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zum Video Beschwerde gegen Hundepension

Eine Szene aus einem dem hr zugespielten Video: Die Leiterin des Offenbacher "Doggyhouse" zieht einen neuen Hund am Halsband hoch.

Krach als gängiges Mittel, eine strenge Rudelchefin und ein gestresster Hund, der sich nicht wehren kann: So wirken die Szenen aus dem "Doggyhouse" in Offenbach. Das Veterinäramt und die Inhaberin sehen das anders. Ein Hundebesitzer warnt.

Sie sollen sich hier austoben, frei herumlaufen oder mit anderen Hunden spielen: Auf den ersten Blick wirkt die Hundetagesstätte und Hundepension "Doggyhouse" in Offenbach wie ein Paradies für Vierbeiner. Es gibt einen Pool, ein Trampolin, Sand zum Buddeln und viele Klettermöglichkeiten in dem riesigen Garten. Rund 130 Hunde gehören zum festen Rudel, manche kommen mehrmals pro Woche, andere nur für einen Tag.

Wie zwei dem hr vorliegende kurze Video-Ausschnitte aus der Hundepension allerdings zeigen, gehören auch Stress, Angst, harte Bestrafung und Lärm als fragwürdige Eingewöhnungsmethoden dazu.

Internes Video zeigt harte Eingewöhnungsmethoden

Im Video, das wohl intern zur Dokumentation oder zu Schulungszwecken gedreht wurde, stellt die Leiterin Manuela Keßler gerade den anderen Hunden einen Neuzugang vor: In der Hand hält sie - und auch die anderen Tiefpfleger und -pflegerinnen - eine sogenannte Rütteldose.

Lässt sich der Hund nicht friedlich von den anderen Tieren beschnuppern, scheppert es laut, mitunter nah an seinem Ohr. Als der neue Hund in der Stresssituation nach einem anderen Hund schnappt, reißt Keßler ihn heftig am Halsband nach oben. Rund 20 Sekunden verharrt er so. "Das ist mein Rudel, meins", sagt Keßler, fast Kopf an Kopf mit dem Tier.

Videobeitrag

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zum Video Dieses Video zeigt den umstrittenen Umgang mit dem Hund

Die beschriebene Szene in der Hundepension.
Ende des Videobeitrags

Ein weiterer Hundebesitzer erhebt Vorwürfe

Auch der Hund von Markus Maurer (Name von der Redaktion geändert) ging über ein Jahr lang mehrere Tage pro Woche in die Hundepension von Manuela Keßler. Nachdem sich der Besitzer aus Unbehagen dazu entschieden hatte, seinen Hund nicht mehr ins "Doggyhouse" zu schicken, erreichten ihn die internen Aufnahmen. Einige Hunde darauf hat er wiedererkannt.

"Ich war entsetzt", erzählt er. Maurer hatte zuvor bei seinem eigenen Hund Verhaltensauffälligkeiten beobachtet - immer dann, wenn er zuvor in der Hundepension war. "Sein Wesen hat sich komplett gewandelt, nachdem er da war. Er war verschreckt, panisch, hatte Angst vor Lärm, hat nicht fressen wollen und mich abends beim Spazierengehen immer wieder voller Panik schreckhaft nach Hause gezogen", berichtet der Hundebesitzer: "Mein Hund war fast nicht mehr zu halten."

Maurer wolle mit der Verbreitung der Videos auf die fragwürdigen Methoden aufmerksam machen. Kunden zahlen für den Aufenthalt ihres Vierbeiners im "Doggyhouse" einen durchaus hohen Preis - ein Tag pro Woche kostet 35 Euro.

Tierärztin: "Heutzutage arbeitet man anders"

Kritik an der Hundeerziehung mit einer Rütteldose kommt auch von der Tierärztin Katja Feuerbacher aus Kelkheim (Main-Taunus). Es sei zwar noch eine gängige, aber "ganz veraltete" Methode, um unerwünschtes Verhalten zu maßregeln.

Für den Moment sei die Methode vielleicht hilfreich. "Aber was ist, wenn der Hund wieder bei seinen normalen Besitzern ist, die nicht so dominant sind?", fragt sie. "Ich glaube, dass der Hund in diesem Moment seine ganzen Aggressionen dann an einem anderen Hund auslässt und richtig beißt. Heutzutage arbeitet man komplett anders." Zudem habe der Hund in dem Video gar keine Chance gehabt, sich zu wehren - das sei wie Folter für ihn.

