Wolfssichtung in Wohngebiet in Homberg (Ohm)

In einem Wohngebiet im Vogelsberg ist mitten am Tag ein Wolf gefilmt worden - eine seltene und untypische Durchreise des Wildtieres. Anwohner mussten sich laut den Behörden aber keine Sorgen machen.

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Wolf streift durch Wohngebiet

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Am hellichten Tag ist ein Wolf durch ein Wohngebiet in Homberg (Ohm) gelaufen und hat für Aufsehen gesorgt. Ein knapp zehn Sekunden langes Video wurde in einem Social-Media-Kanal veröffentlicht und rasant weiterverbreitet. Das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) analysierte den Clip, bestätigte, dass es sich sicher um einen Wolf handele und stellte das Video auf seine Homepage.

Das Video wurde am Wochenende von einer Anwohnerin im Ortsteil Ober-Ofleiden aufgenommen. Ortsvorsteherin Friederike Feyh bestätigte auf hr-Anfrage, dass es sich um eine Straße dort handele.

Gestresster Jungwolf

Zu sehen ist, wie das Tier schnellen Schrittes auf der Straße und einem Bürgersteig läuft. "Es zeigt deutliche Anzeichen von Stress und versucht, schnellstmöglich einen Ausweg aus dem Ort zu finden", interpretierte das HLNUG. Das Video lege nahe, "dass der Jungwolf mit hoher Wahrscheinlichkeit versehentlich in diese Situation gelangt ist". Eine unmittelbare Gefahr für die Bevölkerung habe nicht bestanden.

Die Anwohner reagierten entspannt auf das tierische Ereignis: "Ich glaube, der hatte eher Angst vor mir. Der sah sehr gehetzt aus", berichtete eine Anwohnerin. Der Wolf komme der Bevölkerung immer näher, meinte eine andere Anwohnerin. "Viele haben Angst - ich nicht." Eine dritte Anwohnerin meinte: "Ich glaube, der Wolf ist nicht an uns interessiert, der ist weitergelaufen."

Mehrere Wölfe sesshaft in Hessen

In Hessen gebe es inzwischen wieder mehrere sesshafte Einzelwölfe sowie ein Wolfspaar und ein Rudel mit Nachwuchs, erklärte das Landesamt. In der Rhön wurde kürzlich eine Wölfin als sesshaft gemeldet. Im Rüdesheimer Rudel wurde ein dritter Wolfswelpe nachgewiesen.

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Wolf läuft durch Wohngebiet in Homberg (Ohm)

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Grundsätzlich sei in ganz Hessen mit durchziehenden Wölfen zu rechnen. Jungwölfe, die aus ihren elterlichen Territorien abwandern, sind häufig im Winter und Frühjahr unterwegs, um sich ein eigenes Territorium zu suchen.

Untypische Sichtung

Bild- und Filmaufnahmen von Wölfen in Hessen sind nicht selten. Aber dass ein Tier mitten am Tag durch die Wohnbebauung streunt, ist überraschend. Das bestätigte auch das HLNUG: Dass ein Wolf tagsüber durch eine Siedlung laufe, komme nicht häufig vor und sei eher untypisch.

"Es handelt sich hier offensichtlich um einen verunsicherten Jungwolf, der sich vermutlich im ersten oder zweiten Lebensjahr befindet." Zu dieser Einschätzung kämen auch Fachleute der Deutschen Beratungsstelle des Bundes für den Wolf (DBBW). Um welches Individuum es sich handele, lasse sich nicht sagen, da lediglich das Video vorliege und kein Genmaterial, erklärte das Landesamt.

Die HLNUG-Experten erklärten weiter: Junge Wölfe wanderten meist im ersten bis zweiten Lebensjahr aus dem Elternterritorium ab, um in einem neuen Gebiet sesshaft zu werden und dort Paarungspartner zu finden. "Auf diesen Wanderungen streifen sie - meist nachts - durch unsere Kulturlandschaft und laufen auch an Siedlungsstrukturen entlang."

Tagsüber ruhen Wölfe meist im Verborgenen, wie das HLNUG erläuterte. "Möglicherweise wurde dieses Tier in seinem Tagesruheplatz gestört und hat sich deshalb auf den Weg gemacht und sich versehentlich in eine Siedlung begeben." Die Verlängerung der Straße, die der Wolf beläuft, führe direkt in ein Feld.

Wolf-Monitor sieht Verbreitung kritisch

Verbreitet wurde das Video auch über den Wolf-Monitor Hessen, der die Ausbreitung der Wildtiere in Hessen kritisch beobachtet. Der Administrator des bürgerschaftlichen Info-Netzwerks, sagte, dass das Tier seine Umgebung erkunde. Von scheuen Exemplaren könne man nicht sprechen. Es seien Raubtiere, die in der Paarungszeit nun noch aktiver und umtriebiger seien.

Anders sieht es das Landesamt, dass Wölfen durchaus scheues Verhalten zuspricht. Allerdings scheint er auch sehr neugierig zu sein. Im Wolf-Monitor tauchen immer wieder Videos auf, in denen Wölfe ein ungeahnt forsches Verhalten zeigen. Wölfe kämen den Menschen mittlerweile näher als viele dächten.

Verhaltenstipps fürs Zusammentreffen

Wer auf einen Wolf treffen sollte, dem rät das Landesamt: "Man sollte sich als Mensch bemerkbar machen. Dies genügt in der Regel, um Fluchtverhalten auszulösen." Ansonsten seien Händeklatschen, auffälliges Gestikulieren und lautstarke Äußerungen zu empfehlen, wenn man sich unwohl fühle.

Dass der Wolf alsbald wieder in dem Ortsteil anzutreffen ist, sei unwahrscheinlich: "Vermutlich ist das Tier inzwischen längst weitergezogen", befand das Landesamt. Ein Wolfsterritorium ist in Deutschland im Durchschnitt 250 Quadratkilometer groß.

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