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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Rentner legt Betrügern sein gesamtes Vermögen vor die Haustür

Mann am Telefon

Schmuck, Bargeld, Wertpapiere und Goldbarren im Wert von insgesamt 700.000 Euro hat ein Mann aus der Wetterau an falsche Polizisten verloren. Der Mann legte den Betrügern sein gesamtes Vermögen vor die Haustür.

Die einen feiern am 6. Januar den Dreikönigstag, ein Rentner aus dem Wetteraukreis wird diesen Tag für den Rest seines Lebens verteufeln. Statt der Weisen aus dem Morgenland erschien ihm zum Beginn dieses Jahres eine kriminelle Bande. Und statt Geschenke mitzubringen, zogen die falschen Polizisten ihm sämtliches Vermögen aus der Tasche, das der Senior jemals angespart hatte.

Die Friedberger Polizei, die den Fall am Dienstag öffentlich machte, zeigte sich in einer Mitteilung fassungslos angesichts des Betrugsfalls, der sich über mehrere Tage hinzog und den Rentner letztlich rund 700.000 Euro kostete.

Betrüger lassen am Telefon nicht locker

Alles beginnt am Abend des 6. Januar mit einem Anruf bei dem Mann, den die Polizeipressestelle der Einfachheit halber Herr Schmidt tauft. Ein angeblicher Oberkommissar Steinmeier vom Landeskriminalamt stellt sich vor und präsentiert dem gutgläubigen Rentner eine Räuberpistole, in deren Zentrum eine erdachte Diebesbande steht. Drei der Diebe seien demnach der Polizei ins Netz gegangen, drei weitere noch auf freiem Fuß.

Bei den drei Festgenommenen habe die Polizei ein Notizbuch mit persönlichen Daten von Herrn Schmidt gefunden, erklärt der falsche Kommissar. Die Botschaft: Man hat es auf den Rentner abgesehen. Herr Schmidt, der nach Angaben der richtigen Polizei bereits vor einigen Jahren Opfer eines Einbruchs geworden ist, vertraut dem Anrufer, der sich in den folgenden Stunden und Tagen diverse Male bei ihm melden wird.

Nach und nach gewinnt der Anrufer das Vertrauen des Seniors, auch andere vermeintliche Ermittler von LKA, Polizei und Staatsanwaltschaft melden sich. So gibt Herr Schmidt am 8. Januar trotz bestehender Zweifel nach, fährt zur Bank und räumt sein Schließfach leer. Den gesamten Inhalt - Schmuck, Uhren, Bargeld und Dokumente im Gesamtwert von einer Viertelmillion Euro - deponiert er auf Anweisung der Anrufer vor seiner Haustür. Dort verschwinden sie kurz darauf.

Goldbarren im Wert von 450.000 Euro

Nur einen Tag später investiert der Rentner sein restliches Vermögen im Wert von 450.000 Euro in Gold. Auch das haben ihm die Anrufer empfohlen, um es vor der flüchtigen Diebesbande zu sichern. Knapp eine Woche später wird ihm das Gold nach Hause geliefert, wieder legt er es auf Druck des vermeintlichen Oberkommissars vor seine Haustür. Weitere Anrufe sollen folgen, erklärt dieser. Natürlich läutet das Telefon von da an nicht mehr. Erst am 20. Januar verständigt Herr Schmidt seinen Anwalt, der sofort zur Polizei geht.

Die Betrüger hätten das Vertrauen und die Angst des Rentners schamlos ausgenutzt, erklärt die Friedberger Polizei und warnte Bürger ausdrücklich vor derartigen Maschen. Die Chance, dass der Betrogene auch nur einen Cent von seinem Vermögen wiedersehe, sei äußerst gering.

Falsche Polizisten haben immer wieder Erfolg

Die Heiligen Drei Könige tauchten in der ursprünglichen Weihnachtsgeschichte des Matthäusevangeliums übrigens gar nicht auf. Sie wurden erst später dazugedichtet, heißt es. Man könnte fast meinen, es handelt sich um den ältesten Betrug der Menschheitsgeschichte.

Ähnliches sagt die Friedberger Polizei auch zur Masche mit den falschen Polizisten: Ein alter Hut sei diese mittlerweile, "doch die Betrüger haben mit dieser Masche immer und immer wieder Erfolg".

In Hessen prellten falsche Polizisten erst an Weihnachten einen 80-jährigen Hofheimer um 80.000 Euro. In Gießen wurde eine 75-Jährige im Oktober um 100.000 Euro gebracht.

Sendung: hr4, 21.01.2020, 18.30 Uhr