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Zuvor über das Doggyhouse berichtet

In einem Bericht der Sendung "Die Ratgeber" hatte der hr zuvor die hier kritisierte Hundepension "Doggyhouse" in Offenbach ausschließlich positiv hervorgehoben. Zu diesem Zeitpunkt, Anfang Juli, lagen dem hr die Videos noch nicht vor.

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"Doggyhouse"-Inhaberin rechtfertigt den Umgang

Manuela Keßler, die seit 15 Jahren Jahren das "Doggyhouse" leitet, rechtfertigt auf hr-Anfrage ihren Umgang mit dem Tier. Bei der Momentaufnahme handele es sich um eine insgesamt einstündige Einführung in das Rudel. In der Szene habe sie mit der Rütteldose die anderen Tiere effektiv vom Neuzgang ferngehalten.

Das Außengelände im Doggyhouse.

"Dass das für den Hund, der bei mir sitzt, neu und zunächst unangenehm ist, ist klar. Aber irgendwann versteht er, dass ihn das selbst auch schützt." Zudem werde die Dose als Eingewöhnungsmethode nicht bei jeder Rasse eingesetzt, so Keßler. Der im Video gezeigte Hund sei schließlich wegen seines aggressiven Verhaltens nicht in die Hundepension aufgenommen worden.

Veterinäramt: Nur eine Sache "leicht grenzwertig"

Das Offenbacher Veterinäramt verteidigt die gezeigten Methoden im "Doggyhouse". Grund zum Einschreiten gebe es nicht, heißt es auf Anfrage. Die Videos seien beim Amt als anonyme Beschwerde bereits eingereicht, sagt Leiterin Monika Grimm. Der Einsatz der Rütteldose sei "kein ungewöhnliches Mittel". Damit habe Keßler den anderen Hunden gezeigt, dass sie Distanz zum neuen Hund wahren müssten.

Ungewöhnlich hingegen sei die große Gruppe. Keßler habe jedoch langjährige Erfahrung und die offizielle Erlaubnis, bis zu 148 Hunde zu halten. "Leicht grenzwertig" sei hingegen, dass Keßler den neuen Hund am Halsband nach oben zerre, nachdem dieser versucht habe, einen anderen Hund zu beißen. Dort werde das Amt das Gespräch suchen.

Einmal pro Jahr überprüft das Veterinäramt das "Doggyhouse" unangekündigt. Missstände habe es in der Vergangenheit nicht gegeben.

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49 Kommentare

  • Wir haben einen Rotti, der 2x die Woche ins Doggyhouse geht. Allerdings nicht weil wir keine Zeit haben sondern weil er es liebt dort zu sein. Eine Wesensveränderung konnten wir allerdings auch feststellen. Seit dem Doggyhouse ist er super verträglich mit anderen, ggf. fremden Hunden die er vorher nicht kannte, da wir ihn aus dem Tierheim übernommen hatten. Auch er hat eine solche Einführung erlebt, die Rütteldose kam auch zum Einsatz da er angefangen hatte zu fixieren ... danach kann es ggf. etwas heftiger werden ( eine Rottieigenschaft) aber auch das Rudel wurde so von ihm fern gehalten. Nach 10 Minuten ca. ging er ohne Leine mit einem Teil des Rudels nach draußen zu den anderen. Eine Umkehrpsychologie ist wohl eine Möglichkeit ... allerdings nicht, wenn es nur 1 Versuch gibt. Das Personal kann ich als freundlich bis sehr freundlich bezeichnen. Wenn er geholt wird, sitzt er nicht schon wimmernd auf der Couch sondern muss bis zu 5x gerufen werden da er immer nich draußen rumtollt.

  • Zum Glück noch keine. Der Gedanke der Einrichtung mag ja gut sein.
    Aber wenn ich das Gewusel auf dem Video sehe schwillt mir der Kamm.
    130 Hunde, soll das gut sein???

    Ich bin auf der Suche nach einem kleinen , den mchte ich aber nirgends abliefern müssen.

  • Danke Hessenschau für Ihren Bericht und den Einblick in die aktuell verheerende Situation: Ich denke hier an der Tierpension kann man gut sehen wohin der allseits forcierte Hundewahn führt. Hin zu "zweifelhaften" Unterkünften und traumatisierten und aggressiven Hunden. Mir geht es primär nicht um die Hunde. Menschen, alte Leute und kleine Kinder können jederzeit Opfer dieses krankhaften Tierverständnisses werden. Verstümmelungen und Merkmale, die sie bis an ihr Lebensende zeichnen werden. Menschenschutz geht vor Tierschutz. Um unser aller Wohl.

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