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Achtung Gabelstapler: Ein Zebrastreifen soll sicher zur Raucherkabine führen. Bild © Imago Images

Der Technologie-Zulieferer Freudenberg hat am Standort Schwalmstadt die Raucherzone verlegt: Rauchende Mitarbeiter müssen regelmäßig über eine Gabelstapler-Strecke. Der Betriebsrat sorgt sich um die Sicherheit.

Rauchen kann tödlich sein und zwar in vielerlei Hinsicht. Um Mitarbeiter der Technologiefirma Freudenberg am Standort Schwalmstadt auf dem Weg zum Rauchen zu schützen, hat sich der Betriebsrat für einen Zebrastreifen eingesetzt: Der soll verhindern, dass die Angestellten auf dem 50 Meter langen Weg zu einer Raucherkabine mit einem Gabelstapler zusammenstoßen.

Die erhöhte Unfallgefahr entstand nach Ansicht des Betriebsrats, weil der Raucherort in eine Gefahrenzone verlegt wurde, wo viele Gabelstapler fahren. Die Oberhessische Presse hatte zuerst über den Fall berichtet.

Zebrastreifen und Sicherheitsbügel

Weil der Arbeitgeber diese Entscheidung nach Ansicht des Betriebsrats im Alleingang durchsetzte, ging der Betriebsrat vor das Arbeitsgericht. Vor Gericht kam es zu einer Zwischenlösung: Ein Zebrastreifen zur Raucherkabine und einen Sicherheitsbügel, der verhindern soll, dass Raucher die Kabine verlassen ohne nach dem Verkehr zu schauen. Ein neuer Standort für die Kabine soll außerdem bis September gefunden werden - dieses Mal soll auch der Betriebsrat gefragt werden.

Was nach einem skurrilen Streit klingt, ist für den Betriebsratsvorsitzenden Werner Knapp sehr ernst und Teil eines größeren Problems: So wie der Betrieb vorgegangen sei, habe er wissentlich die Mitbestimmungsrechte missachtet, sagte er hessenschau.de. Das Vorgehen sei eine Provokation, sagt Knapp, der Arbeitgeber übergehe auch beim Thema Leiharbeit und Einstellung immer wieder den Betriebsrat.

Betriebsrat: Bisher kein Zebrastreifen in Sicht

Im Jahr 2005 hatte es an einem anderen Standort der Firma Freudenberg einen tödlichen Unfall mit einem Gabelstapler gegeben. Aus diesem Grund gebe es auf dem Firmengelände auch an anderen Stellen Zebrastreifen, sagt Betriebsrat Knapp, deswegen habe man sich auch auf einen Zebrastreifen für die Raucherkabine geeinigt. Nach der Gerichtsentscheidung in der vergangenen Woche sei allerdings noch nichts zu sehen vom Zebrastreifen oder dem Sicherheitsbügel an der Raucherkabine.

"Die Sicherheit der Mitarbeiter hat höchste Priorität", sagte Unternehmenssprecher Jan Paulin hessenschau.de. Im Unternehmen habe es ein Missverständnis gegeben: "Die Firma dachte, der Betriebsrat hätte bereits beim neuen Standort der Kabine eingewilligt." Man werde sich nochmal zusammensetzen und über einen neuen Raucher-Standort sprechen.

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Freudenberg

Die Freudenberg-Gruppe beschäftigt nach eigenen Angaben weltweit rund 48.000 Mitarbeiter und erwirtschaftete 2017 einen Umsatz von 9,3 Milliarden Euro. Das Unternehmen ist Zulieferer in verschiedenen Branchen wie Autobau, Maschinenbau und Textilindustrie. Hauptsitz ist Weinheim (Baden-Württemberg). Standorte in Hessen gibt es in Schwalmstadt, Eschborn (Main-Taunus) und Darmstadt sowie in den Landkreisen Bergstraße und Odenwald.

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