Blick in das Atrium der neuen Universitätsbibliothek.
Blick in das Atrium der neuen Universitätsbibliothek Bild © picture-alliance/dpa

Die Uni-Bibliothek in Marburg schützt sich mit Sandsäcken gegen neue Unwetterschäden. In der Nacht hatte die Uni nach einem Wassereinbruch auf Facebook um Hilfe geben. Auch die Uni-Klinik Gießen war betroffen.

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Nach den Unwettern mit Starkregen und Hagel haben am Mittwochmorgen in Nord- und Mittelhessen die Aufräumarbeiten begonnen. Im Raum Gießen, in Marburg und anderen Regionen waren am Dienstag zahlreiche Bäume umgeknickt, Keller vollgelaufen und Straßen überflutet worden.

Neue Unibibliothek unter Wasser

In Marburg kämpft die neue Uni-Bibliothek mit einem Wasserschaden. Das Wasser war am Abend in das Untergeschoss eingedrungen und stand dort etwa zwei Zentimeter hoch, wie die Philipps-Universität auf ihrer Facebookseite mitteilte. Erst vor wenigen Wochen war das 120 Millionen teure Gebäude in Betrieb genommen worden. Das Wasser kam hauptsächlich über Lichtschächte, die bei Bränden für den Rauchabzug vorgesehen sind, wie Uni-Sprecherin Gabriele Neumann am Mittwoch erklärte. Insgesamt standen 4.500 Quadratmeter unter Wasser, so viel wie ein halbes Fußballfeld.

Die Universität hatte am Abend Bürgerinnen und Bürger über Facebook aufgerufen, mit Wassersaugern und Nass-Trockensaugern zur Bibliothek zu kommen. "Wer solche Geräte hat und helfen möchte, kommt bitte zum Haupteingang an den großen Baum", hieß es in dem Appell.

Viele freiwillige Helfer

Darauf seien viele Studierende und Nachbarn erschienen, um mit anzupacken, sagte Neumann. Einige hätten tatsächlich Wassersauger mitgebracht. Bis etwa 3.30 Uhr sei das Wasser mit Hilfe der Freiwilligen und der Feuerwehr beseitigt worden.

Am Vormittag bedankte sich die Universität bei allen, "die in der Nacht tatkräftig geholfen haben, das Wasser aus der Universitätsbibliothek zu entfernen!" Die Bibliothek öffnete gegen 10 Uhr im Notbetrieb. Unter anderem waren noch einige Aufzüge gestört.

Großes Dankeschön an die Feuerwehr und alle anderen Helferinnen und Helfer, die geholfen haben, das Wasser aus der @UniBib_MR zu entfernen! UB öffnet heute um 10 Uhr im Notbetrieb (es gibt noch Einschränkungen, z.B. sind noch nicht alle Aufzüge wieder aktiv). #Unwetter #Marburg

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Wann der Normalbetrieb wieder aufgenommen werden kann, sei unklar, sagte Neumann. Derzeit werde geprüft, ob es Schäden an der Haustechnik gibt und wie man vermeiden könne, dass sich solch ein Schadensfall wiederholt. "Als Sofortmaße werden Sandsäcke an die Ränder der Lichtschächte angebracht", sagte Neumann. Hauptsächlich seien Zeitschriften und Zeitungen beschädigt worden, wenn auch nur geringfügig. Diese sollen aber zunächst eingefroren werden, um größere Schäden zu verhindern. Das sei ein übliches Verfahren bei Wasserschäden.

Das Schlossbergcenter in Marburg wurde wegen des Unwetters geschlossen. Offenbar war das Gebäude einsturzgefährdet. Wie schon bei dem Unwetter vor zwei Wochen war Wasser in die untere Etage eingedrungen. Das Center soll am Mittwoch geschlossen bleiben.

Wasser dringt in Uni-Klinik in Gießen ein

Einsatzkräfte der Feuerwehr beseitigen den Wasserschaden in der Vitos Klinik Gießen.
Einsatzkräfte der Feuerwehr beseitigen den Wasserschaden in der Vitos Klinik Gießen. Bild © JR

In Gießen waren am Mittwochmorgen noch rund 80 Feuerwehrleute im Einsatz, wie die Feuerwehr mitteilte. In der Nacht waren es bis zu 300 Helfer gewesen. Betroffen war auch das Gießener Universitätsklinikum. Es konnte knapp zwei Stunden lang keine Notfälle aufnehmen, weil die Notaufnahme und Teile der Radiologie unter Wasser standen. Im Untergeschoss sei gleich an mehreren Stellen Wasser eingedrungen, teilte Klinikumssprecher Frank Steibli am Mittwoch mit. Medizinische und technische Geräte seien nass geworden.

Die Patienten blieben jedoch verschont. "Niemand musste verlegt werden", sagte Steibli. Einsatzkräfte der Feuerwehr Gießen und der Hausfeuerwehr sowie Klinikumsmitarbeiter waren die ganze Nacht im Einsatz. Die Höhe des Schadens müsse noch ermittelt werden.

Im Laufe des Tages soll entschieden werden, ob die betroffenen Geräte wieder eingesetzt werden können. Das Operationsprogramm sei nicht beeinträchtigt. "Die Operationen haben am Morgen planmäßig begonnen", sagte Steibli. Auch nehme das Klinikum wieder Notfälle auf.

Auch die Vitos Klinik in Gießen war vom Unwetter betroffen. Hier liefen Keller voll und zeitweise fiel der Strom aus. Verletzte gab es nach Polizeiangaben nicht.

Weitere Unwetter möglich

Die Wetterlage in Teilen Hessens ist weiter kritisch: Am Mittwochnachmittag und -abend sowie am Donnerstag muss vor allem im Norden mit neuen Gewittern gerechnet werden, teilweise auch mit Unwetterpotential. Vor allem im Bergland kann es außerdem erneut zu Starkregen kommen. Das Unwetterrisiko bleibt vorerst weiter bestehen.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 30.05.2018, 19.30 Uhr