Gäste sitzen während einer Veranstaltung der Genusswochen im Innenhof des Fuldaer Stadtschlossses.

Das Wehklagen von Handel, Gastronomie und Kultur war laut in den Hochphasen der Corona-Pandemie. Die Stadt Fulda hat Lehren gezogen und verschafft ihrer City eine sommerliche Frischzellenkur. Bislang offenbar mit Erfolg. Aber wie geht es im Herbst weiter?

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Corona bestimmt den Pulsschlag in Hessens Innenstädten. Das gewohnte Leben wurde und wird aus dem Takt gebracht. Kultur, Gastro, Shopping - einige Bereiche des öffentlichen Lebens litten und leiden unter der Pandemie, sind betroffen von Lockdowns und Corona-Regeln.

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hessenschau auf Sommertour

Wie können die Folgen der Corona-Pandemie abgemildert werden? Dieser Frage geht die hessenschau in ihrer Sommertour nach. Am Freitag berichtet sie ab 19.30 Uhr aus Fulda.

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Viele Kommunen suchen einen Ausweg und versuchen sich an einer Belebung der Innenstädte. Die Stadt Fulda hat sich in Kooperationen mit Partnern ein Sommer-Programm einfallen lassen, um der Pandemie zu trotzen.

"Verzweiflung war groß"

"Die Verzweiflung war groß, etwa in Handel und Gastro. Im Tourismus gab es zeitweise mehr Stornierungen als Buchungen. Da mussten wir alle zusammen etwas unternehmen - natürlich im Rahmen der Corona-Bestimmungen", sagt Dominik Höhl, Event- und Marketing-Manager der Stadt.

Eine Frischzellenkur war nötig. Auch weil geplante Highlights abgesagt werden mussten, etwa der Hessentag, der Musical-Sommer und vieles mehr.

Ziel: mehr Besucher durch mehr Events

Das Ziel deshalb: Mehr Besucher in die City bringen. "Wir wollten unbedingt positive Signale setzen", erklärt Höhl. "Alle Events mussten aber flexibel geplant werden, um Corona-Regeln zu berücksichtigen", ergänzt Monika Kowoll-Ferger von der Magistratspressestelle.

Für die ein oder andere Kultur-Veranstaltung habe es zwar Landesmittel gegeben. Dennoch: Es ist ein Zuschussgeschäft, das aus dem Stadthaushalt getragen wird, wie sie sagt. Nach einigen Wochen lässt sich nun eine Zwischenbilanz ziehen zu den diversen Bausteinen des Sommerprogramms:

Musik, Comedy und Lesungen

Bei der Kultur-Reihe "Kultur.findet.Stadt" (10. Juli bis 25. September) stehen rund 60 Veranstaltungen auf dem Plan. Geboten werden vor allem Musik, Comedy, Unterhaltung und Lesungen.

Mit dabei sind regionale und überregionale Künstler. Marquess, Michael Schulte, Frida Gold, Glasperlenspiel und Florian Schroeder waren schon da. Olaf Schubert (29. August), Heinz Rudolf Kunze (8. September), Anna Depenbusch (10. September), Urban Priol (12. September) und Gregor Meyle (18. September) kommen unter anderen noch auf die Bühne. Sie steht im Innenhof des Vonderaumuseums im Herzen der Innenstadt.

Bisher wurden über 9.000 Tickets verkauft.

Konzert der Gruppe Glasperlenspiel in Fulda

Schlemmen im Schlosshof

Normalerweise verwandelt sich im Spätsommer die Pauluspromenade nahe dem Dom zur Schlemmermeile. Alles dreht sich um Kulinarik, Genuss und Gastlichkeit.

Um das Hygiene-Konzept besser umsetzen zu können, sind die Macher des Genussfestivals in den nahen Ehrenhof des Stadtschlosses umgezogen. Dort verköstigen seit dem 21. Juli wechselnde Köche, Caterer und Gastgeber eine limitierte Anzahl von Gästen an der frischen Luft und unter einem schützenden Zeltdach.

Gäste müssen vorher personalisierte Tickets buchen. "Das klappt sehr gut. Man ist es ja mittlerweile gewohnt, sich überall anmelden zu müssen", sagt Höhl.

Das Angebot kommt bei den Gästen offenbar gut an. Die Auslastung liegt bei über 80 Prozent, wie die Stadt darlegt. Infos zum Format gibt es hier. Nach den Genusswochen folgt das Weinfest (1. bis 12. September). Für das sind schon rund 70 Prozent der 3.500 Tickets vergeben.

Karibik-Feeling am Stadtstrand

Ein Hauch von Karibik-Feeling soll in Fulda auch der Stadtstrand versprühen. Aufgeschüttet wurde er mitten in der City am zentralen Uniplatz. Gäste können auf der Gastro-Fläche chillen, Drinks und DJ-Musik genießen. Dafür wurden 50 Tonnen Sand angekarrt und auf rund 300 Quadratmetern verteilt.

"Ich habe Gäste erlebt, die stundenlang bei uns waren und eine sehr entspannte Zeit verbracht haben - mit den Füßen im Sand und Sonne im Herzen", sagt Jens Ole Bolik. Der Betreiber des S-Clubs in Fulda durfte die Fläche eine Woche bespielen.

Neun Menschen stehend und auf Liegestühlen mit Getränken in der Hand - bei der Eröffnung des Stadtstrands in Fulda.

