Die 61-jährige Hauptangeklagte sitzt während des Prozesses in Hanau auf der Anklagebank.

Es war ein spektakulärer Prozess wegen schweren Menschenhandels: Jetzt hat der Bundesgerichtshof die Urteile im "Thai-Prozess" bestätigt. In einer Sache muss das Landgericht Hanau aber noch einmal tätig werden.

Es ging um Menschenhandel, Einschleusung, Zwangsprostitution, Ausbeutung und Steuerhinterziehung: Im Juni 2020 verurteilte das Landgericht Hanau fünf Angeklagte zu mehrjährigen Freiheitsstrafen. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass die Angeklagten Betreiber und Unterstützer eines Bordellrings unter anderem in Maintal (Main-Kinzig) waren. Für diesen hätten sie jahrelang thailändische weibliche und transsexuelle Prostituierte mit Touristenvisa nach Deutschland eingeschleust und ausgebeutet.

Drei Angeklagte, darunter zwei Bordellbetreiber aus Maintal, legten Revision gegen das Urteil ein. Diese hat der Bundesgerichtshof (BGH) nun als unbegründet verworfen, wie das Gericht am Donnerstag mitteilte. Die obersten Strafrichter bestätigten auch das Urteil gegen die Hauptangeklagten, ein Ehepaar aus Siegen (Nordrhein-Westfalen).

Manche Fälle von Steuerhinterziehung verjährt

Hauptangeklagte war eine Frau, die zu einer Freiheitsstrafe von acht Jahren und neun Monaten verurteilt worden war, ihr Partner erhielt eine Strafe von vier Jahren und sechs Monaten. Die drei weiteren Angeklagten wurden zu Strafen zwischen drei Jahren und zwei Jahren auf Bewährung verurteilt.

Nur einen Punkt beanstandeten die Bundesrichter: Zehn Fälle von Steuerhinterziehung seien inzwischen verjährt, darüber hinaus seien in vier Fällen gezahlte Steuern nicht berücksichtigt worden. In dieser Sache muss das Landgericht die Art und die Höhe der Strafe neu prüfen, wie der Bundesgerichtshof entschied.

Der BGH hob daher hinsichtlich der Einzel- und Gesamtstrafen, die gegen das Paar verhängt worden waren, das Urteil auf und verwies die Sache an eine andere Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts.

Nebenklägerinnen schildern ihre Angst

Die ausgebeuteten Transsexuellen wurden als Mann geboren und leben als Frau. Sie waren über das Internet angeworben worden, die Arbeitsbedingungen waren ihnen aber nicht klar, wie das Landgericht feststellte. So mussten sie ihre Reisekosten abarbeiten, einigen waren die Reisepässe abgenommen worden, um eine Rückreise zu verhindern. In den Bordellen hatten sie kein Mitspracherecht, welchen Freiern sie gefügig sein mussten. Sie mussten mitunter auch ohne Kondom Sex haben.

An dem Prozess hatten sich vier Transsexuelle als Nebenklägerinnen beteiligt. Eines der Opfer berichtete, dass sie oft eingesperrt gewesen sei und zeitweilig rund um die Uhr für Sex zur Verfügung habe stehen müssen. Sie sei in mehreren Bundesländern tätig gewesen. Eine andere Nebenklägerin beschrieb ihre Angst vor Konsequenzen mit den Worten: "Wenn ich abhaue, kommen nur noch meine Knochen zurück."

Aufgedeckt worden war der Bordellring bei einer Großrazzia im April 2018, bei der rund 1.500 Beamte der Bundespolizei eingesetzt waren.