Märchenwald Höchst
Diebstähle in der Obrunnschlucht: Ein geklauter Brückenhandlauf, ein gestohlenes Reh. Bild © Gemeinde Höchst

Eine angesägte Brücke, gestohlene Holzfiguren: Auf dem Obrunnschlucht-Märchenpfad in Höchst im Odenwald treiben Vandalen ihr Unwesen. Dem Bürgermeister reicht es jetzt.

"Max und Moritz, gar nicht träge, sägen heimlich mit der Säge, ... in die Brüche eine Lücke", dichtete einst Wilhelm Busch. Ob sich die Vandalen im Märchenwald in Höchst (Odenwald) womöglich davon inspiriert fühlten, ist nicht bekannt.

Fest steht: Sie sägten die sechs Meter langen Handläufe einer Brücke ab und schafften sie unbemerkt aus dem Märchenwald, der mit Dornröschen-Schloss, Rübezahl und Wasserfall einer der Highlights in Höchst und Umgebung ist. Die Brücke, die erst im letzten Jahr neu errichtet wurde, musste gesperrt werden.

Belohnung und Videoüberwachung

"Das sind Idioten, sie gehen mit brachialer Gewalt vor", sagt Bürgermeister Horst Bitsch (parteilos) am Montag hessenschau.de. Die Arbeit von Ehrenamtlichen werde zerstört. Laut Polizei tobten sich die Vandalen in der Nacht vom 22. auf den 23. August an der Brücke aus Lärchenholz in der Obrunnschlucht aus. Zuvor waren bereits Märchenfiguren geklaut worden.

Der Bürgermeister will den oder die Täter schnellstmöglich enttarnen und greift dafür ins eigene Portemonnaie. 1.000 Euro Belohnung hat er für Hinweise aus der Bevölkerung ausgesetzt. Zuvor hatte Bitsch die Aktion auf der Facebook-Seite des Odenwälder Journals angekündigt.

"Wenn sich der Gemeindevorstand am Donnerstag trifft, wird die Belohnung vermutlich nochmal erhöht", sagt er. Zudem sollen auf dem rund drei Kilometer langen Wanderweg Videokameras installiert werden - inklusive Hinweisschildern für Wanderer an den Startpunkten.

Die Brücke in der Obrunnschlucht musste gesperrt werden.
Diese Brücke in der Obrunnschlucht musste gesperrt werden. Bild © Sandra Breunig/ Odenwälder Journal

Ehrenamtliche kümmern sich um Figuren und Häuschen

Für die Interessengemeinschaft (IG) Obrunnschlucht sind die Diebstähle im Märchenwald besonders bitter. Die Mitglieder stellten die Holzfiguren und die Häuschen, die für eine besondere Atmosphäre im Wald sorgen, teilweise selbst in mühevoller Handarbeit her. "Was sollen wir sagen, wir leiden seit Jahren unter dem Vandalismus", sagt Karl Stutz von der IG Obrunnschlucht hessenschau.de. Die beschädigte Brücke sei der bislang traurige Höhepunkt.

An den Wochenenden kommen laut Stutz 300 bis 500 Spaziergänger und Wanderer zur Schlucht. "Vor allem bei Kindern ist der Märchenwald beliebt", sagt er. Es gebe sogar Führungen für Schulklassen.

Kuhkopf, Reh und Tafel geklaut

Erst Anfang August hatten Spaziergänger der Polizei gemeldet, dass drei Holzfiguren auf dem Weg entlang des Bachlaufs zwischen Höchst und der Rimhorner Höhe fehlten. Darunter ein Kuhkopf auf einem 2,50 Meter hohen Pfahl, ein liegender Rehbock und eine beschriftete Tafel an einem Stamm.

Bürgermeister Bitsch vermutet, dass die Täter nachts zuschlagen. Holzfiguren in der freien Natur zu schützen, sei schwer, meint er. Auf Beton umzusteigen, kommt für ihn und die Anwohner aber nicht in Frage. "Das passt wirklich nicht in den Wald."