Eingang zur Intensivstation im Frankfurter Uniklinikum

Volle Intensivstationen, zu wenig Beatmungsgeräte, erschöpftes Personal – die Bilder aus Italien machen vielen Angst. Doch in Hessen sind die Kliniken von solchen Zuständen noch weit entfernt. Derzeit stehen viele Intensivbetten leer.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Noch viele freie Betten auf Hessens Intensivstationen

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Dass Hessen jetzt 14 schwerstkranke Corona-Patienten aus Italien und Frankreich aufnimmt, wird manche Klinik gerne hören. Denn vielerorts sind noch viele Intensivbetten frei. Erst am Mittwoch forderte genau das der Landrat des Kreises Hersfeld-Rotenburg, Manfred Koch: Auch ausländische Patienten hier zu versorgen. Von den 60 Intensivbetten in seinem Kreis stünden viele leer.

So geht es auch anderen Städten und Kreisen in Hessen. Allein von den 460 Intensivbetten in Frankfurt ist laut Gesundheitsamt derzeit nur die Hälfte belegt. Patienten mit Covid-19 sind in den Intensivstationen noch die Minderheit. In Frankfurt waren es gestern 20, Verdachtsfälle eingeschlossen, und 14 von ihnen mussten beatmet werden.

Noch viel Platz in Offenbacher Kliniken

Das gleiche Bild im Main-Kinzig-Kreis: Dort war am Mittwoch von den 80 Intensivbetten nur jedes vierte belegt, fünf Patienten lagen wegen Covid-19 dort. In Stadt und Kreis Kassel gibt es derzeit vier schwerstkranke Corona-Patienten, in Offenbach gar keinen. Daher sind in den Offenbacher Kliniken derzeit rund 40 Intensivbetten frei.

Laut Frankfurter Gesundheitsamt gibt es derzeit sogar mehr freie Intensiv-Kapazitäten als vor der Corona-Krise. Denn die Kliniken hätten, soweit medizinisch vertretbar, Patienten entlassen oder auf andere Stationen verlegt. Zudem seien neue Plätze geschaffen worden.

Zahl der Corona-Infizierten steigt stark an

Ein weiterer Faktor: Die diesjährige Grippe-Welle – wegen Corona kaum beachtet – ist zuletzt abgeebbt. Dabei verzeichnete das Land Hessen in diesem Jahr rund 8.000 Fälle von Influenza – vier Mal mehr als Corona bislang. Noch vor einer Woche gab etwa die Uniklinik Gießen-Marburg an, mehr Grippe- als Corona-Patienten intensivmedizinisch zu behandeln.

Wie lang die Intensivstationen von diesem Puffer zehren können, ist allerdings ungewiss. In Frankfurt etwa könnten die Betten, wenn die Ausbreitung des Virus weitergeht wie bisher, in zwei bis drei Wochen voll sein. Denn im Moment legt das Virus ein hohes Tempo vor: Etwa alle vier Tage verdoppelt sich die Zahl der Infizierten in Hessen.

Sendung: hr-iNFO, 26.3.2020, 17.00 Uhr