltschaft hatte er beim Überholen mit Tempo 200 die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren. Ein 26 Jahre alter Porsche-Fahrer aus Nordrhein-Westfalen hatte sich am Samstag der Polizei gestellt. Beide wurden am Sonntag dem Haftrichter vorgeführt und sitzen in Untersuchungshaft.

Bis zu zehn Jahre Haft für illegale Straßenrennen

Innenminister Peter Beuth (CDU) sprach sich für harte Strafen gegen die Raser aus. Der Rechtsrahmen müsse ausgeschöpft werden, auch um potenzielle Nachahmer abzuschrecken, sagte er der FAZ. "Wer so egoistisch und rücksichtslos das Leben seiner Mitmenschen gefährdet, hat nichts hinter dem Lenkrad eines Sportwagens zu suchen, sondern gehört hinter Schloss und Riegel."

Vor drei Jahren wurden illegale Autorennen noch als Ordnungswidrigkeit bestraft - sofern es zu keinem Unfall kam. Doch nachdem 2016 in Berlin ein unbeteiligter 69-Jähriger ums Leben kam, reagierte der Bundestag. Er verabschiedete im Oktober 2017 ein Gesetz zur Ahndung illegaler Straßenrennen und schuf einen neuen Straftatbestand. Demnach droht eine Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren, wenn dabei ein Mensch ums Leben kommt.

BGH zog schon Mord in Betracht

Der Bundesgerichtshof habe in vergleichbaren Fällen schon Mord in Betracht gezogen, sagte der Frankfurter Verkehrsrechtsanwalt Thomas Schad zu hessenschau.de. Für eine Bewertung im konkreten Fall sei es noch zu früh, betonte er. Generell komme es auf die Beweggründe des Fahrers an.

Zu berücksichtigen sei etwa, dass der Raser das Auto der unbeteiligten Frau nicht direkt angefahren, sondern erst in die Mittelleitplanke gefahren sei. Außerdem komme es unter anderem darauf an, ob Raser allein im Auto sitzen oder noch das Leben eines oder mehrerer Beifahrer riskierten.

Sendung: hr-iNFO, 12.10.2020, 12 Uhr