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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Landesregierung kritisiert Kollegah-Konzert in Offenbach

Rapper Kollegah

Sexismus, Homophobie, Antisemitismus. Vorwürfe, die den aus Friedberg stammenden Rapper Kollegah nun schon seit Jahren begleiten. Mitte Dezember soll er in Offenbach auftreten. Das kritisieren nun nicht nur Politiker vor Ort, sondern auch die Landesregierung.

Seine Lieder tragen Titel wie "Endlösung der Rapperfrage". In seinen Texten kündigte er gerne mal einen "Hurensohn-Holocaust" an oder behauptet "Schusswaffengeräusche wie die Schutzstaffel" zu bringen und in seinen Videos trägt der Teufel gerne mal einen Davidsstern um den Hals. Der aus Friedberg stammende Rapper Kollegah benutzt seit Jahren eine Sprache, die ihm immer wieder Antisemitismusvorwürfe einbrachten

Am 10. Dezember will der umstrittene Musiker nun in der Offenbacher Stadthalle auftreten. Doch dagegen regt sich Widerstand.

"Schlag ins Gesicht von Shoah-Überlebenden"

"Wer mit seiner Musik den Antisemitismus in unserem Land salonfähig macht, ist hier in Hessen nicht willkommen", erklärte der von der Landesregierung eingesetzte Antisemitismusbeauftragte Uwe Becker (CDU) in einer Pressemitteilung am Mittwoch.

Uwe Becker (CDU)

Die künstlerische Freiheit ende dort, wo die Würde des Menschen vorsätzlich verletzt wird, so Becker. "Kollegah überschreitet mit seinen Texten ganz klar eine Grenze, gerade gegenüber den Menschen, die in unserem Land leben und dem jüdischen Glauben angehören."

Kritik hatten zuvor bereits Vertreter der politischen Parteien in Offenbach sowie der jüdischen Gemeinde geäußert. Henryk Fridman, Vorstand der Jüdischen Gemeinde in Offenbach, bezeichnete gegenüber der Offenbach Post den Auftritt Kollegahs als "Schlag ins Gesicht von Shoah-Überlenden und ihren Nachfahren."

Gegenüber derselben Zeitung betonte zugleich die Sprecherin der Stadthalle Offenbach GmbH, dass es keine Gründe gebe, die den Auftritt "unmöglich machen". Dies sei im Vorfeld mit dem Ordnungsamt und der Polizei abgeklärt worden.

Hessentagsabsage und Echo-Skandal

Antisemitismus-, Homophobie- und Sexismus-Vorwürfe begleiten die Karriere des auf den bürgerlichen Namen Felix Blume hörenden Künstlers bereits seit geraumer Zeit. Proteste von Politikern und zivilgesellschaftlichen Organisationen vor seinen Auftritten gehören inzwischen fast zur Tagesordnung.

Ein geplanter Auftritt auf dem Hessentag 2017 wurde abgesagt, nachdem die Landesregierung, der Zentralrat der Juden und weitere Organisationen die Einladung Kollegahs kritisiert hatten.

Wenige Monate später veröffentlichte er auf dem Album "Jung, Brutal, Gutaussehend 3" gemeinsam mit Farid Bang das Lied "0815", das die Textzeilen "Mein Körper definierter als von Auschwitz-Insassen" und "Mache wieder mal 'nen Holocaust, komm an mit dem Molotow" enthielt.

Das Album wurde ein Verkaufsschlager und brachte ihm eine Nominierung für den Musikpreis Echo ein. Aus Protest gegen die Vergabe an Kollegah und Farid Bang boykottierten zahlreiche Künstler die Veranstaltung. Andere gaben ihre Echos zurück.

Läuterung und Rückfall

Kollegah selbst hatte die Vorwürfe stets von sich gewiesen. Bestimmte Formen der Beleidigung, die allgemein als homophob, sexistisch oder antisemitisch empfunden würden, seien akzeptierte Stilmittel des Battle-Raps, bei dem es um die Herabsetzung des Gegenübers gehe und nur in diesem Kontext richtig zu verstehen, lautete seine Rechtfertigung.

Zuletzt hatte Kollegah Mitte November Antisemitismus-Vorwürfe zurückgewiesen. "Ich hab' mit Antisemitismus nichts zu tun, davon distanziere ich mich", sagte er nach Angaben seines Managements bei einem Auftritt in Leipzig.

Sendung: YOU FM, 27.11.2019, 14 Uhr