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Audioseite Neue Anklage gegen Reemtsma-Entführer Drach

Ein Mann sitzt in einem Gerichtssaal, er stützt sein Kinn auf der Hand ab.

Der Reemtsma-Entführer Thomas Drach muss sich nun auch wegen eines Überfalls in Limburg verantworten. Seinerzeit soll er einen Sicherheitsmann mit einem Sturmgewehr bedroht haben.

Der Reemtsma-Entführer Thomas Drach ist nun auch noch wegen eines Raubüberfalls in Hessen angeklagt worden. Drach und seinem niederländischen Komplizen werden besonders schwerer Raub in Tateinheit mit Brandstiftung, ein Verstoß gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz und gegen das Waffengesetz sowie Urkundenfälschung vorgeworfen.

Mitarbeiter mit Sturmgewehr bedroht

Die Anklage geht davon aus, dass der heute 60-Jährige am 10. September 2018 auf einem Supermarkt-Parkplatz in Limburg einen Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma mit einem Sturmgewehr AK-47 bedroht und ihm einen Geldkoffer mit 89.850 Euro abgenommen hat, teilte das Landgericht Köln am Dienstag mit.

Auch den Revolver des Mitarbeiters habe er der Anklage zufolge mitgenommen. Ein Komplize habe ihn in einem Fluchtfahrzeug mit gefälschtem Kennzeichen weggefahren. Anschließend hätten die beiden Täter den Wagen in Brand gesteckt.

Drach ist bereits wegen dreier Überfälle auf Geldtransporter in Köln und Frankfurt angeklagt. Die Anklage in diesem Fall lautet unter anderem auf versuchten Mord, weil er bei dem Überfall in Frankfurt auf den Geldboten geschossen und dessen Tod billigend in Kauf genommen haben soll. Auch bei den Überfällen in Köln und Frankfurt soll ihm der 52 Jahre alte Niederländer geholfen haben.

Prozess Anfang 2022 möglich

Im Mai war Drach von den Niederlanden an Deutschland ausgeliefert worden, nachdem er im Februar in einer Amsterdamer Wohnung festgenommen worden war. Der Prozess gegen Drach und seinen Komplizen könnte Anfang des kommenden Jahres beginnen, sagte ein Gerichtssprecher. Voraussetzung dafür ist, dass die Anklagen vom Gericht zugelassen werden.

Das Verfahren dürfte ein langwieriger Indizienprozess werden. Drachs Verteidiger hatte im September gesagt: "Die Beweislage ist denkbar schlecht und der größte Teil der Vorwürfe spekulativ." 1996 hatte Drach zusammen mit Komplizen Jan Philipp Reemtsma, den Erben der Hamburger Tabak-Dynastie, entführt. Dafür war er zu vierzehneinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden.

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