Ein Mann sitzt auf einer Anklagebank im Gerichtssaal und hält sich einen Aktenordner vors Gesicht.

Im Prozess um den qualvollen Tod eines Mädchens im Irak hat das Oberlandesgericht Frankfurt den Angeklagten zu lebenslanger Haft verurteilt. Es ist das wohl weltweit erste Urteil wegen des Völkermordes der Terrormiliz IS an den Jesiden.

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Lebenslange Haft nach Tod eines jesidischen Mädchens

hessenschau vom 30.11.2021
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Im Prozess um ein verdurstetes jesidisches Mädchen im Irak hat das Oberlandesgericht Frankfurt den Angeklagten am Dienstag zu lebenslanger Haft verurteilt.

Die Richter sprachen den 31 Jahre alten mutmaßlichen Anhänger der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) unter anderem wegen Völkermordes und Verbrechen gegen die Menschlichkeit mit Todesfolge schuldig. Zudem muss der Iraker der Mutter des Mädchens Schadenersatz in Höhe von 50.000 Euro zahlen. Er hatte die versklavte Fünfjährige 2015 bei großer Hitze in der prallen Sonne angebunden.

Mädchen musste als Sklavin arbeiten

Der Vorsitzende Richter Christoph Koller sprach vom weltweit ersten Urteil wegen der Verbrechen des IS an der Minderheit der Jesiden. Während der Vorbemerkungen zur Urteilsbegründung sackte der Angeklagte im Saal zusammen, die Sitzung wurde unterbrochen.

Der Angeklagte Taha Al-J. hatte das Mädchen und dessen Mutter, die ebenfalls als Sklavin in seinem Haushalt leben musste, laut Anklage der Bundesanwaltschaft wiederholt erniedrigt und misshandelt. Um die Fünfjährige zu bestrafen, soll er sie bei glühender Hitze an ein Fenstergitter im Hof des Anwesens im irakischen Falludscha gefesselt haben, wo das Kind laut Anklage qualvoll verdurstete.

Völkermord an Jesiden im Irak

Al-J. handelte dabei gemeinsam mit seiner aus Deutschland stammenden damaligen Ehefrau Jennifer W., die unter anderem für ihre Beteiligung am Tod des Kindes vor rund einem Monat in einem separaten Prozess vom Oberlandesgericht München zu zehn Jahren Haft verurteilt wurde. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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Urteil im Prozess um verdurstetes Mädchen im Irak

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Das getötete Mädchen gehörte ebenso wie seine Mutter zur religiösen Minderheit der Jesiden, an denen der IS während seiner Herrschaftszeit im Irak einen Völkermord verübte. Die Mutter überlebte, sie nahm als Nebenklägerin an dem Prozess gegen Al-J. teil. Das Urteil entsprach weitgehend der Anklageforderung.

Verteidigung wies Vorwürfe zurück

Die Verteidiger hatten in ihrem Plädoyer erklärt, für ihren Mandanten sei die Mutter des Mädchens eine Haushaltshilfe gewesen - mit dem organisierten Vernichtungsfeldzug des IS gegen die Jesiden habe er nichts zu tun gehabt. Der Tod des Mädchens könne auch auf eine Vorerkrankung zurückgehen. "Der Tod des Kindes war ein schrecklicher Unfall, den er bestimmt nicht gewollt hat", sagte der Verteidiger.

Al-J. stand seit April vergangenen Jahres vor Gericht. Er war im Mai 2019 in Griechenland festgenommen und einige Monate darauf nach Deutschland ausgeliefert worden.

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