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Audioseite Umweltpreis für Frankfurter Artenforscherin

Katrin Böhning-Gaese vor dem Fossil eines Dinosauriers

Die Frankfurter Wissenschaftlerin Katrin Böhning-Gaese erhält den Deutschen Umweltpreis. In ihren Forschungen zeigt sie, welche dramatischen Folgen der Artenverlust für Mensch und Umwelt hat. Der Preis ist mit 500.000 Euro dotiert.

Die biologische Vielfalt und ihre Bedeutung für die Entwicklung der Erde und den Menschen - dies sind die Themen, mit denen sich die Frankfurter Forscherin Katrin Böhning-Gaese schon seit Jahren beschäftigt. Dafür hat sie nun zusammen mit dem Greifswalder Moorforscher Hans Joosten den mit 500.000 Euro dotierten Deutschen Umweltpreis erhalten. Das teilte die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) am Freitag in Osnabrück mit. Die Forschungsarbeit von Böhning-Gaese habe gezeigt, welche dramatischen Folgen der Artenverlust für die Menschen und den gesamten Planeten habe, sagte DBU-Generalsekretär Alexander Bonde.

Dramatische Folgen des Artenverlusts aufgezeigt

Böhning-Gaese untersuche ökologische Zusammenhänge lokal, regional, kontinental und global sowie in unterschiedlichen Zeitskalen. Die Wissenschaftlerin sei bestrebt, Umweltveränderungen in Ökosystemen in den nächsten Jahrzehnten so genau wie möglich vorherzusagen, sagte Bonde: "Nur wenn wir die Prozesse erkennen und verstehen, können wir gezielt Maßnahmen ergreifen, um sie zu stoppen."

"Das große Ganze in den Blick nehmen"

Böhning-Gaese ist Professorin an der Goethe-Uni und Direktorin des Senckenberg Biodiversität- und Klimaforschungszentrums in Frankfurt. Gemeinsam mit ihrem Team forscht sie auf dem Gebiet der Makroökologie. "Es geht darum, das große Ganze in den Blick zu nehmen", erklärt die 56-Jährige im Gespräch. Sie untersucht, welche Arten zurückgehen oder zunehmen und wo die globalen Hotspots der Artenvielfalt sind.

Dabei hat sie zum Beispiel festgestellt, dass die Vogelarten der Agrarlandschaft dramatisch zurückgehen. Über die Leopoldina, die Deutsche Akademie der Naturforscher, hat sie sich dafür eingesetzt, diese Problematik ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken und Lösungsansätze aufgezeigt, die Entscheidungsträgern als Grundlage dienen können.

Klare Forderung: mehr Bio-Produkte, weniger Fleisch

Ein wichtiges Ergebnis ihrer Arbeit sei, "dass man das Ganze nicht der Landwirtschaft alleine auflasten kann, sondern dass es ein gesamtgesellschaftliches Problem ist". Böhning-Gaese plädiert für grundlegende Veränderungen in der Landwirtschaft hin zu mehr Öko-Landbau. Ganz wichtig sei dabei, dass die Menschen ihr Verbraucher-Verhalten änderten. "Mehr Bio-Produkte kaufen und weniger Fleisch essen", appelliert die Wissenschaftlerin.

"Wir wissen, dass auf Flächen, die ökologisch bewirtschaftet werden, die Artenvielfalt im Mittel höher ist", begründet Böhning-Gaese ihren Appell. Dass sich nicht jeder die zumeist teureren Bioprodukte leisten kann, ist ihr duchaus bewusst. In Schulen oder Kantinen beispielsweise könnten Bio-Produkte mit Hilfe von Subventionen aber die Norm werden. Gutes und zugleich preiswertes Essen könne so auch finanziell Schwächeren zukommen.

Unser Verhalten hat globale Auswirkungen

Vor allem aber müssten die Menschen sich über die globalen Auswirkungen ihres Konsumverhaltens bewusst werden, fordert Böhning-Gaese. "Der Fußabdruck, den wir im globalen Süden hinterlassen, ist größer als der, den wir hier bei uns haben." So sorge unser billiges Fleisch für den Rückgang der Biodiversität in der südlichen Hemisphäre, etwa durch die Abholzung der Regenwälder in Brasilien.

Böhning-Gaese begrüßt, dass der Klimawandel auf die politische Agenda gekommen ist. Dort will sie auch mit dem Artenschutz hin. Der Rückgang der Artenvielfalt und der Klimawandel gehen nach Überzeugung der Wissenschaftlerin auf die gleichen Ursachen zurück.

Sie spricht von einer "Übernutzung" der natürlichen Ressourcen. "Wir verbrauchen viel mehr, als die Erde regenerieren kann", warnt die Forscherin. Die Bevölkerung wachse stetig, zugleich nehme der negative Einfluss jedes Einzelnen auf die Natur zu.

Artenschutz und Klimaschutz hängen zusammen

Maßnahmen wie Aufforstung der Wälder, Schutz von Mooren und Savannen, all das diene sowohl dem Arten- als auch dem Klimaschutz. Dass es stellenweise zu Konflikten zwischen beiden Interessen kommen kann - Beispiel Windräder - räumt die Forscherin ein. "Es gibt aber Möglichkeiten, wie man diese Konflikte lösen kann."

Neben Böhnig-Gaese wird auch der Greifswalder Moorforscher Hans Joosten ausgezeichnet. Sein Verdienst liege in seiner jahrzehntelangen Forschung zur Bedeutung der Moore für den Klimaschutz, so die DBU. Mit seiner Arbeit habe er das Bewusstsein dafür geweckt, dass Moore unverzichtbar für eine Überwindung der Klimakrise seien.

Der Deutsche Umweltpreis gehört zu den höchstdotierten Umweltauszeichnungen Europas. Er wird am 10. Oktober in Darmstadt von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier an die Preisträger überreicht.

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