Rettungswagen Sujet
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Es musste schnell gehen: Ein Rettungswagen im Einsatz hat vor einem Eppsteiner Supermarkt ein anderes Auto blockiert. Dessen Besitzer reagierte erbost - und parkte das Einsatzfahrzeug kurzerhand um.

Während Rettungssanitäter in den Supermarkt in Eppstein-Vockenhausen (Main-Taunus) gingen, um einen kollabierten Mann zu versorgen, kam ein 45-Jähriger gerade vom Einkaufen zurück zu seinem Auto.

Als er sah, dass er den Parkplatz nicht verlassen konnte, setzte er sich kurzerhand ans Steuer des unverschlossenen Rettungswagens. Er parkte ihn um, damit er sein eigenes Auto ausparken konnte, wie die Polizei in Kelkheim am Samstag mitteilte.

Sanitäter bedroht

Als einer der Rettungssanitäter ihn auf die Aktion ansprach, reagierte der Mann so aggressiv, dass der Retter sich im Fahrzeug einschließen musste. Dort alarmierte er die Polizei.

"Das Verhalten des uneinsichtigen Bürgers stellt eine Straftat dar", stellte ein Polizeisprecher klar. Der Mann muss nun mit einer Anzeige rechnen, weil er die Arbeit der Sanitäter behinderte. Es wird wegen des unbefugten Gebrauchs eines Rettungsfahrzeugs sowie wegen Widerstands gegen den Sanitäter ermittelt. Denn der ist im Dienst Vollstreckungsbeamten gleichgestellt.

Verbale und körperliche Gewalt an der Tagesordnung

Der Vorfall auf dem Parkplatz in Eppstein ist kein Einzelfall. Rettungskräfte in Hessen berichten über zunehmende Angriffe durch Patienten, Angehörige und Passanten. Nach einer Studie der Uni Bochum erfahren 90 Prozent der Einsatzkräfte von Rettungsdiensten und Feuerwehren im Laufe ihrer Tätigkeit verbale Gewalt und 60 Prozent körperliche Gewalt.

In Frankfurt demonstrierten deswegen im vergangenen Februar rund 300 Lebensretter für mehr Respekt. Zudem sei die Arbeitsbelastung viel zu hoch. Die Fraktionen im Landtag thematisierten im Sommer gewalttätige Angriffe auf Rettungskräfte und forderten zum Teil eine härtere Bestrafung.

Sendung: hr1, 6.1.2019, 13.30 Uhr