Der Wintereinbruch hat Hessen weiter fest im Griff und sorgt vor allem im Norden und Osten für chaotische Straßenbedingungen. Busse und Bahnen stehen still. Mehrere Autobahnen waren stundenlang voll gesperrt.

Videobeitrag

Video

zum Video Wintereinbruch in Hessen

hs_080221
Ende des Videobeitrags

Tag zwei des Wintereinbruchs in Hessen - im Norden und Osten des Landes kam über Nacht eine dicke Neuschnee-Schicht dazu. Vor allem im Straßenverkehr herrschten am Montag chaotische Zustände. Die Polizei rief dazu auf, in den betroffenen Regionen zu Hause zu bleiben und unnötige Fahrten zu vermeiden.

Vier Autobahnen zeitweise voll gesperrt

Etliche Lastwagen blieben auf Autobahnen stecken, es bildeten sich kilometerlange Staus. Besonders hart traf es die A4 und die A7, hier staute sich der Verkehr auf bis zu 50 Kilometern. "Die Lage ist katastrophal", sagte ein Sprecher der Polizei in Fulda am Morgen. Die Autobahnen waren über Stunden hinweg voll gesperrt. Die Winterdienste waren im Dauereinsatz. Am Nachmittag hob die Polizei die Sperrungen auf - die Staus blieben zunächst.

Auf vielen Abschnitten steckten Lastwagen und Autos fest. Rund um das Kirchheimer Dreieck sei alles dicht gewesen, berichtete ein Polizeisprecher. Er bat Lastwagenfahrer eindringlich, die Autobahnen nicht mehr zu befahren. Staus und Sperrungen gab es auch auf der A7 bei Melsungen (Schwalm-Eder), auf der A4 bei Friedewald (Hersfeld-Rotenburg) in Richtung Osten und an der Anschlussstelle Gerstungen (Thüringen), auf der A44 in Richtung Dortmund zwischen Dreieck Kassel-Süd und Kreuz Kassel-West und die A45 Richtung Gießen zwischen Alzenau-Nord und Hanauer Kreuz.

Pkw gerät frontal unter Sattelzug

Glück im Unglück hatten zwei Autoinsassen bei einem schweren Unfall auf der A7 bei Knüllwald (Schwalm-Eder). Der 28 Jahre alte Fahrer fuhr nach ersten Ermittlungen der Polizei zu schnell und frontal unter einen am Stauende stehenden Sattelauflieger. Durch den Aufprall wurden der Fahrer und seine 29 Jahre alte Beifahrerin eingeklemmt und mussten von der Feuerwehr befreit. Die beiden kamen mit leichten Verletzungen ins Krankenhaus. Der Schaden wurde auf rund 45.000 Euro geschätzt.

Nahverkehr teilweise eingestellt

Auch im öffentlichen Nahverkehr kam es zu Beeinträchtigungen. Wegen des starken Schneefalls sowie vereister Straßen stellte Marburg den Busverkehr komplett ein. Auch in Kassel blieben die Busse und Straßenbahnen in den Depots. Die Kasseler Verkehrsbetriebe meldeten, dass der Linienverkehr frühestens am Mittwoch wieder aufgenommen werde.

Bildergalerie

Bildergalerie

zur Bildergalerie Wintereinbruch in Hessen - Impressionen

Ende der Bildergalerie

Mit Verspätungen und Ausfällen im ÖPNV musste laut RMV in den Kreisen Fulda, Gießen, Hochtaunus und Vogelsberg gerechnet werden. Zu Verspätungen konnte auch in Darmstadt und rund um Frankfurt kommen.

Schulen in mehreren Kreisen bleiben geschlossen

Der coronabedingt ohnehin eingeschränkte Schulbetrieb wurde wegen des Wintereinbruchs teilweise komplett ausgesetzt: In den Kreisen Werra-Meißner, Hersfeld-Rotenburg, Lahn-Dill und Limburg-Weilburg fand kein Präsenzunterricht statt. Auch in Fulda mussten Schüler, die sonst am Präsenzunterricht teilnehmen, nicht in die Schule. In den betroffenen Kreisen sollte allerdings eine Notbetreuung sichergestellt werden.

Neuschnee-Spitzenreiter ist Liebenau-Haueda mit 25 Zentimetern

In Liebenau-Haueda (Kassel) schneite es landesweit am stärksten: 25 Zentimeter Neuschnee fielen dort. Am meisten Schnee insgesamt liegt auf der Wasserkuppe in der Rhön. Das Schneebett auf Hessens höchstem Berg ist 43 Zentimeter dick, wie der DWD berichtete.

Trotz der starken Schneefälle vor allem in Nordhessen zog Polizeisprecher Matthias Mänz am Montagmittag eine erste positive Unfallbilanz. Es habe wenige Fälle mit Leichtverletzten gegeben, dazu Blechschäden. "Es haben sich auch schon Funkwagen festgefahren, das Wetter nimmt auch auf die Polizei keine Rücksicht", sagte Mänz.

Schneeschippen wie Anfang der 1980er

In Kassel zwang die hohe Schneeschicht Autofahrer, in Zeitlupe zu fahren. Selbst Räumfahrzeuge fuhren sich am Vormittag fest. Manche griffen zu Langlaufskiern, um in der Stadt vorwärts zu kommen.

Der Kasseler Bürger Wolfgang Burghardt räumte wie viele anderen am Morgen mit einem Besen Schneemassen von seinem Auto: "Anfang der 1980er Jahre hatten wir das letzte Mal so viel Schnee, etwa einen halben Meter", erinnerte er sich: "Ich freue mich, das wieder erleben zu können." Schneeschippen sei für ihn wie Sport, sagte er. Die Lage in Kassel sei "extrem, aber wunderschön".

Wolfgang Burghardt beim Schneeschippen

Sendung: hr-iNFO, 08.02.2021, 6 Uhr