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Smilies sind kein Fall fürs Gericht. Bild © picture-alliance/dpa (Archiv)

Nach einem Urteil des Oberlandesgerichts Frankfurt ist es zulässig, dass es in WhatsApp-Nachrichten an Verwandte zur Sache geht. Ein Mann hatte seine Schwiegermutter wegen diffamierender Videos verklagt - und war gescheitert.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found In einem Familienchat dürfen auch schwere Vorwürfe straffrei verbreitet werden

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Bei WhatsApp ist es wie im echten Leben: Bei Auseinandersetzungen zwischen Familienmitgliedern darf sich qua Gesetz verbal richtig gefetzt werden, ohne dass der Absender Konsequenzen vor Gericht fürchten muss.

Zu diesem Urteil kam das Oberlandesgericht Frankfurt am Mittwoch. Begründung: Die Familie ist ein geschützter Raum und somit eine "beleidigungsfreie Sphäre". Chats unter Angehörigen sind demnach Teil des Familienlebens und somit strafrechtlich nicht verfolgbar.

Mann verklagt Schwiegermutter

Hintergrund des Urteils war ein bei WhatsApp ausgetragener Streit zwischen einem Mann und seiner Schwiegermutter. Der Mann hatte verlangt, dass sie nicht länger vor Familienmitgliedern behaupten dürfe, er habe seinen Sohn misshandelt. Nachdem sein Antrag bereits am Landgericht abgewiesen worden war, scheiterte er nun auch in der nächsten Instanz.

Die streitgegenständlichen Äußerungen seien als "privilegierte Äußerungen" einzustufen und deshalb nicht rechtswidrig, hieß es in der Begründung des Gerichts.

Die Ehe hat weiter Bestand

Auslöser des Zerwürfnisses zwischen Mann und Schwiegermutter war nach Angaben des Gerichts ein Ehestreit im Jahr 2016. Damals soll der Kläger dabei gefilmt worden sein, wie er seinen Sohn mit einem Schubser zum schnelleren Gehen animieren wollte.

Die Ehefrau schickte das Handy-Video zur Aufbewahrung an ihre Mutter, die daraufhin ein "Protokoll über Misshandlungen" erstellte und dieses samt Film wiederum an ihre Mutter und Schwester weiterleitete und Anzeige erstattete. Um eine weitere Verbreitung zu unterbinden, zog der beschuldigte Mann vor Gericht. Ohne Erfolg.

Dem Zusammenleben von Vater, Mutter, Kind hat das juristische Nachspiel übrigens offenbar nicht geschadet. Der Kläger und seine Frau sind laut Gericht "weiterhin verheiratet".