Ein Mitarbeiter steht am menschenleeren Pool in Teneriffa

Sie sollen ihre Hotelzimmer nicht verlassen und bangen um die Heimreise: Zahlreiche Touristen hängen derzeit wegen des Coronavirus ungewollt an ihren Urlaubsorten fest. Pauschalreisende sind dabei im Vorteil.

Wer noch zu Hause ist, soll wegen Corona jeden Urlaub absagen. Aber was ist mit denen, die an ihrem Urlaubsort festhängen? Tausende Flüge wurden gestrichen. Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) hat nun eine Rückholaktion für tausende deutscher Urlauber gestartet, die wegen Reisebeschränkungen in der Corona-Krise im Ausland festsitzen. Er kündigte am Dienstag in Berlin an, bis zu 50 Millionen Euro dafür zur Verfügung zu stellen. 

Bei der Rückreise deutscher Touristen sind derzeit viele Fragen offen, Pauschalreisende können immerhin auf Hilfe ihrer Veranstalter hoffen.

Zahlreiche Reisende können nicht zurück oder weiter reisen

"Wir arbeiten derzeit mit Hochdruck daran, alle Urlauber wieder zuverlässig nach Hause zu bringen", sagt etwa Marek Andryszak, Vorsitzender der Tui Deutschland Geschäftsführung, am Montag der Deutschen Presse Agentur. Viele Rückflüge würden regulär durchgeführt. Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) verspricht zudem, der Flughafen Frankfurt als internationales Drehkreuz bleibe offen.

Ganz so einfach scheint sich die Situation in der Realität aber nicht darzustellen. Das Auswärtige Amt stellt klar: Bei einer Quarantänemaßnahme im Ausland sollen Touristen nicht mit einer Rückholung durch den Veranstalter oder die Bundesregierung rechnen, sondern sich an die Auflagen der Behörden vor Ort halten. Zahlreiche Reisende in verschiedenen Ländern würden durch Corona-Maßnahmen derzeit an der Weiter- oder Rückreise gehindert, heißt es vom Auswärtigen Amt - Zahlen wurden nicht veröffentlicht.

Kasseler Touristen auf Teneriffa - Warten auf einen Anruf

Vor Ort herrscht bei Touristen Ratlosigkeit. Leona Eistel und Lukas Will aus Kassel sind in einer Hotelanlage auf Teneriffa gestrandet. Der Rückflug zum Flughafen Kassel Calden soll am kommenden Mittwoch sein, ob er stattfindet, wissen sie nicht. "Wir müssen weiter auf einen Anruf warten", sagt Leona. Letzter Stand: Es könnte klappen.

Kasseler Touristen in Hotelanlage auf Teneriffa

Einen Vorteil haben die beiden: Die Ansprechpartnerin ihres Reiseveranstalters ist auch auf Teneriffa und versucht, den Rückflug zu organisieren. Individualreisende stehen vor der Herausforderung, ihre Rückreise selbst organisieren zu müssen.

Seit Sonntag blicken die beiden Kasseler auf einen leer geräumten Außenbereich, der Pool kann nicht mehr genutzt werden, bis auf das Restaurant ist in der Hotelanlage alles verschlossen. Am Montag fuhr ein Polizeiauto durch den Ort, über Lautsprecher wurde in verschiedenen Sprachen verkündet, dass die Touristen Hausarrest haben.

Polizeiautos verkünden Hausarrest über Lautsprecher

Informationsblätter der kanarischen Behörden werden durch den Türspalt des Zimmers geschoben. "Bleiben Sie in Ihren Zimmern", steht auf dem Erlass, von anderen Touristen soll ein Meter Abstand gehalten werden - auch im Restaurant. Das Meer können die beiden Kasseler nur noch vom Balkon aus sehen. "Wir spielen Karten, gucken Serien und Nachrichten über Kassel", sagt Lukas Will.

Ähnlich geht es Karl-Peter Scheu aus Bad Wildungen (Waldeck-Frankenberg). Der Rentner verbringt jeden Winter mit seiner Frau auf Teneriffa, am 1. April wollten sie mit Sundair zurück zum Kassel-Airport. Er habe schon alle Wege der Kontaktaufnahme versucht, sagt Scheu, bei Sundair angerufen, gemailt, dem Flughafen geschrieben - keine Reaktion. Im Notfall müsse er auf Teneriffa bleiben: Die Bundesliga sei sowieso ausgesetzt, als Dauerkarten-Inhaber bei Eintracht Frankfurt sei es also nicht ganz so dringend nach Hessen zu kommen, sagt er sarkastisch.

Schwierige Rückreise aus Türkei, Marokko, Indonesien und Philippinen

Aber auch die großen Airlines stehen vor Problemen, auf der Lufthansa-Internetseite heißt es, das Service-Center sei stark ausgelastet, es sollen nur Reisende Kontakt aufnehmen, deren Flug in den kommenden drei Tagen stattfindet. Condor schickt in diesen Tagen noch Flugzeuge in die Zielgebiete, um Urlauber zurückzuholen. "In die Türkei fliegen wir leer hin, um die Menschen nach Hause zu holen", sagte eine Condor-Sprecherin.

Nach Angaben des Auswärtigen Amtes haben Bundesbürger vor allem in der Türkei, Marokko, Indonesien und den Philippinen Schwierigkeiten, nach Deutschland zurückzukehren. Man sei mit Fluggesellschaften und Reiseveranstaltern in intensiven Gesprächen, "um möglichst pragmatische und möglichst schnelle Lösungen" für eine Ausreise zu finden, sagte eine Sprecherin. In den vergangenen Tagen hatten immer mehr Länder Flugverbindungen gekappt und Grenzen weitgehend geschlossen. Deswegen rät das Auswärtige Amt seit Sonntag grundsätzlich von Reisen ins Ausland ab - ein beispielloser Vorgang.

Hinzu kommt, dass sich einige Rückkehrer in Deutschland auf besondere Maßnahmen und Befragungen bei der Einreise einstellen müssen. Im Zweifel kann auch eine 14-tägige Quarantäne notwendig werden, je nach Reiseort. Das Robert Koch-Institut aktualisert laufend die Liste der Risikogebiete im Aus- und Inland.