Pilze im Korb

Organisierte Banden sollen in Hessens Wäldern Pilze sammeln und verkaufen. Trotzdem gibt es bisher keine Anzeigen bei der Polizei. Wer ist für den Schutz von Pilzkulturen verantwortlich?

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zum hr-fernsehen.de Video Rekordverdächtig viele Pilze

maintower vom 25.10.2019
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Die Kleinbusse fahren im Waldgebiet der Stadt Rödermark (Offenbach) vor. Zahlreiche Menschen - bewaffnet mit riesigen Körben - steigen aus und machen sich auf Pilzsuche. Die Autos brausen für einige Stunden davon, ehe sie abends zurückkehren. Ein lautes Hupen signalisiert den Pilzsammlern: Abfahrt.

So hat es Roland Pieper, Leiter des Forstamts Langen, erlebt. Organisierte Gruppen plündern Hessens Wälder, um Pilze an Restaurants und auf Märkten zu verkaufen. Das gewerbliche Sammeln geschieht illegal und ohne Genehmigung. "40 Euro das Kilo gibt es für Steinpilze", erklärt Pieper die Motivation der Sammler.

Regeln beim Pilzesammeln

Im Bundesnaturschutzgesetz ist festgehalten, dass Pilze nur in geringer Menge und nur für den persönlichen Bedarf gesammelt werden dürfen. In aller Regel sind das nicht mehr als zwei Kilogramm pro Person. Für das gewerbliche Sammeln von Pilzen braucht man einen Gewerbeschein und eine Genehmigung der Naturschutzbehörde.

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Vorsicht beim Sammeln - Pilzexperte erklärt wie

Wenn Sie jetzt auch Lust aufs Pilzesammeln im Einklang mit dem Gesetz bekommen haben, gibt es einiges zu beachten. Damit die leckere Pilzpfanne nicht mit einer Vergiftung endet, sollte man vorsichtig sein und sich vorher genau informieren. Denn im schlimmsten Fall kann das Pilzessen tödlich enden. Pilzexperten Dietmar Krüger gibt hilfreiche Tipps.

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Auch für Dietmar Krüger von der Pilzschule Hessen sind die organisierten Gruppierungen nichts Neues. Weil es durch die Wetterbedingungen zurzeit so viele Steinpilze gibt, kommen die Pilzdiebe mit ihren Kleinbussen vorgefahren. "Die Leute kommen aus Osteuropa und halten sich nicht an die Vorschriften. Das sind fast schon mafiöse Zustände", bewertet der Pilzexperte die Lage in Hessens Wäldern.

Die Pilzdiebe zu stoppen - das hat Roland Pieper versucht. "Die Leute sprechen kein deutsch, geben vor, nichts zu verstehen oder ignorieren uns. Teilweise wurde uns auch in Gesicht gelacht. Sie wissen, dass sie mit ihrem Verhalten durchkommen." Warum ist das so? Pieper erklärt, dass es für ihn keine Handhabe gebe. "Nur der Waldeigentümer darf Personen aus dem Wald verbannen. In dem Fall die Stadt Rödermark. Anzeigen müssen dann an die Polizei gestellt werden."

Die Polizei weiß von nichts - oder fühlt sich nicht zuständig

Die Beamten jedoch wissen von nichts, bislang wurde kein Fall zur Anzeige gebracht. In einem Gespräch macht die Polizei Frankfurt deutlich, dass sie sich nicht in der Zuständigkeit sieht, wenn Naturschutzgesetze nicht eingehalten werden. Andere Polizeipräsidien wie die in Südost- und Westhessen verweisen auf die Ordnungsämter.

Pilz Sammler

Ein Blick über die Landesgrenze nach Rheinland-Pfalz: Erst vor Kurzem wurde ein Mann von der Polizei in Koblenz mit 19 Kilogramm Pilzen erwischt. Aufgedeckt wurde der Diebstahl nur durch Zufall: Sein Wagen war liegen geblieben und als die Polizei ihn nach seiner Route befragte, konnte der Mann nicht glaubhaft antworten. Deswegen entschlossen sich die Beamten, den Wagen zu durchsuchen und entdeckten unter einer Decke die Steinpilze. Der Mann hatte die zulässige Menge deutlich überschritten, deswegen wurden rund 17 Kilogramm von der Polizei konfisziert.

Höhere Strafen - mehr Kontrollen

Die Verantwortungsproblematik geht auch bei den 41 hessischen Forstämtern weiter. Beim Forstamt Bad Schwalbach etwa sind noch keine Pilzdiebesbanden aufgefallen. Jörg Burkard, Experte für Wald- und Naturschutz von Hessenforst, ist die Problematik zwar auch bekannt, trotzdem sind bei ihm bisher keine konkrete Meldungen von den Forstämtern eingegangen. Er sieht die Zuständigkeit bei der Naturschutzbehörde, dafür müssten aber erst die Waldeigentümer Anzeigen erstatten.

"Das Fehlverhalten zu ahnden, ist nicht einfach", beschreibt Burkard das Problem. Ein Waldabschnitt sei 2.000 Hektar groß, außerdem haben Hessens Wälder unterschiedliche Besitzer: "Es gibt Landeswald, Gemeindewald oder private Waldgebiete. Die Besitzer müssten sich bei Verstößen gegen das Bundesnaturschutzgesetz an die Naturschutzbehörde wenden."

Da sich sich seit einigen Jahren nichts ändert, wünscht sich Dietmar Krüger von der Pilzschule Hessen mehr Kontrollen und höhere Strafen. Das könnte seiner Meinung nach helfen, damit die Menschen den Wald wieder mehr respektieren. "Es hat nicht jeder das Recht, den ganzen Wald aus Profitgier auszuräumen", erklärt er. Aber so lange die Strafen so gering wären oder Vergehen gar nicht verfolgt werden würden, so Krüger, gehe das goldrausch-ähnliche Sammeln weiter. "Ich würde mir einfach wünschen, dass die Menschen den Wald wieder mehr respektieren."

Ein Pilzsammler mit einem Korb voll Pilze

Sendung: maintower, 25.10.2019, 18 Uhr