Bundeswehr-Soldat

Der aus der AfD ausgeschlossene nordhessische Neonazi Christian Wenzel stand nach hr-Informationen bis vor Kurzem noch im Dienst der Bundeswehr. Linken-Politiker Schaus spricht von einem "Totalversagen" des Militärischen Abschirmdiensts der Bundeswehr (MAD).

Vor wenigen Tagen war bekannt geworden, dass der bekannte nordhessische Neonazi Christian Wenzel auf der AfD-Kandidatenliste für die Kommunalwahl im Kreis Kassel steht. Die Partei reagierte schließlich und warf den Kandidaten aus der Partei. hr-Recherchen zeigen nun, dass Wenzel auch bei der Bundeswehr bis vor Kurzem noch im Einsatz war. Demnach half er noch im Januar 2021 als Reservist seines Panzergrenadierbataillon bei der Corona-Kontaktnachverfolgung im Gesundheitsamt Pasewalk in Mecklenburg-Vorpommern aus.

Beim Militärischen Abschirmdienst der Bundeswehr (MAD) fiel Wenzel augenscheinlich durchs Raster. Erst die Berichterstattung über seine AfD-Kandidatur änderte das. Aus Bundeswehrkreisen heißt es, Wenzel habe nach den Berichten seinen Dienstrang als Oberstabsgefreiter verloren und sei aus dem Dienst entfernt worden, weil er eine Gefahr für die militärische Ordnung und Sicherheit der Truppe darstelle.

Schaus: Totalversagen des MAD

Hermann Schaus, der für die Linkspartei im hessischen Landtag sitzt, meint: "Herr Wenzel ist seit mindestens 25 Jahren bekannt als Rechtsextremist, und das ist dem MAD nicht aufgefallen? Das ist unglaublich. Eigentlich ein Totalversagen des Nachrichtendienstes." Auf Anfrage wollte sich das Bundesverteidigungsministerium aus Datenschutzgründen nicht zu dem Fall äußern.

Christian Wenzel engagierte sich zur Jahrtausendwende nicht nur für das mittlerweile verbotene rechtsextreme Netzwerk "Blood and Honour", sondern gründete Ende der neunziger Jahre auch die "Kameradschaft Kassel" und pflegte Kontakte zur thüringischen Neonazi-Szene. Das alles ist im Bericht der Linken-Fraktion zum NSU-Untersuchungsausschuss im Landtag nachzulesen, vor dem Wenzel als Zeuge aussagte.

Dort bestätigte er auch, dass er nach wie vor einer rechten Ideologie anhänge. 2015 teilte Wenzel auf Facebook ein Bild mit Ursula Haverbeck, das "Freiheit" für die Holocaust-Leugnerin forderte, daneben finden sich weitere antisemitische Inhalte. Mit Stephan Ernst, dem Mörder des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke, ist Christian Wenzel seit vielen Jahren bekannt. Wenzel schrieb während der Untersuchungshaft einen Brief an ihn, in dem er sich mit dem beschuldigten Freund solidarisierte. In einem weiteren Posting auf Facebook zeigt sich Wenzel von der Unschuld von Ernst überzeugt und beklagte seine Inhaftierung: "Weich kochen wollen Sie ihn, damit er was gesteht, was er nicht war."

Reservistenverband zeigt sich besorgt

Den Fall Wenzel hat auch die hessischen Reservisten aufgeschreckt: "Wir dulden keine Kameraden und Kameradinnen, die gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung in Deutschland sind", sagt Christian Keimer, der Vorsitzende des Hessischen Reservistenverbandes.

Rechtsextreme Soldaten in der Bundeswehr hatten, wie im Fall des nun angeklagten ehemaligen Oberleutnants Franco A., immer wieder Schlagzeilen gemacht. Franco A. hatte sich Ende 2015 in der Erstaufnahmeeinrichtung in Gießen unter falschem Namen als Flüchtling ausgegeben. Die Ermittler gehen davon aus, dass er plante, eine Gewalttat zu verüben und den Verdacht anschließend auf Flüchtlinge zu lenken.