Es sollte ein 15-minütiger Routineeingriff werden und endete im Fiasko: Ein junger Mann ist nach einer missglückten Nasen-OP zum Pflegefall geworden. Dafür wurde das Uniklinikum Gießen jetzt zu einem Rekord-Schmerzensgeld verurteilt.

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Wegen eines folgenschweren Behandlungsfehlers hat das Landgericht Gießen der Familie eines 23-Jährigen insgesamt 800.000 Euro Schmerzensgeld zugesprochen. Das bestätigte das Gericht dem hr. Wie die Gießener Allgemeinen am Donnerstag berichtete, muss die Uniklinik Gießen damit den höchsten Betrag zahlen, den ein deutsches Gericht in einem solchen Fall verhängt hat.

Der Patient hatte bereits 500.000 Euro Schmerzensgeld von der Klinik erhalten. In dem Zivilverfahren vor dem Landgericht ging es um zusätzliche 500.000 Euro, die der Kläger forderte. Die Richter erachteten insgesamt 800.000 Euro für angemessen und sprachen diesem entsprechend die Zahlung von weiteren 300.000 Euro zu.

Im Jahr 2013 war der damals 17 Jahre alte Patient wegen einer Verletzung an der Nase in der Klinik operiert worden. Bei dem eigentlich unkomplizierten Eingriff kam es zu Behandlungsfehlern, seitdem ist der junge Mann ein Pflegefall.

Schläuche bei OP falsch eingesteckt

Ein Sprecher des Gerichts sagte, es sei ein kleiner Eingriff gewesen: "Während der Vollnarkose kam es zu einer etwa 25-minütigen Sauerstoffunterversorgung, weil die Schläuche des verwendeten Beatmungsgeräts fehlerhaft angeschlossen worden waren". Laut Gießener Allgemeine waren während der Operation beim Beatmungsgerät die Schläuche falsch eingesteckt worden, durch Sauerstoffmangel erlitt der Jugendliche schwere Hirnschädigungen.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Uniklinik Gießen muss 800.000 Euro Schmerzensgelf zahlen

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Das Gericht begründete die Höhe des Schmerzengsgelds damit, dass der Einschnitt im Leben des Mannes gravierend sei, er habe auch seine Persönlichkeit eingebüßt und sei "zu einem selbstbestimmten Leben nicht mehr in der Lage". Zudem verwies das Gericht auf dessen jugendliches Alter und darauf, dass die Hirnschädigung "aus einer fehlerhaften Bedienung des Beatmungsgeräts und damit aus dem Bereich eines voll beherrschbaren Risikos resultieren". Außerdem muss die Uniklinik auch für die ärztliche Behandlung des pflegebedürftigen Opfers aufkommen.

Der Anwalt der Familie sagte der Gießener Allgemeinen, zu lange seien Zahlungen in solchen Fällen zu niedrig gewesen. Zumal der Familie in den ersten Jahren nach dem folgenschweren Fehler bei der Operation nur geringe Summen gezahlt worden seien. Beide Parteien haben nun einen Monat Zeit, gegen des Urteil in Berufung zu gehen.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 07.11.2019, 14.20 Uhr