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2021 wurden 72 Tonnen Munition entschärft

Fliegerbomben, Granaten, Patronen: 76 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wird in Hessen immer wieder tonnenweise Munition gefunden – auch wenn die Experten in diesem Jahr gar nicht so genau hinschauen wollten.

Von Januar bis Ende November sind in diesem Jahr rund 72 Tonnen Munition entschärft worden. Diese stammt vorrangig aus dem Zweiten Weltkrieg, wie ein Sprecher des zuständigen Regierungspräsidiums Darmstadt in einer vorläufigen Bilanz erklärte. Die Behörde ist für die Kampfmittelentsorgung in Hessen zuständig.

In den beiden zurückliegenden Jahren wurde weniger Munition gefunden als sonst: 2020 wurden insgesamt rund 100 Tonnen Granaten oder Bomben unschädlich gemacht. 2019 waren es noch 130 Tonnen.

Wegen Corona: Keine Bombensuche neben Krankenhäusern

Der Grund ist - wie so oft in diesen Zeiten - Corona. Denn pandemiebedingt gab es in den vergangenen beiden Jahren seitens des Landes nur halb so viele Ausschreibungen zur Kampfmittelräumung. Wer weniger sucht, der findet bekanntlich auch weniger.

Bis Juli galt zudem eine Weisung des Innenministeriums, wonach selbst verdächtige Orte nicht immer sofort untersucht werden sollten - insbesondere das Umfeld von Krankenhäusern. Ein Bombenfund könnte umfangreiche Evakuierungen von besonders gefährdeten Patienten auf Intensivstationen nach sich ziehen, hieß es in der Anweisung. Das sei bei der derzeit bestehenden Sicherheitslage "unbedingt zu vermeiden".

Spektakuläre Sprengungen in Frankfurt

Gefunden wurden die Geschosse daher auf den ohnehin bekannten Räumstellen, bei Bauarbeiten oder schlicht zufällig. Einen solchen Zufallsfund machte zum Beispiel ein Mann in Wiesbaden: Während eines Spaziergangs entdeckte er im April zwei Stabbrandbomben.

Ein meterbreiter Krater entstand bei der Sprengung am Fundort der Bombe.

Im Frankfurter Nordend stand im Juni eine große Evakuierungsaktion an: Rund 25.000 Menschen mussten den Stadtteil verlassen, nachdem Bauarbeiter auf eine 500 Kilogramm schwere Weltkriegsbombe gestoßen waren. Entschärfen ließ sich der Koloss nicht. Stattdessen wurde kontrolliert gesprengt - zurück blieb ein Riesensandkasten mit drei Meter tiefem Krater.

Erinnern dürften sich die Frankfurter auch an eine spektakuläre Sprengung im Wasser: Im Jahr 2019 hatten Taucher einen 250-Kilo-Blindgänger an der Alten Brücke im Main entdeckt, der noch jede Menge Sprengkraft besaß und für eine riesige Wasserfontäne sorgte.

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Sprengung der Bombe im Main (2019)

bombensprengung main frankfurt
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Zuletzt wurden Mitte November zwei Weltkriegsbomben in Petersberg (Fulda) entschärft. Insgesamt gab es in diesem Jahr laut Regierungspräsidium 21 Bombenfunde in Hessen. Acht Experten seien derzeit für die Entschärfungen und Sprengungen zuständig.

Die größte Evakuierungsaktion der deutschen Geschichte fand ebenfalls in Frankfurt statt, im Jahr 2017. Damals war eine 1,8 Tonnen schwere Weltkriegsbombe auf dem Uni-Campus Westend entdeckt worden. 60.000 Menschen mussten ihre Häuser verlassen, auch der Hessische Rundfunk lag in dem betroffenen Gebiet.

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