Das Fuldaer Konzept sieht vor: Mehrere Gastgeber wechseln sich wochenweise ab, darunter sind auch die Alte Schule, Mocca Bar sowie die Betreiber von Doppeldecker und Hopfenglück.

Geöffnet ist der Stadtstrand noch bis Mitte September von Mittwoch bis Sonntag, unter der Woche von 11.00 bis 23.00 Uhr und am Wochenende bis Mitternacht.

Shoppen mit Klavier und Musikbus

Nicht weit entfernt vom Stadtstrand steht am Uniplatz auch eines der Klaviere, die für musikalische Momente im Innenstadt-Treiben sorgen sollen. Jeder, der Lust hat, kann sich ans Instrument setzen und spielen. Nicht selten bleiben Passanten stehen, lauschen und filmen die Einlagen mit dem Handy.

Ihr Können bewiesen dort auch hochbegabte Nachwuchs-Pianistinnen und -Pianisten. Sie demonstrierten ihre Fingerfertigkeiten bei der erstmals in Fulda bis Mitte August ausgetragenen Pianale. Freilich traten sie nicht nur auf der Straße auf, sondern auch vor Publikum, etwa im Fürstensaal. Es gab neun ausverkaufte Konzerte in ganz Fulda.

Klavierspieler in der Fuldaer Innenstadt

Musikalisch geht es auch samstags zu, wenn der Musikbus in der Innenstadt seine Runden dreht. Bands spielen im offenen Bus. Der macht hier und da Station und spielt den Passanten etwas vor.

Lampions und bunte Bänke

Dass eine schöne Atmosphäre für Aufenthaltsqualität in der City sorgt, hat die Stadt verinnerlicht. Zusammen mit dem Citymarketing haben einige Ideen das Licht der Welt erblickt. In mehreren Straßen wurden bunte Lampions aufgehangen.

Auch einige individuell gestaltetet Bänke wurden aufgestellt und laden zum Verweilen ein. Der Name der Aktion: Banküberfall. Auf einer der Bänke ist der Dom dargestellt (Standort: Friedrichstraße), eine andere ist in Form einer Orgel kunstvoll gestaltet (Standort: Stadtpfarrkirche).

Edi Leib vom City-Marketing erklärt: Es ist wichtig, Erlebnisräume zu schaffen. Nach ihrem Geschmack könnte sich die Philosophie noch stärker durchsetzen. "Sitzplätze statt Parkplätze könnte das Motto lauten", sagt Leib. Parkraum könnte genutzt werden, um Sitzgelegenheiten anzubieten und Trendsportgeräte wie Slacklines zu installieren. "Gerade für junge Menschen müssen wir Orte der Begegnung schaffen."

Eine mit der Silhouette des Doms verzierte Bank in der Fuldaeer Innenstadt.

Regionalläden mit Produkten aus der Umgebung

Deutschlands Innenstädte seien in einem Transformationsprozess, beobachtet Leib. "Um Innenstädte zukunftsfähig zu sein, reicht es nicht aus, nur da zu sein. Die Kunden wollen auch etwas erleben - das kann klein, aber fein sein. Besucher und Touristen nehmen das wertschätzend an. Das haben wir aus Rückmeldungen erfahren."

Eine neue Note im Fuldaer Handel bringen auch die Regionalläden mit, wie etwa die "Heimatliebe" im Steinweg oder der "Regiopoint" in der Löhrstraße. Ihre Eröffnungen fielen unglücklicherweise in die Corona-Zeit. Sie verkaufen regionale erzeugte Produkte. "Es ist das Schaufenster für Produkte aus der Gegend", erklärt Pia Groß von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Region Fulda.

Ein Regal mit regional erzeugten Lebensmitteln im Fuldaer Regiopoint-Laden

Erhältlich ist eine Palette von Lebensmitteln: (alkoholische) Getränke wie Säfte und Hochprozentiges, Brotaufstriche, Gewürze, Wurstwaren, Eiscreme und einiges mehr. "Alles mit persönlicher Note, mit viel Herz hergestellt - keine Massenware", betont Groß.

Aber auch Bekleidung und Unterhaltungsmedien sind dabei. Gedacht sind die Verkaufsstellen etwa für Hersteller, die keinen Vertrieb oder ein eigenes Geschäft nutzen. Bislang haben sich schon rund 100 Partner dem Regiopoint angeschlossen.

Stadt hat gelernt

Reicht das alles, um die Innenstadt zu beleben? Taugen die Maßnahmen? "Ich kann keine wesentliche Kritik nennen", sagt Reginald Bukel, Vorsitzender des Fuldaer Marketing-Vereins. Die Stadt habe gelernt und in diesem Jahr viel mehr unternommen als im vergangenen Pandemie-Jahr.

Er sieht "erhebliche Verbesserungen". Die Besucher-Frequenz in der Innenstadt sei höher. Es gebe es ein vielfältiges Portfolio von Veranstaltungen. Es sei optisch und inhaltlich ansprechend und werde von der Bevölkerung gut angenommen.

Doch wie geht es im Herbst weiter, wenn sich das Pandemie-Geschehen wieder verschärfen könnte? Ob und wie die Stadt eine Art Konjunktur-Programm für den Herbst und Winter konzipiert, ist noch unklar. "Ein Angebot dazu ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht absehbar", sagt Höhl. Im Stadtschloss wollen sie dazu erst abwarten, wie die Corona-Pandemie den Pulsschlag der Innenstadt zu beeinflussen vermag.

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