Gerichtssaal, Angeklagter mit Anwalt, Zuschauer
Der angeklagte Vater äußerte sich vor Gericht nicht zur Tat. Bild © hr

Nach dem gewaltsamen Tod zweier Kinder im südhessischen Mörlenbach stehen deren Eltern vor Gericht. Der Vater sagte beim Prozessauftakt nichts zur Tat, nur so viel: Er habe seine Tochter und seinen Sohn geliebt.

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Zweifacher Mord aus Heimtücke und schwere Brandstiftung - so lautet die Anklage gegen ein Elternpaar, das seit Freitag vor dem Landgericht Darmstadt steht. Die Staatsanwaltschaft wirft den Ärzten vor, im August 2018 ihre Kinder getötet und anschließend ihr Haus in Mörlenbach (Bergstraße) angezündet zu haben.

"Habe meine Tat in eine Schublade getan"

Das Paar selbst wurde aus einem Auto gerettet, das mit laufendem Motor in der Garage stand. Die beiden hatten offenbar versucht, sich mit Kohlenmonoxid zu vergiften. Die Leichen der zehnjährigen Tochter und des 13 Jahre alten Sohnes indes wurden im brennenden Wohnhaus gefunden.

"Ich habe meine Tat in eine Schublade getan", erklärte der angeklagte Vater am Freitag vor Gericht. Diese Schublade habe er nicht mitgebracht, sagte der 59-Jährige weiter. Er betonte, er habe seine Kinder geliebt. Mit ihm auf der Anklagebank saß seine 46 Jahre alte Ehefrau.

Erstochen, erschlagen, angezündet

Den Ausführungen des Staatsanwalts zufolge soll der 59-Jährige seine Kinder in ihren Betten mit zahlreichen Messerstichen in Hals und Brust schwer verletzt haben. Später soll er mit einem Hammer auf ihre Köpfe eingeschlagen haben.

Danach habe er Benzin auf den Betten und im Kinderzimmer verschüttet und angezündet, so die Anklage. Laut Obduktion waren die Kinder bereits tot, als das Haus brannte.

Paar hatte erhebliche Geldprobleme

Als Motiv des Angeklagten vermutet die Staatsanwaltschaft Verzweiflung über den wirtschaftlichen Niedergang seiner Praxis und eine bevorstehende Zwangsvollstreckung. Das Wohnhaus war bereits für 575.000 Euro zwangsversteigert worden. Am Tag der Tat sollte es den neuen Besitzern übergeben werden.

Zur Tat selbst wollte der 59-Jährige am ersten Prozesstag nichts sagen. Lediglich zu seinen finanziellen Schwierigkeiten und einem Insolvenzantrag seiner Praxis ließ sich der Mediziner vor Gericht ein. Demnach befand er sich in einer erheblichen finanziellen Schieflage. Unter anderem seien Sozialversicherungsbeiträge nicht gezahlt worden.

Gutachter: Eltern wollten sich zunächst nur selbst töten

Ein Gutachter berichtete von den Gesprächen, die er mit den Eheleuten geführt hatte. So habe ihm der Vater erzählt, dass sich die Eltern zunächst nur selbst töten wollten. Am Abend vor der Tat habe er sich aber gefragt, was dann aus den Kindern werden solle. Daraufhin habe er sich entschieden, sie zu töten.

Nachbarn zufolge waren die Geldprobleme des Paares im Ort bekannt. So seien ein Motorboot und teure Autos etwa ein halbes Jahr vor dem Tod der Kinder und dem Selbsttötungsversuch abgeholt worden. Bis zum 8. Mai sind vier weitere Verhandlungstage angesetzt.