Denise Wagner an der Angel

Die Zahl der Angelinteressierten ist im vergangenen Jahr explodiert - eine Folge von Corona. Auch immer mehr Frauen entdecken den Fischfang für sich - so wie die 28-jährige Denise Wagner aus Glauburg. Hier erklärt sie die Faszination.

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Wenn Denise Wagner mit ihrer Angel am Wasser steht, ist sie rundum zufrieden. "Abschalten können, die Ruhe genießen", das ist es, was die 28-Jährige an ihrem neuen Hobby fasziniert. Vor wenigen Wochen erst hat sie ihre Prüfung abgelegt. Die junge Frau aus Glauburg (Wetterau) ist jetzt stolze Besitzerin eines Fischereischeins - und liegt damit absolut im Trend.

Frauenanteil verdoppelt

Rund 500 Frauen haben im vergangenen Jahr in Hessen ihren Angelschein, wie der Fischereischein im Volksmund heißt, gemacht. Petri-Jüngerinnen musste man früher lange suchen. Mittlerweile ist der Frauenanteil in der einstigen Männerdomäne immerhin schon zweistellig. Hubertus Massong vom Onlinekurs-Anbieter "Fishing-King" gibt die derzeitige Quote mit 14 Prozent an und spricht dabei von einer Verdoppelung in den vergangenen beiden Jahren. In den Sozialen Medien haben viele Anglerinnen schon ihren eigenen Kanal.

Denise kam durch ihren Freund Andreas zum Angeln. Der 32-Jährige ist selbst erst seit zwei Jahren dabei und begeistert. Im Urlaub an der Müritz wurde Denise klar: Das wäre auch etwas für mich. Andreas meldete seine Freundin einfach mal an. "Das wusste ich nicht, das hat er mir quasi als Überraschung gesagt."

"Man weiß, was man isst"

Eine Überraschung, über die sie sich bis heute freut. "Es ist vieles, was mich am Angeln fasziniert: die ganzen Fischarten kennenzulernen, rumzukommen, verschiedene Gewässer zu sehen." Aber auch die sportliche Anforderung reizt sie. Etwa, wenn sie entscheiden muss, welche Rute für die jeweilige Angelsituation gerade die geeignetste ist.

Einen Fisch zu töten, habe sie beim ersten Mal schon Überwindung gekostet, gibt die Mittelhessin zu. "Aber man weiß dann auch, was man isst. Man hat es selbst gefangen und im besten Fall selbst zubereitet." Das sei eben schon etwas anderes als Ware aus der Supermarkt-Truhe.

Mehr Angelscheine seit Corona

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hessenschau vom 11.07.2021
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Auch Männer lassen sich zunehmend vom Angelvirus infizieren. Im ersten Corona-Jahr 2020 ist die Zahl der ausgegebenen Angelscheine in Hessen geradezu explodiert, wie der Geschäftsführer des Verbands Hessischer Fischer, Adrian Zentgraf, berichtet. Rund 4.000 Angelinteressierte hätten im vergangenen Jahr ihre Prüfung abgelegt. Davor seien es nur etwa 1.800 bis 2.200 pro Jahr gewesen.

Zurück zur Natur - ein Trend, der seit Corona zunimmt. Zwar sei ein wachsendes Bewusstsein für eine nachhaltige Ernährung schon länger zu beobachten, sagt Zentgraf. "Man hat aber gemerkt, dass das durch Corona nochmal deutlich angeheizt wurde." Dass immer mehr Frauen den Angelsport ausüben wollen, findet der Fischer "sehr erfreulich".

Angeln sei ein guter Ausgleich zur Arbeit, erklärt Zentgraf. Durch das Home-Office seien viele Menschen kaum noch aus den eigenen vier Wänden herausgekommen. Außerdem waren manche Hobby-Aktivitäten wegen der Kontaktbeschränkungen gar nicht möglich. Angeln dagegen geht auch allein.

Gemeinsames Hobby stärkt die Beziehung

Oder zu zweit. Auf ihre Beziehung habe sich das nun gemeinsame Hobby durchaus positiv ausgewirkt, sagt Denise. Abends nochmal raus an den Teich, sich die Zeit nehmen und gemeinsam die Natur genießen. "Das ist natürlich schon schön." Konkurrenzdenken nach dem Motto: 'Wer fängt mehr?' gebe es dabei nicht.

Wer in Hessen angeln will, benötigt einen Fischereischein. Ein Lehrgang vermittelt das nötige Fachwissen, etwa in Fisch-, Gewässer- und Gesetzeskunde. Das ist mittlerweile auch online möglich, mindestens ein Praxistag ist jedoch verpflichtend. Schließlich muss man ja auch wissen, wie ein Fisch tierschutzgerecht zu töten ist.

Prüfungstermine sind schwer zu bekommen

Wer den Lehrgang erfolgreich durchlaufen hat, kann sich zur Prüfung anmelden. Doch da ist inzwischen Geduld gefragt. Wegen der großen Nachfrage und der Corona-Einschränkungen werden die Wartelisten immer länger. Die Prüfungstermine bei den Fischereibehörden sind rar gesät. Für den Angelschein muss man alles in allem mit Kosten von 250 bis 300 Euro rechnen. Dazu kommt die Angelausrüstung.

Denise hat ihre Prüfung im Saarland abgelegt. Das ist ebenfalls möglich, außerdem wird dort häufiger geprüft. Dass sie jetzt angelt, haben Freunde und Familie positiv aufgenommen. "Die haben sich für mich gefreut, als ich die Prüfung bestanden habe." Die 28-Jährige würde es begrüßen, wenn noch mehr junge Frauen ihrem Beispiel folgen.